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Weltspiegel

"Spinnt's ihr?": Nationalpark sperrt Instagram-Hotspot

Von nachrichten.at (jup)   12. August 2020 16:53 Uhr

Ein Mann treibt auf einem pinken Schwimmtier im Natur-Pool, unter ihm fällt die Felswand steil ab: Dieses Foto brachte das Fass zum Überlaufen.

BERCHTESGADEN. Heerscharen von Influencern zerstören die Natur und lösen Rettungseinsätze aus: Nun soll der sogenannte "Infinity-Pool" über dem Königsbach-Wasserfall in Bayern per Verordnung unzugänglich gemacht werden.

Barfuß klettern junge Frauen und Männer über rutschigen Steine, lassen sich in das eiskalte, sprudelnde Wasser sinken, unter ihnen eine abschüssige Felswand und der türkisgrüne Königssee: So entsteht das beliebte Foto-Motiv am sogenannten "Natural Infinity Pool" im Nationalpark Berchtesgaden, wie es in der Vergangenheit hundertfach auf Instagram geteilt wurde. Die Gumpen über dem Königsbach-Wasserfall in Bayern sind zu einem Tummelplatz für Influencer geworden – mit verheerenden Folgen für die Natur.  

Nachdem das Kleinod abseits des offiziellen Wegenetzes im Schutzgebiet durch soziale Medien weltweit bekannt wurde, häufen sich dort nicht nur Bergrettungseinsätze, sondern auch der Müll. Die Natur leidet zunehmend: Rund um den Gumpen sind rund drei Kilometer neue Trampelpfade im Bergwald entstanden. Ranger berichten über illegale Feuerstellen und zurückgelassene Zelte.

Jährlich pilgern tausende Foto-Touristen teils in FlipFlops und Badekleidung über nicht markierte Wege zu den steinigen Becken hoch über dem Königssee. An manchen Tagen sollen es bis zu 200 Menschen sein, die sich für ein Foto und ein paar Herzchen auf Instagram anstellen. Das soll sich jetzt ändern. Denn die Verantwortlichen im Nationalpark Berchtesgaden wollen den naturschutzfachlich wertvollen Ort behördlich sperren lassen.

"Situation nicht länger tragbar"

Die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden erarbeitet in Abstimmung mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land ein Betretungsverbot für den betroffenen Bereich, damit sich die Vegetation erholen kann. Bei einem Runden Tisch sei man darüber übereingekommen, dass die Situation am Königsbach-Wasserfall so nicht länger tragbar sei, heißt es in einer Aussendung. Das Areal soll nun zum 'Vegetationsschutzgebiet' gemacht und der Zugang untersagt werden. Bei Nichtbeachtung sollen Bußgelder verhängt werden. 

Bis die Sperre in Kraft treten kann, wird es mehrere Wochen dauern. Nationalpark-Ranger seien schon jetzt vermehrt im Bereich des Königsbach-Wasserfalls unterwegs und kontrollieren die bereits bestehenden Verbote wie Zelten und Biwakieren, Feuer machen, den Einsatz von Drohnen oder das Hinterlassen von Müll.

"Behaltet eure Tipps für euch!"

In der Vergangenheit geriet der Instagram-Hotspot immer wieder in die Schlagzeilen. Im April des Vorjahres waren dort zwei junge Männer tödlich verunglückt, weil sie sich nicht mehr aus dem eiskalten Wasser befreien konnten.

Im Juni startete der Nationalpark eine Social-Media-Kampagne, nachdem ein Foto aufgetaucht war, das einen jungen Mann auf einem aufblasbaren Flamingo in dem Gumpen zeigt. "Ja, spinnt's ihr?" kommentierte der Nationalpark das Bild mit einer rhetorischen Frage und forderte Influencer auf, Fotos und Wegbeschreibungen zu löschen. "Seid verantwortungsvoll mit euren Mitmenschen und unserer einzigartigen Natur. Behaltet eure Tipps für euch!", heißt es in dem vielfach geteilten Beitrag. 

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