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Weltspiegel

Nach dem Anschlag auf die Synagoge: Wie Halle den Schock verarbeitet

Von OÖNachrichten   11. Oktober 2019 00:04 Uhr

Nach dem Anschlag auf die Synagoge: Wie Halle den Schock verarbeitet
Nicht nur Blumen und Kerzen zum Gedenken - auch eine klare Botschaft.

HALLE AN DER SAALE. "Es ist wichtig, dass man auf die Schnelle ein Zeichen dagegen setzt".

Im Minutentakt kommen Menschen und legen Blumen vor die Synagoge in Halle. Einige weinen, alle halten inne und wirken bedrückt. Anrainer hängen am Donnerstag spontan ein selbst gemaltes Transparent an ihr Fenster: "Humboldtstr. gegen Antisemitismus + Hass" steht darauf. Die Hausgemeinschaft habe ein Zeichen setzen wollen gegen das Anliegen des 27 Jahre alten Mannes, der für den Anschlag auf die Synagoge und für zwei Tote und mehrere Verletzte verantwortlich sein soll, sagt Benjamin Leins (32). Die Gedanken hinter der Tat, der Hass, er sei bei vielen Leuten präsent. "Und deswegen finden wir es wichtig, dass man auf die Schnelle ein Zeichen dagegen setzt."

"Unfassbar, grausam"

Dieses Zeichen wollen am Tag nach dem weltweit beachteten Anschlag viele setzen. Auf dem Marktplatz entsteht ein Kerzen- und Blumenmeer, ebenso direkt an den Tatorten vor der Synagoge und einem Dönerimbiss. "Unfassbar", "grausam", "einfach nur schlimm", murmeln die Menschen, die hier um die Opfer trauern. Neben den Polizisten sind auch Journalisten sehr präsent. Vor der Synagoge beantworten einige Jüdinnen und Juden, die während des Anschlags in dem Gotteshaus waren, geduldig Fragen. Unter ihnen ist Christina Feist (29), die aus Wien stammt und in Berlin wohnt. Sie wollte "fern des Großstadttrubels" mit anderen Gläubigen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in Halle begehen.

Der größte Schock für sie sei gewesen, dass sie auf dem Bildschirm der Überwachungskamera sehen konnten, wie der Täter direkt vor der Synagoge eine Frau erschoss. "Wir konnten schlecht rausgehen", sagt Feist. Sie hätten mehr als 15 Minuten die am Boden liegende Frau gesehen, nicht wissend, ob sie lebt oder nicht. Erst dann sei die Polizei gekommen. In der Synagoge habe keine Panik geherrscht, aber Anspannung. "Wir haben gesungen, wir haben gebetet", sagt Feist. Sie seien dankbar gewesen, dass sie noch lebten.

"Tag der Scham und Schande"

Doch zwei Menschen überlebten den Anschlag nicht. Zu den vielen erschütterten und trauernden Hallensern gesellen sich im Laufe des Tages viele Politiker: Schon am späten Vormittag kommt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an. Er spricht von einem "feigen Anschlag" und von einem "Tag der Scham und der Schande".

Am Tag danach versucht Halle neben all dem Trauern und dem Großaufgebot an Politikern zur Normalität zurückzufinden. Auch am Hauptbahnhof, der während des Anschlags stundenlang gesperrt war, ist das zu beobachten. Die Menschen seien verhaltener als sonst, sagt eine Verkäuferin an einem Zeitungsstand. Sie gebe deswegen allen Kunden den Wunsch für "einen ruhigen Tag" mit. Und wenn die Blumen und Politiker weg sind – wird Halle dann enger zusammenstehen? Der Anrainer Leins, der das Transparent ans Fenster hängte, ist sich nicht sicher. "Das wird sich zeigen."

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