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Weltspiegel

Millionärsfrau seit einem halben Jahr in Norwegen vermisst

Von nachrichten.at/apa   25. April 2019

OSLO. In Norwegen wird seit einem halben Jahr eine Frau vermisst, deren Ehemann einer der reichsten Menschen des Landes ist. Die Polizei geht davon aus, dass die 69-Jährige zu Halloween aus ihrem Familienhaus entführt wurde.

Es gibt eine Lösegeldforderung, aber auch ein halbes Jahr später kein Lebenszeichen. Ein ganzes Land fragt sich: Wo steckt Anne-Elisabeth Falkevik Hagen?

Die Polizei spricht von der "Angelegenheit Lörenskog". Lörenskog ist die Kommune östlich von Oslo, in der das Anwesen der Familie Hagen steht. Dort ist die damals 68-Jährige am 31. Oktober 2018 plötzlich verschwunden. "Wir haben immer mehr Zweifel, dass sie noch am Leben ist", sagte Ermittler Tommy Bröske schon Ende Februar.

Öffentlich machte die Polizei den Fall erst zehn Wochen nach dem Verschwinden. Von Anfang an ging sie von einer Entführung aus, unter anderem, weil Lösegeld in einer Kryptowährung gefordert worden war - nach Angaben der norwegischen Zeitung "Verdens Gang" in Höhe von umgerechnet neun Millionen Euro. Mutmaßlich ist die Frau im Badezimmer überwältigt worden. Schriftliche Nachrichten sind gefunden worden. Der Kontakt mit den mutmaßlichen Entführern ist zäh und findet nur über eine digitale Plattform statt, zuletzt am 11. Februar.

Der Ehemann der Entführten ist steinreich und - je nachdem, ob man in norwegischen Kronen oder in Euro misst - Milliardär beziehungsweise Multimillionär. Tom Hagen ist Investor, mit Stromverkauf und Immobilien soll er im Laufe von elf Jahren eine Milliarde norwegische Kronen (rund 104 Millionen Euro) verdient haben. Sein Nettovermögen soll sich auf 1,7 Milliarden Kronen belaufen. Damit zählt er zu den 200 wohlhabendsten Menschen eines ohnehin sehr reichen Landes.

"Für die Familie ist das unglaublich ermüdend"

Doch was ist Geld, wenn die eigene Frau verschwunden ist? "Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Familie die Entführung als eine grausame und unmenschliche Tat erlebt", sagte Familienanwalt Svein Holden vor Monaten auf einer Pressekonferenz. "Für die Familie war und ist das unglaublich fordernd und ermüdend, sich über längere Zeit in solch einer Situation zu befinden."

Holden ist neben Ermittler Bröske das öffentliche Sprachrohr in dem Fall. Wenn es Neuigkeiten gibt, dann stets von diesen beiden. Und Holden ist nicht irgendwer: Er zählt zu den bekanntesten Juristen Norwegens. Im Prozess gegen den Rechtsterroristen Anders Behring Breivik vertrat er die Staatsanwaltschaft. Informationen gibt er im Fall Hagen wie die Polizei äußerst vorsichtig heraus - zu besorgt ist man um das Wohlergehen der Frau. Die Kidnapper hatten gedroht, sie zu töten, wenn die Polizei eingeschaltet würde.

Der Fall Hagen zieht sich mittlerweile so lange hin, dass es auch der Polizei um Geld geht. Sie beantragte zuletzt zusätzliche Mittel, um die Kosten der Ermittlung zu decken. Mehr als 1.500 Hinweise und 6.000 Stunden Videomaterial mussten bisher ausgewertet werden. Als sei das nicht genug, haben sich mehrere Betrüger aus dem Ausland als vermeintliche Entführer ausgegeben, um Geld von der Familie zu erpressen. Die mittlerweile 69-jährige Frau Hagen bleibt weiter verschwunden.

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