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Weltspiegel

Italienische Polizei überwacht Ausgangssperre mit Drohnen

23. März 2020 17:44 Uhr

Italien schließt alle nicht lebenswichtigen Betriebe
Desinfektionsarbeiten nahe der berühmten Rialto-Brücke in Venedig

ROM/MAILAND. Die Polizei wird in italienischen Städten Drohnen zur Überwachung der Ausgangssperre wegen des Coronavirus einsetzen. Die Zahl der Infizierten und der Todesopfer steigt weiter steil an – Russland schickte Hilfsflugzeuge nach Rom.

In Italien beziehungsweise im europäischen Corona-Epizentrum Lombardei steigt die Zahl der Infizierten und Toten weiterhin an: "Leider sehen wir immer noch kein Licht am Ende des Tunnels", sagte Giorgio Gori, der Bürgermeister der Stadt Bergamo. Daniele Macchini, ein Chirurg in der schwer getroffenen Stadt, berichtete von einem "Krieg", der im Gange sei. Mindestens 17 Ärzte sind in Italien seit Beginn der Epidemie gestorben.

Die Regierung in Rom verschärft daher die Maßnahmen erneut: Italien schließt die gesamte nicht lebensnotwendige Produktion. Davon seien Supermärkte, Banken, Post und Apotheken ausgenommen, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstagabend.

"Es ist die schwerste Krise für das Land seit dem Zweiten Weltkrieg." Nun werde jede produktive Tätigkeit eingestellt, "die nicht entscheidend und unerlässlich dafür ist, essenzielle Güter und Dienstleistungen zu garantieren". Diese drastische Maßnahme für die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone soll zunächst bis 3. April gelten.

Das Land hatte am Samstag an nur einem Tag fast 800 Tote vermeldet und damit so viele wie nie seit dem Ausbruch des Virus in Italien. Bisher starben 4825 Menschen, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Italien ist damit das Land mit den meisten offiziell gemeldeten Toten wegen des Coronavirus auf der Welt. Die Regierung hatte daher erst am Freitag die Ausgangssperren verschärft, die seit 10. März landesweit gelten. Allerdings forderten Regionalpolitiker im Norden weitere Maßnahmen, auch weil sich einige Menschen immer noch nicht an die Auflagen halten.

Drohnen werden bis 3. April eingesetzt

Für die Überwachung der Ausgangssperren mit Drohnen gab Italiens Luftfahrtbehörde am Montag Grünes Licht. Die Drohnen dürfen von der Polizei bis zum 3. April eingesetzt werden, teilte ENAC mit.

Die Polizei will so kontrollieren, ob Vorschriften eingehalten werden und sich Menschen nicht zu nahe kommen. Der Einsatz von Drohnen war zunächst in den vergangenen Tagen von der Exekutive in Rom getestet worden.

Zwei Millionen Italiener wurden seit dem 11. März von der Polizei zur Überprüfung angehalten, 96.000 Personen erhielten Anzeigen wegen Missachtung der Ausgangssperre. Auch 2.277 Shopinhaber wurden angezeigt.

Österreich: Drohnen zur Verkehrsüberwachung

Wer sich nicht an die Vorschriften hält, verletzt Paragraf 650 des italienischen Strafgesetzbuches, der Missachtung von Behördenverordnungen ahndet. Dabei drohen drei Monate Haft oder eine Geldstrafe von bis zu 206 Euro. Während der Quarantäne dürfen Italiener nur aus beruflichen oder dringenden Gründen auf die Straßen sowie, um kurze Einkäufe zu erledigen.

Auch in Österreich werden derzeit Drohnen eingesetzt, bestätigte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Montag. Diese dienten in Wien zur Überwachung des Verkehrs, sagte er. Dabei könnten gleichzeitig Menschenansammlungen entdeckt werden.

"Liebesgrüße aus Moskau"

Russland entsandte am Sonntag Hilfe und schickte die ersten von neun Flugzeugen des Typs Iljuschin Il-76 nach Italien, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. "Liebesgrüße aus Moskau" stand auf an den Fliegern angebrachten Stickern mit Herzen in den russischen und italienischen Landesfarben. Insgesamt sollten acht Brigaden mit medizinischer Ausrüstung verlegt werden.

In Russland gibt es bisher nach offiziellen Angaben vergleichsweise wenige Coronavirus-Fälle: Gestern waren es landesweit knapp 370, davon fast 200 in Moskau.

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