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Weltspiegel

"Island befindet sich in einer einzigartigen Position"

Von OÖN   26. März 2020 00:04 Uhr

"Island befindet sich in einer einzigartigen Position"
Premierministerin Katrin Jakobsdottir wurde negativ getestet.

REYKJAVIK. Der Inselstaat im Nordatlantik testet großflächig – und zwar nicht nur Menschen mit Covid-19-Symptomen

Islands Ministerpräsidentin Katrin Jakobsdottir kann den Inselstaat mit 365.000 Einwohnern ab sofort wieder von ihrem Büro aus regieren. Die 44-Jährige hatte sich in Selbstisolation begeben, nachdem in der Schule ihres jüngsten Sohnes ein Coronafall bestätigt worden war.

Island ist weltweit jenes Land, das pro Kopf der Bevölkerung die meisten Coronatests durchführt. Damit will der Inselstaat im Nordatlantik an Informationen darüber herankommen, wie sich das Virus in der Gesellschaft bewegt.

Dabei wird eine Doppelstrategie angewendet: Das staatliche Gesundheitswesen testet ausschließlich Personen, die Symptome aufweisen. Und die in Island ansässige Firma "deCode Genetics", ein Tochterunternehmen eines US-Biotechkonzerns, testet nach dem Zufallsprinzip. Diese Tests sind repräsentativ für die Bevölkerung.

"50 Prozent ohne Symptome"

Island befinde sich "in einer einzigartigen Position", sagte Chef-Epidemiologe Thorolfur Gudnason. Denn "deCode Genetics" mache die hohen Testraten erst möglich. "Es geht darum, einen Einblick in die tatsächliche Häufigkeit des Virus in der Bevölkerung zu gewinnen", sagte Gudnason. Von den 5600 Tests von "deCode Genetics" fielen 49 positiv aus (Stand Dienstag), die Häufigkeit einer Infektion liegt in der Gesamtbevölkerung damit bei 0,87 Prozent. "Erste Ergebnisse zeigen zudem, dass die Hälfte der bestätigten Fälle asymptomatisch ist", so Gudnason: "Die andere Hälfte hat milde, erkältungsartige Symptome." Man leite daraus ab, dass sich das Virus vorerst langsam ausbreite.

Bei den gut 4000 durchgeführten Tests der Gesundheitsbehörden habe die Infektionsrate zehn Prozent betragen, sagte Gudnason. Insgesamt wurden in Island, wo Unis, Museen, Läden ebenfalls geschlossen sind, bis dato 680 Menschen positiv getestet – ein beträchtlicher Teil lässt sich dabei auf Urlaube im Tiroler Skiort Ischgl zurückführen.

"Testen ist wesentlich"

Eine ähnliche Strategie hat sich in Südkorea bewährt. Durch großflächige Tests – bisher 300.000 bei 51 Millionen Einwohnern – konnte die Zahl der Neuinfektionen rapide gesenkt werden. Aktuell beträgt die Verdopplungszeit 65 Tage.

"Testen ist wesentlich, weil es zur Früherkennung führt, es minimiert die weitere Ausbreitung und macht eine rasche Behandlung Erkrankter möglich", sagte Außenministerin Kang Kyung Wha der BBC. "Das ist das Geheimnis hinter unserer niedrigen Sterblichkeitsrate", so Kang. In Südkorea sind bei 9130 bestätigten Fällen bisher 126 Menschen gestorben.

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