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Weltspiegel

Proteste in Beirut eskalierten: Demonstranten stürmten Ministerien

Von nachrichten.at/apa   08. August 2020 20:57 Uhr

BEIRUT. Vier Tage nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut haben Tausende Libanesen gegen die politische Elite des Landes protestiert. Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten wurden mindestens 200 Menschen verletzt.

Demonstranten haben nach dem Außen- auch das Energieministerium und das Handelsministerium in der libanesischen Hauptstadt Beirut gestürmt. Fernsehbilder zeigten am Samstagabend, wie wütende Menschen in die Gebäude eindrangen.

Zuvor hatten hunderte von ehemaligen Militärs angeführte Demonstranten bereits das Außenministerium besetzt und zum "Hauptquartier der Revolution" ausgerufen. Die libanesische Armee beendete die Besetzung des Außenministeriums nach drei Stunden. Soldaten räumten am Samstagabend das Gebäude, wie AFP-Reporter beobachteten.

Auch der Sitz des libanesischen Bankenverbandes wurde gestürmt. Demonstranten legten Feuer, bevor sie von der Armee zurückgedrängt und die Flammen gelöscht wurden, wie ein AFP-Fotograf beobachtete.

Bilder aus Beirut zeigen die wüsten Szenen: 

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Bild 1/31 Bildergalerie: Proteste in Beirut eskalierten

Am Rande der Demonstrationen kam nach Polizeiangaben ein Polizist ums Leben. Der Beamte habe mehreren in einem Hotel festsitzenden Menschen geholfen, als er aus einer Menschenmenge angegriffen worden und tödlich gestürzt sei, erklärte die Polizei im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Mehr als 200 Verletzte

Tausende Menschen waren am Nachmittag durch die Straßen von Beirut gezogen. Die Proteste gegen die Regierung waren am Samstag vier Tage nach der verheerenden Explosion im Hafen Beiruts in Gewalt umgeschlagen. Mehr als 200 Menschen wurden dabei verletzt, wie das libanesische Rote Kreuz mitteilte. Einige Demonstranten versuchten Absperrungen zum Parlament zu durchbrechen und warfen Steine.

Die Sicherheitskräfte wiederum setzten massiv Tränengas ein, um die Demonstranten zu vertreiben. Auf TV-Bildern waren Feuer im Zentrum Beiruts zu sehen. Augenzeugen berichteten, sie hätten Schüsse gehört.

Ministerpräsident kündigte Neuwahlen an

Die Proteste richten sich gegen die Regierung und die politische Elite, die von vielen Libanesen für die verheerende Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut am Dienstag verantwortlich gemacht wird. Dabei waren mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 6.000 verletzt worden, Hunderttausende wurden obdachlos.

Der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab reagierte mit der Ankündigung von Neuwahlen. Dies sei der einzige Weg, um die tiefe Krise des Landes zu überwinden, erklärt er. Diab wies eine Verantwortung für die wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes zurück.

Video: ORF-Reporterin Sophie Roupetz berichtet von der Stimmung vor Ort

"Verschwindet, ihr seid alle Mörder"

Ihren Ausgang nahmen die Proteste am Samstagvormittag auf dem Märtyrer-Platz im Zentrum der libanesischen Hauptstadt. Im libanesischen Sender MTV war zu sehen, wie Demonstranten versuchten, die Absperrungen zum Parlament zu durchbrechen. Sprechchöre waren zu hören, unter anderem "Revolution, Revolution".

"Das Volk will den Sturz des Regimes" war in Sprechchören weiter zu hören. "Verschwindet, ihr seid alle Mörder", stand auf Bannern. "Wir wollen eine Zukunft in Würde, wir wollen, dass das Blut der Explosionsopfer nicht umsonst vergossen wurde", sagte Rose Sirour, eine der Demonstrantinnen.

"Der Aufstand und die Revolution gehen weiter"

"Der Aufstand und die Revolution gehen weiter", sagte einer der Demonstranten zu MTV. Präsident Michael Aoun, Regierungschef Hassan Diab und die gesamte politische Führungsspitze seien für die Katastrophe verantwortlich.

Aktivisten hatten in den sozialen Medien zu der Demonstration unter dem Motto "Gerechtigkeit für die Opfer, Rache an der Regierung" aufgerufen. Bereits im vergangenen Oktober hatte es Massenproteste gegen die Regierung gegeben. Die Demonstranten fordern weitgehende politische Reformen. Sie werfen der politischen Elite Korruption vor.

Geberkonferenz am Sonntag

Am Sonntag wollen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die Vereinten Nationen gemeinsam eine Geberkonferenz für den schon zuvor von einer Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Corona-Pandemie geplagten Libanon ausrichten. Auch US-Präsident Donald Trump kündigte seine Teilnahme an der Videokonferenz an, die Gelder für den Wiederaufbau von Beirut sammeln soll. Die österreichische Regierung kündigte, wie berichtet, am Samstag an, eine Million Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds (AKF) als Soforthilfe für den Libanon zur Verfügung zu stellen.

Bildergalerie: So sieht es nach der Explosion in Beirut aus

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Bild 1/26 Bildergalerie: Der Tag nach der Katastrophe: Halb Beirut liegt in Trümmern

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