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Weltspiegel

Homophobe Ramadan-Predigt in der Türkei schlägt hohe Wellen

Von nachrichten.at/apa   27. April 2020 19:14 Uhr

Präsident Erdogan und Ali Erbas im Mai 2019

ANKARA. Der Chef der Religionsbehörde Diyanet in der Türkei hat mit Äußerungen über Homosexualität Entsetzen ausgelöst. Präsident Erdogan nimmt ihn in Schutz.

Die Oberstaatsanwaltschaft in Ankara leitete am Montag Ermittlungen gegen die Anwaltskammer der Hauptstadt unter anderem wegen der Herabwürdigung religiöser Werte ein, nachdem diese Diyanet-Chef Ali Erbas scharf kritisiert hatte.

Hintergrund ist eine Predigt Erbas' zu Beginn des Fastenmonats Ramadan am vergangenen Freitag. Darin hatte er gesagt, dass Homosexualität Krankheiten mit sich bringe und Generationen "verrotten". Er kritisierte zudem Ehebruch und das Zusammenleben unverheirateter Paaren.

Gay-Pride in Istanbul verboten

Die Anwaltskammer in Ankara warf Erbas daraufhin unter anderem vor, einen Teil der Menschheit mit Hass herabzuwürdigen und diese zum Ziel zu machen. Justizminister Abdulhamit Gül und Fahrettin Altun, Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, verteidigten Erbas.

Homosexualität ist in der Türkei nicht verboten. Aktivisten beklagen jedoch immer wieder Diskriminierung. Die traditionelle Gay-Pride-Parade im Zentrum Istanbuls war in den vergangenen Jahren verboten worden.

Erdogan nimmt Erbas in Schutz

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat einen hochrangigen Islam-Vertreter nach dessen Äußerungen gegen Homosexuelle in Schutz genommen. Erdogan sagte am Montag, ein Angriff auf den Leiter der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Ali Erbas, sei ein "Angriff auf den Staat". Erbas hatte gesagt, der Islam verurteile die Homosexualität, da sie zu Krankheiten wie Aids führe. Der türkische Präsident betonte, was Erbas gesagt habe, sei "absolut richtig". 

Homosexuelle in Marokko bloßgestellt

Im islamischen Marokko, wo Homosexualität strafbar ist, sind zahlreiche Nutzer von Dating-Apps für Homosexuelle öffentlich bloßgestellt worden. Unbekannte hätten sich seit Mitte April bei verschiedenen Dating-Apps für Homosexuelle registriert und anschließend Fotos anderer männlicher Nutzer in Sozialen Netzwerken geteilt, berichtete Human Rights Watch (HRW) am Montag.

Die veröffentlichten Fotos seien mit Anfeindungen und Drohungen gegen die Opfer versehen worden. Für lesbische, schwule, bisexuelle oder Transgender Menschen (LGBT) könne dies zur Ausgrenzung durch die Familie und Gesellschaft führen, beklagte Human Rights Watch.

App-Nutzer aus dem Haus geworfen

"Das Outing von LGBT kann für deren Existenzgrundlage, ihre Sicherheit und mentale Gesundheit schädlich sein", sagte Graeme Reid von Human Rights Watch. Homosexuelle Handlungen stehen in Marokko unter Strafe. Die Preisgabe der Identität der App-Nutzer im Internet habe dazu geführt, dass Familien Mitbewohner aus dem Haus geworfen hätten, berichtete HRW.

"Wir sind uns der schrecklichen Situation in Marokko bewusst", sagte der Geschäftsführer der Dating-App "Hornet", Christof Wittig, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben mit 25 Millionen Nutzern das weltweit größte soziale Netzwerk für Homosexuelle. Etwa 1.000 gefälschte Profile, die mutmaßlich an der Aktion beteiligt waren, seien bereits gelöscht worden. Zudem seien Nutzer informiert und gewarnt worden.

 

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