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Weltspiegel

Holocaust-Gedenken: Erinnerung an die Befreiung aus der Unmenschlichkeit

Von nachrichten.at/apa   27. Januar 2021 13:06 Uhr

OSWIECIM (AUSCHWITZ). Am 27. Jänner 1945 wurde das ehemalige deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Die Feierlichkeiten zum heutigen Gedenktag legen den Fokus auf das Schicksal jener Kinder, die in Auschwitz inhaftiert und ermordet wurden.

Aufgrund der Corona-Pandemie wird der Internationale Holocaust-Gedenktag heuer weltweit mit einer Reihe von Online-Veranstaltungen begangen. Auch die Feierlichkeiten in Auschwitz werden statt auf dem ehemaligen Lagergelände heuer per Internet-Stream stattfinden. Sie können über die Webseite der Gedenkstätte, über soziale Medien sowie per Youtube verfolgt werden (ab 16 Uhr). Bei der Gedenkfeier werden zunächst die beiden Überlebenden Zdzislawa Wlodarzyk und Anita Lasker-Wallfisch sprechen. Anschließend sind Reden des polnischen Präsidenten Andrzej Duda sowie des russischen Botschafters und des israelischen Vize-Botschafters vorgesehen. Außerdem gibt es eine Online-Diskussion mit Gedenkstätten-Direktor Piotr Cywinski darüber, wie der Zweite Weltkrieg und der Holocaust die Identität von Kindern geformt haben.

Nach Schätzungen der Gedenkstätte wurden mindestens 232.000 Kinder und Jugendliche nach Auschwitz deportiert, die meisten von ihnen jüdischen Glaubens. Mehr als 200.000 überlebten das Lager nicht. Im Jänner 1945 wurden dort mehr als 700 Kinder befreit.

Der Name Auschwitz hat sich als Synonym für den Holocaust und Inbegriff des Bösen weltweit ins Bewusstsein eingebrannt. Allein dort brachten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um, zumeist Juden. In ganz Europa ermordeten sie während der Schoah etwa sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens.

Auschwitz

"Gedenken an Holocaust-Opfer Teil unserer Identität"

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki hat das Gedenken an die Opfer des Holocausts als wichtigen Teil der polnischen Identität bezeichnet. "Als Polen 1918 die Unabhängigkeit erhielt (...), hätte sich niemand vorstellen können, dass die deutschen Nazis auf seinem Gebiet die schrecklichste Todesmaschine der Weltgeschichte errichten - das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau", schrieb Morawiecki am Mittwoch auf Twitter zum 76. Jahrestag der Befreiung des Lagers. Daher sei die Erinnerung an die Opfer Bestandteil der nationalen Identität geworden.

Auch der polnische Justizminister Zbiegniew Ziobro mahnte auf Twitter zum Gedenken an die Millionen Opfer des von den Deutschen begangenen Völkermords. "Erinnern wir uns auch daran, dass diese Verbrechen weder jemals abgerechnet noch bestraft wurden", schrieb Ziobro, der als Hardliner innerhalb der nationalkonservativen PiS-Regierung gilt.

Antisemitismus kompromisslos entgegentreten

Bundespräsident Alexander Van der Bellen mahnt am Internationalen Holocaust-Gedenktag, "jedem Aufkeimen von Rassismus und Antisemitismus in der Gegenwart entschieden und kompromisslos entgegenzutreten". "Ausgrenzung, Sündenbockdenken und Menschenverachtung dürfen niemals wieder als politisches Instrument eingesetzt werden. Niemals wieder‘ bedeutet aber auch, dass wir uns jeglichem Versuch der Zerstörung des Rechtsstaates und der liberalen Demokratie entgegenstellen und die Grund- und Freiheitsrechte entschieden verteidigen", betonte er in einem Beitrag auf Facebook.

Stimmen aus Österreich: Erinnern und Gedenken als Aufgabe und Pflicht

"Die Zeit des Nationalsozialismus hat gezeigt, wie schnell Worte zu Taten werden können und dass es nur ein kleiner Schritt von Hass und Hetze zu Verfolgung und Gewalt ist", erklärte Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) in einer Aussendung. Mit der Nationalen Strategie gegen Antisemitismus, die am Mittwoch im Ministerrat beschlossen wurde, wolle man der besonderen historischen Verantwortung Österreichs nachkommen. "Unsere Vision ist eine Gesellschaft frei von Antisemitismus." Ziel der Regierung sei es, langfristige Perspektiven für ein sicheres, prosperierendes jüdisches Leben als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft zu schaffen.

Der Holocaust "gehört zu den dunkelsten Kapiteln unserer Vergangenheit und seine einzigartige Unmenschlichkeit mahnt uns bis heute", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). "Eine Verharmlosung des Holocaust durch teilweise haarsträubende Vergleiche ist nicht tolerierbar", unterstrich Nehammer. 

Eva Blimlinger, gedenkpolitische Sprecherin der Grünen, sprach sich dafür aus, neben dem 5. Mai, dem Tag der Befreiung des KZ Mauthausen, auch den 27. Jänner als zweiten nationalen Gedenktag dazu zunehmen. Auch Blimlinger verwies außerdem darauf, dass der steigende Rechtsextremismus und der Antisemitismus gerade jetzt konsequent bekämpft werden müssten.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch gedachten ebenfalls der während des Holocaust ermordeten Juden. "Es ist die Aufgabe und Pflicht von uns allen, an die Schrecken des Holocaust zu erinnern und daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Für Antisemitismus, Rassismus, Hass und Hetze darf es in unserer Gesellschaft keine Toleranz geben. 'Niemals wieder' heißt auch, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit mit offenem Visier und aller Konsequenz zu bekämpfen", erklärten Rendi-Wagner und Deutsch.

"Wir gedenken der Toten und Überlebenden des Holocaust und seiner schrecklichen Folgen mit großer Anteilnahme. Gerade in einer Zeit der globalen Verunsicherung durch die Pandemie, in der nationalistische Ideen wieder Aufwind haben, ist es umso wichtiger, gemeinsam zu den Grundwerten der Menschlichkeit, der Rechtsstaatlichkeit und den Menschenrechten zu stehen", sagte auch NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger anlässlich des Internationalen Gedenktages.

"Wir dürfen niemals vergessen", mahnte Willi Mernyi, Leitender Sekretär des ÖGB. "Auch heute wird versucht, die Ängste der Menschen auszunützen und unsere Gesellschaft mit Lügen, Hass und Rassismus zu spalten. Wir müssen entschieden gegen diese gefährlichen Hetzer auftreten." Die Junge ÖVP forderte, dass der Besuch einer Gedenkstätte im Rahmen der schulischen Ausbildung verpflichtend wird.

Die Frage nach dem Erinnern

Das Jüdische Museum Wien hat anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages 2021 ein neues Jahrbuch herausgegeben. "Die Zukunft der Erinnerung. Jüdische Museen und die Schoah im 21. Jahrhundert" geht der Frage nach dem Erinnern an die Schoah in der Gegenwart nach - ohne Zeitzeugen und Zeitzeuginnen, wie es in einer Aussendung am Dienstag hieß. Weiters werden die unterschiedlichen Zugänge von jüdischen Museen zu diesem Thema diskutiert. Denn während die ab den 1980er-Jahren gegründeten jüdischen Museen in Europa meist keinen ausschließlichen Fokus auf die Schoah im Programm tragen, gibt es in den USA zahlreiche dezidierte Holocaust-Museen. Zu beziehen ist das Jahrbuch unter anderem auf der Museumswebsite. 

Gedenk-Kampagne "#WeRemember"

Der jüdische Weltkongress hat am Montag seine zweite Jahres-Kampagne "#WeRemember" zum Kampf gegen den Antisemitismus und allen Formen von Hass, Völkermord und Ausländerfeindlichkeit gestartet. Die internationale Online-Kampagne wurde zum ersten Mal Anfang 2017 ins Leben gerufen. Laut WJC-Angaben erreichte sie mehr als 250 Millionen Menschen. 

Auch der österreichische Nationalrat und der Bundesrat beteiligen sich an der Aktion.

Bis 29. Jänner wird der Schriftzug #WeRemember zudem an die Fassade des Parlamentsgebäudes am Josefsplatz projiziert.

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