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Weltspiegel

Gideon Eckhaus: Präsident der Juden aus Österreich in Israel ist tot

Von nachrichten.at/apa   30. Juni 2020 07:50 Uhr

Gideon Eckhaus auf einem Archivbild aus dem Jahr 2005

TEL AVIV. Gideon Eckhaus, langjähriger Präsident des Zentralkomitees der Juden aus Österreich in Israel, ist am Montag, wenige Tage vor seinem 97. Geburtstag, in Tel Aviv gestorben.

Das teilte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) in einer Aussendung mit. Auch andere Politiker und Politikerinnen äußerten sich wie Schallenberg tief betroffen.

Gideon Eckhaus wurde am 3. Juli 1923 als Sohn des Kaufmanns Karl Eckhaus und dessen Frau Sabine in Wien geboren. 1935 schloss er sich dem zionistischen Jugendverband an. 1938 konnte er nach Palästina fliehen. Sein Vater wurde in Auschwitz ermordet. Seine Mutter war bereits 1934 verstorben, sein Bruder überlebte in den USA.

Eckhaus selbst beteiligte sich später als glühender Zionist am Aufbau des Staates Israel und arbeitete später an der Integration jugendlicher Einwanderer. Einen Großteil seines Lebens widmete er sich als Präsident des Zentralkomitees der Juden aus Österreich den aus Österreich stammenden Israelis. Seit 1994 war Eckhaus maßgeblich an den Restitutionsverhandlungen mit der österreichischen Regierung beteiligt. Er war auch Vorsitzender der Israelisch-Österreichischen Gesellschaft Tel Aviv.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) bekundete seine Trauer mit den Worten: "Ich erinnere mich noch gut an meine Begegnungen mit ihm in Tel Aviv im Café der Altösterreicher, die wie er vor den Nazis fliehen konnten. Wenn er gesprochen hat, wurde es ruhig um ihn herum. Seinen Angehörigen möchte ich meine tief empfundene Anteilnahme in dieser schweren Stunde aussprechen", sagte der Nationalratspräsident.

"Österreich verdankt Gideon Eckhaus sehr viel. Er war für einen Dialog mit unserem Land offen und trug maßgeblich dazu bei, dass wir heute ein ehrlicheres Bild über unsere Geschichte und die Rolle der Österreicher in der Shoah haben und unserer historischen Verantwortung nachkommen", betonte Außenminister Schallenberg. "Gideon Eckhaus wird uns als Mahner und Zeitzeuge sehr fehlen. Es liegt nun immer mehr an uns, die Erinnerung und die Lehren, die wir aus der Vergangenheit ziehen müssen, zu bewahren. Gideon Eckhaus wird uns auch als warmherziger und engagierter Mensch fehlen."

Die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) erinnerte an die Flucht von Eckhaus vor den Nazis: "Hastig floh er aus Wien, bestieg in Triest ein Schiff und flüchtete nach Palästina. Gideon Eckhaus musste 1938 seine Heimat zurücklassen - um zu überleben. (...) Vor drei Jahren habe ich Gideon Eckhaus in Jerusalem getroffen. In Israel engagierte er sich als Vorsitzender der Vereinigung der aus Österreich stammenden Juden und Jüdinnen in Israel. Er war ein Kämpfer, ein starker und selbstbestimmter Mensch, der sich stets für die Gerechtigkeit stark gemacht hat."

Auf Hebräisch fügte Bures den jüdischen Totensegen hinzu: "Toda, Gideon. Baruch Dayan HaEmet (Danke, Gideon. Gelobt sei der wahrhaftige Richter)."

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