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Weltspiegel

Erstmals seit 86 Jahren wieder Gebete in der Hagia Sophia

Von nachrichten.at/kran   23. Juli 2020 15:45 Uhr

TURKEY-POLITICS-RELIGION-HAGIASOPHIA

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Bild 1/33 Bildergalerie: Aus der Hagia Sophia in Istanbul wurde eine Moschee

ISTANBUL. Am Freitag wird die bisher als Museum genutzte Hagia Sophia wieder zur Moschee. Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte im Juli den Status der Hagia Sophia als Museum aberkannt und damit einen Beschluss des Ministerrats aus dem Jahr 1934 gekippt. Kurz danach ordnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen.

Die im 6. Jahrhundert nach Christus erbaute Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen wandelte Sultan Mehmet II. ("Der Eroberer") die Hagia Sophia in eine Moschee um. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung in ein Museum an.

Damit ist nun Schluss. Die Entscheidung der Türkei, die Hagia Sophia wieder für Gebete frei zu geben, stieß international auf viel Kritik. Der Schritt der türkischen Regierung entferne das Land von Europa und sei "ein Schlag gegen die orthodoxe Kirche und den interreligiösen Dialog", sagte etwa Manuel Barrios Prieto, Generalsekretär der EU-Bischofskommission (COMECE). Auf diesem Feld habe die Türkei ein "ernstes Problem", so Barrios unter Berufung auf einen EU-Kommissionsbericht von 2019.

Mit einem "Traum" schaltete sich auch Kardinal Christoph Schönborn in die Debatte um die Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee ein: "Ein Traum wäre es, wenn die Hagia Sophia ein Zentrum der Begegnung der Religionen würde", so Schönborn. Ein solches Zentrum wäre "für alle ein Sieg und ein Segen", so der Wiener Erzbischof. 

Zu Kritik etwa aus Griechenland oder von Papst Franziskus an der Umwandlung sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavasoglu, die Türkei respektiere die Meinung aller, auch wenn sie nicht mit ihnen übereinstimme. "Aber wir lehnen Bemerkungen entschieden ab, die die türkischen Souveränitätsrechte verletzen."

Christliche Mosaike werden verhüllt

Alle internationalen Proteste waren vergebens, Erdogan wandelte die Hagia Sophia in eine Moschee um. Erstmals seit mehr als 86 Jahren wird es dort morgen ein Freitagsgebet geben. Während der muslimischen Gebete werden die christlichen Mosaike mit Vorhängen verhüllt, heißt es. Einige Mosaike, die Maria und den Erzengel Gabriel zeigten, befänden sich in Richtung der Qiblah, die Muslimen die Gebetsrichtung nach Mekka anzeigt. Andere Mosaike von Jesus und weiteren christlichen Figuren würden kein Hindernis für muslimische Betende darstellen, da sie nicht in Richtung der Qiblah zeigten. Ob sie auch verhängt werden, ist noch nicht bekannt.Unklar ist auch, ob Erdogan am Freitagsgebet teilnehmen wird.

Die ehemalige byzantinische Kathedrale zieht Touristen aus aller Welt an. Sie soll außerhalb der muslimischen Gebetszeiten für Besucher geöffnet bleiben. Aus religiöser Sicht spreche nichts dagegen, erklärte die türkische Religionsbehörde Diyanet vor einer Woche. 

 

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