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Weltspiegel

Macron "sehr schockiert" über Polizeigewalt-Video gegen Schwarzen

Von nachrichten.at/apa   27. November 2020 14:43 Uhr

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

PARIS. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat auf die Veröffentlichung eines brutalen Polizeivideos reagiert.

Er sei "sehr schockiert", hieß es am Freitag aus Kreisen des Präsidentenpalasts. Vier Beamte, die zuvor suspendiert worden waren, sollten nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Nachmittag in Polizeigewahrsam verhört werden. Sie hätten eine entsprechende Vorladung erhalten.

Ein am Donnerstag veröffentlichtes Video zeigt, wie mehrere Polizisten einen Musikproduzenten im Eingang seines Produktionsstudios massiv attackieren. Die Pariser Staatsanwaltschaft eröffnete Ermittlungen gegen Pariser Polizisten, die den Schwarzen geschlagen und getreten hatten. Die Justiz wirft den Beamten Gewalt im Dienst und Falschaussage vor. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin forderte von der Polizeipräfektur die Suspendierung der Männer.

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Der francösische Musikproduzent Michel.

Das Video einer Überwachungskamera zeigt, wie die drei Polizisten den Musikproduzenten verfolgen und in dessen Pariser Studio drängen und ihn dort mit Schlägen, Tritten und Schlagstockhieben traktieren. In einem schriftlichen Protokoll hielten die Polizisten fest, sie hätten den Mann namens "Michel" auf der Straße ermahnt, weil er keine Maske trug, wie derzeit vorgeschrieben. "Als wir ihn festhalten wollten, hat er uns mit Gewalt in das Gebäude gezerrt", heißt es in dem Protokoll, welches die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte.

Video zeigt andere Vorkommnisse

Darin ist auch von Schlägen des Mannes gegen die Polizisten die Rede. Das ist auf dem Überwachungsvideo des Studios jedoch nicht zu erkennen, das die Internet-Plattform "Loopsider" in ganzer Länge veröffentlichte. Dort ist auch zu sehen, wie weitere Männer dem Mann zu Hilfe eilen und die Polizei aus dem Studio drängen. Die Beamten werfen dann eine Tränengasgranate durch die Tür und führen "Michel" mit gezückten Waffen ab, wie Handyvideos von Anwohnern zeigen.

Video retteten Mann vielleicht vor Gefängnis

Von "unerträglichen Bildern" sprach der stellvertretende Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire auf Twitter. Oppositionspolitiker im französischen Parlament verlangten von Innenminister Darmanin den Rückzug eines umstrittenen Gesetzes, das die Verbreitung solcher Aufnahmen von Polizisten unter Strafe stellen soll. Darmanin hatte sich erst am Dienstag "schockiert" über Bilder von Polizeigewalt gegen Flüchtlinge in Paris geäußert. "Diese Polizisten haben keinen Mist gebaut, sie sind Straftäter, die schwere Verbrechen begangen haben", sagte die Anwältin des Musikproduzenten Hafida El Ali am Freitag dem Sender BFM TV. Sie hätten ihren Mandanten mehrfach mehrere Minuten lang geschlagen. Sie ist sich sicher, dass ihr Mandant ohne das Überwachungsvideo im Gefängnis säße. Am gleichen Tag nahm die Nationalversammlung in erster Lesung sein Gesetz an. Der Musikproduzent saß nach Angaben seines Anwalts 48 Stunden in U-Haft.

Zahlreiche Politiker, aber auch Sportler zeigten sich nach der Veröffentlichung des Videos schockiert. Die französischen Top-Fußballer Antoine Griezmann und Kylian Mbappé drückten auf Twitter ihr Entsetzen aus. "Stopp des Rassismus", schrieb Mbappé. Der schwarze Musikproduzent hatte angeben, von den Polizisten mehrfach rassistisch beleidigt worden zu sein.

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