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Weltspiegel

Eine Million für unschuldig Verurteilten

29. November 2021 00:04 Uhr

Eine Million für unschuldig Verurteilten
Kevin Strickland

JEFFERSON CITY. Fast 43 Jahre im US-Staat Missouri in Haft: Tausende spendeten für 62-Jährigen.

Es war ein unglaublicher Fehler: Kevin Strickland saß fast 43 Jahre lang unschuldig als vermeintlicher Mörder im Gefängnis. Das hat in den vergangenen Tagen viele Menschen in den USA empört – zumal er trotz dieses Justizirrtums vom US-Bundesstaat Missouri keine Entschädigung bekam.

In einer Online-Spendenaktion kam nun in den vergangenen Tagen gleich mehr als eine Million Dollar (umgerechnet rund 900.000 Euro) als Startkapital für den 62-Jährigen zusammen. Eine von Stricklands Anwältinnen hatte die Aktion ins Leben gerufen. Tricia Rojo Bushnell sagte der "New York Times", sie sammle routinemäßig für entlassene Mandanten. Der hohe Betrag für ihren Mandanten sei allerdings auch für sie eine Überraschung gewesen.

"Das ist für uns alle hoffnungsvoll", sagte Bushnell. "Bis sich das System dort geändert hat, wo es versagt, greift die Community ein, um es zu reparieren." Eine Spenderin brachte es in wenigen Worten auf den Punkt: "Nichts, was wir Ihnen geben, kann den Zeitverlust ausgleichen. Ich hoffe nur, dass Ihr Leben dadurch frei von finanziellen Sorgen wird."

1979 war Strickland wegen mehrfachen Mordes in Kansas City zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Eine Jury aus ausschließlich weißen Geschworenen hatte den Afroamerikaner schuldig gesprochen. Im November hatte ein Richter des US-Bundesstaates Missouri die sofortige Freilassung des 62-Jährigen angeordnet.

Endlich das Meer sehen

Strickland war des Mordes an Larry Ingram (21), John Walker (20) und Sherrie Black (22) schuldig gesprochen worden. Das Urteil basierte größtenteils auf der Aussage der Augenzeugin Cynthia Douglas, der einzigen Überlebenden des Verbrechens am 25. April 1978.

Strickland sei einzig auf Grundlage der Aussage der 2015 Verstorbenen verurteilt worden, die ihre Aussage später widerrufen habe, lautete die Begründung des Richters. Der Schuldspruch sei daher nicht haltbar.

Der 62-Jährige, der stets seine Unschuld beteuert hatte, hatte das Gefängnis im Rollstuhl verlassen und angekündigt, sich nun endlich einmal das Meer anzusehen.

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