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Weltspiegel

Doppelt so viele Corona-Tote wie Opfer im Vietnamkrieg

Von Thomas Spang  29. Mai 2020 00:04 Uhr

Doppelt so viele Corona-Tote wie Opfer im Vietnamkrieg
Herausforderer Joe Biden wird von Donald Trump verspottet, weil er bei öffentlichen Auftritten eine Maske trägt.

WASHINGTON. In den USA stieg die Zahl der Covid-19-Toten gestern auf 100.500.

Es gab keine feierliche Zeremonie im Rosengarten des Weißen Hauses, kein Briefing von Donald Trump im Presseraum und auch keine TV-Ansprache. Der "Amerika zuerst”-Präsident versuchte den Tag vergessen zu machen, an dem es in der Corona-Pandemie fast doppelt so viele Tote zu beklagen gab wie während des gesamten Vietnamkriegs.

Stattdessen machte sich Trump lustig über seinen Herausforderer Joe Biden, der öffentlich eine Maske trägt. Er unterzeichnete ein Dekret, das Prozesse gegen Twitter und andere Netzwerk-Dienste möglich macht (siehe Bericht rechts), und behauptete, die USA testeten so viel wie kein anderes Land.

Das ist eine der vielen Falschaussagen Trumps während der Pandemie, deren erster offizieller Fall in den USA im Jänner registriert worden war. In nur vier Monaten stehen die USA mit 1,7 Millionen bestätigten Infektionen und 100.500 Toten unbestritten auf dem ersten Platz in der Welt.

14 Prozent der Amerikaner kennen jemanden, der dem Erreger erlegen ist. Die überwältigende Mehrheit sind ältere Menschen. Fast zwei Drittel der Todesopfer waren über 80 Jahre alt. Etwa jeder Dritte starb in einem Altersheim oder in der Langzeitpflege. Überproportional betroffen sind arme Amerikaner, Schwarze und Latinos, die viele der "essenziellen" Jobs erledigen müssen, in überfüllten Haushalten leben und schlechten Zugang zu Gesundheitsdiensten haben.

Infektionsherde auf dem Land

Während das Epizentrum zunächst in New York war, verlagerten sich die Infektionsherde zuletzt ins ländliche Amerika. Eine wesentliche Rolle spielen bei der Ausbreitung neben den Einrichtungen der Langzeitpflege die Kirchen und Schlachtfabriken.

Für die tödliche Spitzenposition der USA ist aber auch die verspätete Reaktion der Regierung verantwortlich. Nach einem Modell der Columbia-Universität wären 36.000 Amerikaner noch am Leben, hätte Trump früher gehandelt. Stattdessen suggerierte der Präsident, es bestünde keine Gefahr, verkündete, das Virus werde "wie magisch verschwinden", und versäumte es, die Produktion von Masken und die Beschaffung von Schutzmaterial in Auftrag zu geben.

Reaktion erfolgte viel zu spät

Die Kontaktsperren und Schließung des öffentlichen Lebens kamen nach Ansicht der Experten Wochen zu spät – während die Lockerungen vielerorts zu früh erfolgen. Dass bereits 40 Millionen Amerikaner ihren Job verloren haben, lässt nach dem gesundheitlichen Desaster eine schwere Rezession erwarten.

Während andere Katastrophen wie Pearl Harbor oder der 11. September die Amerikaner zusammenschweißte, unternahm Trump alles, um das Land zu spalten – zuletzt, indem er das Tragen von Schutzmasken zu einem politischen Statement im Wahljahr machte.

Sein Herausforderer Joe Biden wandte sich in einem Video an seine Landsleute. Er richtete an die Betroffenen der Pandemie die Worte, die dem Präsidenten an diesem symbolischen Tag nicht über die Lippen gingen: "Euer Verlust tut mir leid. Die Nation trauert mit euch".

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