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Weltspiegel

Das bringt 2022

Von Roswitha Fitzinger  08. Januar 2022 00:04 Uhr

Franz Stelzhamer
Am 28. November 1952 erklärte der oberösterreichische Landtag drei Strophen von Franz Stelzhamers Gedicht „’s Hoamátgsang“ zur Landeshymne.

Welche Gedenktage und Jubiläen werden uns 2022 begleiten? Ein Blick in die Zukunft, der gleichsam einer in die Vergangenheit ist.

500 Jahre: Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche

Ein knappes Jahr verbrachte der streitbare Kirchenmann Martin Luther auf der Wartburg in Eisenach. Inkognito unter dem Decknamen Junker Jörg nutzte er die Zeit, um in nur elf Wochen das gesamte Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen. Sein Anspruch war es, eine verständliche Version, die dennoch so nah wie möglich am Originaltext blieb, zu schaffen. Jeder und jede sollte sie lesen und verstehen können, auch die einfachen, weniger gebildeten Menschen seiner Zeit, die zu den griechischen und lateinischen Texten keinen Zugang hatten. Damit legte Martin Luther den Grundstein für eine einheitliche deutsche Sprache. Im September 1522 war eine erste Auflage des Neuen Testaments fertig; ab 1534 lag eine deutsche Vollbibel vor, an der Luther zeitlebens weiter Verbesserungen vornahm.

400 Jahre: Ein Komödiendichter betritt die Weltbühne

Eigentlich hätte er die königliche Hoftapeziererei seines Vaters übernehmen sollen. Doch die Liebe zu einer Schauspielerin und zum Theater kamen ihm dazwischen. Jean-Baptiste Poquelin (1622–1673) nahm den Künstlernamen Molière an und gründete mit seiner Geliebten das Théâtre Illustre, das bald Bankrott ging. Nach 13 Jahren in der Provinz, wo er sich vom Schauspieler zum Leiter einer Theatertruppe und zum Theaterautor entwickelte, kehrte er nach Paris zurück und spielte vor Louis XIV. Molière hat die Komödie wie kaum ein anderer geprägt und gilt als einer der größten Dramatiker der französischen Klassik. Der Workaholic schrieb mehr als 30 Stücke, führte Regie und spielte fast jeden Abend die Hauptrolle. In der Vorstellung vom 17. Februar 1673, in der Molière den „eingebildeten Kranken“ spielte, brach er zusammen und wurde in sein Haus gebracht, wo er kurz darauf – noch im Kostüm – verstarb.

150 Jahre Yellowstone: der Vater der Nationalparks

Am 1. März 1872 gegründet, ist der Yellowstone-Nationalpark nicht nur der älteste Nationalpark der Welt, sondern auch der berühmteste in den Rocky Mountains und der größte Nordamerikas. Fauchende Geysire, heiße Quellen, blubbernde Schlammtöpfe, insgesamt mehr als 10.000 geothermische Quellen befinden sich auf dem knapp 9000 Quadratkilometer umfassenden Gebiet, das der Fläche der Mittelmeerinsel Korsika entspricht.

150 Jahre Yellowstone: der Vater der Nationalparks

Namensgeber ist der Yellowstone River; 1978 erklärte die UNESCO den Yellowstone-Nationalpark zum Weltnaturerbe. Neben den vulkanischen Phänomenen ist der Yellowstone für seine einzigartige Wildnis und artenreiche Tierwelt bekannt: Heute leben in den ausgedehnten Wäldern wieder zahlreiche Bisonherden, Grizzlys, Schwarzbären und Wolfsrudel.

100 Jahre: Fund im Tal der Könige

1922: Seit fünf Jahren sucht der britische Ägyptologe Howard Carter im Tal der Könige nach dem Grab des Pharao Tutanchamun. Ohne Erfolg. Im Herbst des Jahres steht der Engländer kurz vor der Aufgabe; nur einen Winter will er noch graben, als er unter einem Hang im Schutt eine Treppe entdeckt, an deren Ende sich eine Tür befindet. Verbirgt sich dahinter das Grab? Carter beschließt, Spezialisten aus aller Welt um Hilfe zu bitten. Darunter den Fotografen Harry Burton. Dieser macht am 18. Dezember in der Vorkammer des Pharaonengrabes erste Übersichtsaufnahmen und entdeckt eine unermessliche Fülle von Gold und Edelsteinen, einen goldenen Thronsessel, goldene Bahren, Alabastervasen, bizarre Tierköpfe und zwei große schwarze Statuen mit der goldenen heiligen Schlange an ihrer Stirn.

Totenmaske Tutanchamuns

Und dazwischen eine weitere versiegelte Tür. Aufgrund eines Namensrings mit dem Thronnamen „Neb-cheperu-Re von Tutanchamun“ konnte die Begräbnisstätte später eindeutig diesem König der späten 18. Dynastie, der 1332 bis 1323 v. Chr. regierte, zugeordnet werden. Die Räumung, Erfassung und Konservierung der Fundobjekte sowie die Säuberung des Grabes nahmen rund zehn Jahre in Anspruch. Insgesamt wurden 5398 Objekte geborgen, die heute großteils im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt sind.

100 Jahre: Das weltweit erste LD-Stahlwerk

Es war ein Meilenstein in der Stahlerzeugung, als am 27. November 1952 der erste Tiegel im LD-Stahlwerk 1 in Linz in Betrieb genommen wurde. Beim Ende der 1940er-Jahre in Linz und Donawitz entwickelten, erstmals industriell verwendeten Sauerstoffaufblas- oder LD-Verfahren wurde im Unterschied zu bisherigen Verfahren statt Luft von unten reiner Sauerstoff von oben auf das Eisenbad im Tiegel aufgeblasen, um den im Roheisen enthaltenen Kohlenstoff bis auf wenige Zehntelprozent zu verbrennen und so aus dem spröden Roheisen schmiedbaren Stahl zu machen. Da dabei sehr hohe Temperaturen entstehen, können bis zu 30 Prozent Schrott verarbeitet werden, ohne dass zusätzliches Heizen notwendig ist. Das Verfahren hat von Linz aus seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Bis 1960 waren bereits 18 Stahlwerke nach dem Linz-Donawitz-Verfahren eröffnet. Heute werden weltweit 60 bis 70 Prozent des Stahls auf dieser Basis erzeugt.

70 Jahre: Oberösterreich bekommt eine Landeshymne

Am 28. November 1952 erklärte der oberösterreichische Landtag drei Strophen von Franz Stelzhamers Gedicht „’s Hoamátgsang“, vertont von Hans Schnopfhagen, zur Landeshymne. Das Lied selbst war bereits seit Jahrzehnten im ganzen Land bekannt gewesen. Im Veranstaltungsprogramm von 1936 ist zu lesen: „Hoamátgsang – oberösterreichische Volkshymne, stehend gesungen von der ganzen Versammlung“.

Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich Stelzhamerbund-Obmann Hans Commenda dafür ein, das beliebte Lied offiziell zur Landeshymne zu erklären. Auch alle maßgeblichen oberösterreichischen Kulturorganisationen sprachen sich für „’s Hoamátgsang“ als Landeshymne aus, ebenso Rosa Kuntschik-Stelzhamer, die Tochter des Dichters, und die Nachfahren des Komponisten Hans Schnopfhagen. 1952 schloss sich Landeshauptmann Heinrich Gleißner diesem Wunsch an und brachte eine Gesetzesvorlage ein. Es gab keine Gegenstimmen.

70 Jahre: Botanischer Garten Linz

Im Vergleich zum weltweit ersten Botanischen Garten 1545 in Padua ist jener in Linz noch ein junges Pflänzchen. Seine Geburtsstunde schlug mehr als 400 Jahre später am 5. Mai 1952, zumindest hinsichtlich seiner jetzigen Ausdehnung und seines Standorts auf dem Bauernberg. Denn die Ursprünge des Botanischen Gartens in Linz reichen viel weiter zurück. Bereits im 18. Jahrhundert verfügte die heutige Landeshauptstadt über einen „ökonomisch-botanischen“ Garten beim Bergschlössl. Der erste öffentliche „botanische Garten“ entstand 1869 an der heutigen Dinghoferstraße. Er musste 1937/38 aufgelassen werden.

Ausflugstipps für Oberösterreich
Botanischer Garten: Die sehenswerte Anlage auf der Gugl lässt in eine Welt voll farbenprächtiger Blüten und sattem Grün eintauchen.

Ab 1950 entstanden die Anlagen auf dem Bauernberg, zunächst 1,8 Hektar groß wurden sie später sukzessive erweitert. Heute wachsen und gedeihen im Botanischen Garten der Stadt Linz auf der Gugl auf insgesamt 4,2 Hektar etwa 10.000 verschiedene Pflanzenarten. Eine seiner Besonderheiten ist die Kakteensammlung mit etwa 1000 Arten, die als eine der größten Europas gilt. Außerdem befindet sich hier das größte Arboretum Österreichs.

50 Jahre: Ein Blick in die Zukunft der Menschheit

Was passiert mit den Menschen und der Erde, wenn das rasante Wachstum immer so weitergeht? Diese Frage stellte sich in den 70er-Jahren eine Gruppe von Wissenschaftern und Wissenschafterinnen anlässlich einer Studie zur Lage der Menschheit. In Auftrag gegeben hatte sie der sogenannte „Club of Rome“, ein Zusammenschluss aus Experten verschiedener Disziplinen aus mehr als 30 Ländern, gegründet 1968.

Veröffentlicht wurde die Studie in Buchform unter dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ 1972. Sie beruht auf einer Computersimulation und zeichnet ein düsteres Zukunftsszenario: Demnach führt das starke Anwachsen der Weltbevölkerung zunehmend zu Problemen, die vielen Menschen zu ernähren. Auch Steigerungen der Nahrungsmittelproduktion können nicht Schritt halten. Der Anstieg in der industriellen Produktion beschleunigt die Umweltzerstörung und erschöpft die Rohstoffvorkommen der Erde. Um dieses drohende Untergangsszenario zu verhindern, müssen sich die Menschen radikal ändern – und das so schnell wie möglich, so das Fazit.

Artikel von

Roswitha Fitzinger

Roswita Fitzinger

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