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Weltspiegel

Coronavirus: Erste Fälle in Europa, massiver Anstieg in China

Von nachrichten.at/apa   26. Januar 2020 15:56 Uhr

JAPAN-CHINA-HEALTH-VIRUS

PARIS. Die neue Lungenkrankheit aus China verbreitet sich weiter und hat erstmals auch Europa erreicht.

 

In China sind weiter keine Österreicher von dem Coronavirus "akut betroffen". Das sagte Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer am Sonntag auf APA-Anfrage. In der besonders betroffenen Region Hubei leben keine Auslandsösterreicher, die Stadt Wuhan sei keine Touristenregion.

In China halten sich laut dem Außenministerium derzeit rund 3.000 Österreicher auf - sowohl Auslandsösterreicher als auch Touristen. Die Behörden sind mit ihnen in Kontakt. Auf der Homepage des österreichischen Außenministeriums finden sich weitere Details.

Die Reiseinformationen für die betroffenen Länder China, Japan, Südkorea, Thailand, Philippinen und die Insel Taiwan sowie auch jene mit neu gemeldeten Fällen - wie die USA und Frankreich - werden regelmäßig aktualisiert. Das Ministerium rät von nicht notwendigen Reisen in die besonders betroffene Provinz Hubei ab.

Fast alle Regionen chinas betroffen

Sprunghaft stieg die Zahl der Infizierten in China in einem Tag um mehr als 400 auf mehr als 1300. Außer Tibet sind alle Regionen des Landes betroffen. Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuen Virus hinter der Lungenkrankheit in China könnte in der schwer betroffenen Metropole Wuhan noch um Tausend steigen. Wie der Bürgermeister Zhou Xianwang am Sonntag berichtete, gebe es noch 2.700 Verdachts- und Fieberfälle, die jetzt getestet würden.

Um eine Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern, hat China drastische Maßnahmen ergriffen. Mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen des Landes wurden weitgehend von der Außenwelt abgeschottet, indem der Verkehr gestoppt wurde.

  • Zum Thema: Muss uns das Coronoa-Virus in Österreich Sorgen machen? Eine Linzer Virologin schätzt für die OÖN die Lage ein >> Zum Bericht

Drei Erkrankte in Frankreich

Als erstes Land in Europa meldete Frankreich drei Patienten mit dem neuen Virus. Wie das französische Gesundheitsministerium mitteilte, wurden zwei Fälle in Paris diagnostiziert, ein weiterer in Bordeaux. Alle Patienten hätten sich zuvor in China aufgehalten. Jeder, der in engem Kontakt mit den drei Infizierten stand, werde jetzt überprüft. Die Regierung werde alles unternehmen, um eine Ausbreitung des Erregers einzudämmen, sagte Gesundheitsministerin Agnes Buzyn. "Wir müssen eine Epidemie behandeln wie einen Flächenbrand." In Bordeaux wurden die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr an diesem Sonntag abgesagt.

Für die EU-Präventionsbehörde ECDC kamen die Fälle nicht unerwartet. "Zu diesem Zeitpunkt ist es wahrscheinlich, dass es mehr importierte Fälle in Europa geben wird", teilte die im schwedischen Solna ansässige Behörde mit. Auch wenn viele Dinge über das Virus weiter unbekannt seien, hätten die europäischen Länder die nötigen Kapazitäten, um einen Ausbruch direkt nach der Entdeckung von Fällen zu verhindern und zu kontrollieren.

Frankreichs Gesundheitsministerin Buzyn rief zur Achtsamkeit auf und appellierte an alle Reisenden aus China, genau darauf zu achten, ob sie Lungenprobleme oder Fieber bekämen. Im Fall der Fälle sollten sie unter keinen Umständen einen Arzt oder Notdienst aufsuchen, sondern den Notdienst kontaktieren. Dieser würde die Betroffenen zu Hause abholen und direkt ins Krankenhaus bringen.

Fälle in den USA, Australien und großen Teilen Asiens

Bestätigte Infektionen wurden auch aus Ländern wie den USA, Hongkong, Japan, Südkorea, Thailand, Vietnam, Singapur, Taiwan und Australien gemeldet. In Großbritannien wollten Gesundheitsexperten etwa 2000 Fluggäste aus China aufspüren, die in den vergangenen zwei Wochen ins Vereinigte Königreich geflogen sind. Mediziner hielten es für wahrscheinlich, dass sich Infizierte bereits in Großbritannien aufhalten.

Am Samstag Anzeigepflicht in Österreich erlassen

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erlässt heute, Samstag, gemäß Österreichischem Epidemiegesetz eine Verordnung, wonach das neuartige Coronavirus einer Anzeigepflicht unterworfen wird. Anzeigepflichtig sind Verdachts-, Erkrankungs-, und Todesfälle. "Das ist kein Grund zur Panik, aber für verstärkte Vorsorge, Information und Aufmerksamkeit", so der Minister. In China halten sich laut Außenministerium derzeit rund 3.000 Österreicher auf - sowohl Auslandsösterreicher als auch Touristen."Zum jetzigen Zeitpunkt sind keine Erkrankungen von Österreichern bekannt", sagte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP).

Video: Das sagt Gesundheitsminister Rudi Anschober zum Corona-Virus

Krankenhausbau in Schnellbauweise

In China ist die elf Millionen Einwohner zählende Metropole Wuhan schwer betroffen. Dort hat das Virus vermutlich von einem Tiermarkt seinen Ausgang genommen. Die Krankenhäuser sind völlig überfordert. Es gibt lange Schlangen. Nach offiziell unbestätigten Berichten werden Patienten sogar zurückgewiesen, weil es nicht genug Personal und Betten gibt. Nachdem in Wuhan mit dem Bau eines Krankenhauses mit 1.000 Betten begonnen worden war, soll ein weiteres mit 1.300 Betten folgen. Das erste Hospital in Schnellbauweise soll am Montag in einer Woche erste Patienten aufnehmen, das zweite zwei Tage später.

China schottet 43 Millionen Menschen ab
In Wuhan soll binnen eineinhalb Wochen ein Krankenhaus gebaut werden.

Aus anderen Teilen Chinas wurden mehr als 1.680 Ärzte und Pfleger mobilisiert und nach Wuhan entsandt, darunter 450 vom Militär. Auch wurden 14.000 Schutzanzüge bereitgestellt. Augenzeugen berichten von langen Schlangen an überfüllten Krankenhäusern. Wie die Lage in den anderen abgeschotteten Millionenstädten ist, war unklar. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr, Zug- und Flugverbindungen wurden gestoppt und Ausfallstraßen gesperrt. Von Sonntag an wird auch der gewöhnliche Autoverkehr in den großen Stadtbezirken Wuhans gestoppt.

Trotz der Abschottung wird die Versorgung der Metropole nach amtlichen Angaben weiter gesichert. "Die Versorgung der Märkte ist gesichert", versicherte der Gouverneur der Provinz Hubei, Wang Xiaodong. Die Frachtkanäle blieben offen. Auch würden weiter Agrarprodukte aus anderen Provinzen nach Wuhan transportiert.

Die größte Gefahr sei die Zu- und Abwanderung der Menschen. Deswegen sei die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus die Beschränkung der Bewegungsfreiheit. "Wenn dieses Problem nicht gelöst worden wäre, hätte es größeren Schaden für Leben und Gesundheit der Menschen auslösen können", rief er nach Angaben der "China Daily" zu Verständnis für die drastischen Maßnahmen auf.

Fiebermessgeräte an öffentlichen Plätzen

Die Regierung ordnete landesweit Kontrollen und Hygienemaßnahmen im Transportwesen an. An Flughäfen, Bahnhöfen, Busstationen und Passagierhäfen sollen Fiebermessgeräte installiert werden. Auch müssten Vorkehrungen getroffen werden, wie Infizierte isoliert oder Verdachtsfälle beobachtet werden können. Am Samstag stand an vielen Verkehrsknotenpunkten schon Personal, das mit Hand-Messgeräten die Temperatur von Reisenden maß.

Alle zuständigen Stellen "müssen dem Problem der Übertragung der Lungenkrankheit durch das neue Coronavirus im Transportsystem große Aufmerksamkeit schenken", forderte der Staatsrat. Die Behörden sollten dafür sorgen, dass die Hygiene von Zügen, Flugzeugen und anderen Verkehrsmitteln gesichert sei. Vorkehrungen sollen an Bahnhöfen, Flughäfen und anderen Drehscheiben getroffen werden.

"Haben keine vollständigen Informationen"

Der Präsident des Robert Koch-Instituts relativierte die länderübergreifende Gefahr durch das neue Virus. "Außerhalb Chinas gibt es bisher keine großen Infektionsketten", sagte Lothar Wieler im "Heute Journal" des ZDF. Allerdings betonte der Mikrobiologe, man könne die Schwere der Erkrankungen noch nicht genau beurteilen. "Wir haben keine vollständigen Informationen."

Die weltweiten Vorsichtsmaßnahmen begründete er unter anderem damit, dass der neue Erreger dem Sars-Virus genetisch sehr ähnlich sei und über die Atemwege verbreitet werde. An Sars (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) waren 2002/2003 etwa 800 Menschen gestorben. "Die Schwere, die Krankheitslast der Grippe ist schwerer", sagte Wieler.

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