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Weltspiegel

Assange: 70 britische Abgeordnete fordern Auslieferung nach Schweden

15. April 2019 00:04 Uhr

Assange: 70 britische Abgeordnete fordern Auslieferung nach Schweden
Protest gegen das Aus für Julian Assanges politisches Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London

LONDON. Anhänger des Wikileaks-Gründers fürchten weitere US-Anklagen und sogar die Todesstrafe.

Nach der Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange in London haben britische Parlamentsabgeordnete eine Auslieferung des Australiers nach Schweden im Falle eines entsprechenden Antrags gefordert.

Schweden müsse jegliche Unterstützung erhalten, sollten die dortigen Ermittlungen wegen Vergewaltigungsvorwürfen wieder aufgenommen werden, erklärten mehr als 70 Parlamentarier in einem Schreiben an den Innenminister. Das Schreiben ging auch an Diane Abbott, Labour-Schatten-Innenministerin. Labour lehnte eine Auslieferung Assanges an die USA bisher allerdings ab.

Dessen Anwältin sagte gestern, der 47-Jährige sei zur Zusammenarbeit mit den schwedischen Behörden bereit. Bisher hat Schweden eine Auslieferung nicht beantragt. Die USA, die Assange wegen Verschwörung zum Angriff auf Regierungscomputer angeklagt haben, stellten dagegen ein Auslieferungsgesuch. Sollte Schweden ebenfalls ein Gesuch stellen, müsste nach britischem Gesetz der Innenminister entscheiden, welcher Antrag Vorrang hat.

Assange war 2010 in Schweden von zwei Frauen wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt worden. Die Stockholmer Staatsanwaltschaft legte die Ermittlungen 2017 zu den Akten, weil der in London im Botschaftsexil lebende Assange für sie nicht erreichbar war.

Assange war am Donnerstag nach sieben Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London festgenommen worden. Die Regierung von Ecuador hatte zuvor das politische Asyl aufgehoben.

Assange: 70 britische Abgeordnete fordern Auslieferung nach Schweden
Assange kurz nach seiner Verhaftung

Assange kurz nach seiner Verhaftung (Foto: Reuters)

 

Verstoß gegen Kautionsauflagen

In Großbritannien droht Assange wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen bis zu ein Jahr Haft. In den USA muss er im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Verschwörung zum Angriff auf Regierungscomputer mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Assanges Unterstützer fürchten aber weitere Anklagen wie Geheimnisverrat und damit die Todesstrafe.

Assanges Vater John Shipton forderte die australische Regierung unterdessen auf, für eine Rückkehr seines Sohnes zu sorgen. "Das kann einfach zur Zufriedenheit aller gelöst werden", zeigte sich Shipton überzeugt.

Vater fordert Überstellung

Es habe bereits Gespräche zwischen einem Senator und einem ranghohen Beamten des Außenministeriums über eine Überstellung seines Sohnes gegeben. Premierminister Morrison hatte allerdings am Freitag erklärt, Assange könne nicht mit einer "Sonderbehandlung" seitens seines Heimatlandes rechnen.

Spanische Sicherheitsleute, die während seines Aufenthalts in der Botschaft Ecuadors engagiert worden waren, berichteten unterdessen von einem exzentrischen Benehmen Assanges. TV-Interviews gab er in Unterhosen, angezogen sei er nur vom Gürtel aufwärts gewesen, also ab dem auf dem Bildschirm sichtbaren Teil seines Körpers. Um die Toilette des Wikileaks-Gründers zu reparieren, wurde 2016 extra ein Installateur aus dem spanischen Valencia eingeflogen. Die aus Spanien stammenden Sicherheitsleute befürchteten, ein lokaler Arbeiter könnte das Klo verwanzen. Die Kosten des viertägigen Einsatzes: 4000 Euro.

> Lesen Sie hierzu auch den Leitartikel von OÖN-Korrespondent Thomas Spang.

Asyl in Österreich

Peter Pilz von der „Liste Jetzt“ forderte am Wochenende die Bundesregierung auf, Wikileaks-Gründer Julian Assange Asyl in Österreich zu gewähren. Es müsse verhindert werden, dass er in die Vereinigten Staaten gebracht werde. Jemand, der „Kriegsverbrechen aufdeckt, darf nicht an die Kriegsverbrecher ausgeliefert werden“, sagte Pilz zum „Standard“.

 

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