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Weltspiegel

Tunesien: Innenminister nach Flüchtlingsunglück entlassen

Von nachrichten.at/apa   06. Juni 2018 18:24 Uhr

Vor den Kerkenna-Inseln ereignete sich das wohl schlimmste Bootsunglück in diesem Jahr.

TUNIS. Der tunesische Innenminister Lotfi Brahem hatte nach dem Flüchtlingsunglück vor der Küste Tunesiens mit mindestens 66 Toten zehn Vertreter der Sicherheitsbehörden abgesetzt. Nun hat er selbst seinen Posten verloren.

Justizminister Ghazi Jeribi werde das Innenressort übergangsweise übernehmen, ließ Regierungschef Youssef Chahed am Mittwoch in Tunis mitteilen.

Die Bootskatastrophe am Wochenende vor den Kerkenna-Inseln im Osten des Landes war nach UN-Angaben das wohl verheerendste Unglück in diesem Jahr im Mittelmeer. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nimmt an, dass 112 Menschen ums Leben gekommen sind. 66 Leichen wurden geborgen, 68 Menschen konnten gerettet werden. Nach Angaben eines Überlebenden war das neun Meter lange Boot mit rund 180 Menschen überladen gewesen.

Unterkühlte Beziehungen

Das Boot war am Samstagabend aufgebrochen und kurz vor Mitternacht in Seenot geraten. Zuletzt waren die Kerkenna-Inseln vermehrt Ausgangspunkt für illegale Überfahrten in Richtung Europa. Vom Nachbarland Libyen starten jedoch mit Abstand die meisten Migranten.

Zu den Gründen von Brahems Entlassung wurden offiziell keine Angaben gemacht. Die Entscheidung wurde nach einem Treffen von Chahed mit Staatschef Beji Caid Essebsi mitgeteilt. Aus Regierungskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, dass die Beziehungen zwischen Chahed und Brahem unterkühlt gewesen seien und die Entlassung des Innenministers nach dem Bootsunglück verwartet worden sei.

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