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Weltspiegel

Termiten-Stadt – größer als Großbritannien

24. November 2018 00:04 Uhr

Termiten-Stadt – größer als Großbritannien
Die unzähligen Termitenhügel im Nordosten Brasiliens

BRASILIA. Forscherteam machte die sensationelle Entdeckung in Brasilien – Termitenhügel sind bis zu 4000 Jahre alt.

Das Gebiet liegt im Nordosten Brasiliens, ist mit 230.000 Quadratkilometern eine Spur größer als Großbritannien – und es beherbergt eine Stadt unfassbaren Ausmaßes. Hier lebt im Untergrund ein gigantischer Termitenstaat. Und das bisher weitgehend unerforscht.

Der Großteil der Fläche ist überwachsen, weitgehend unberührt von menschlicher Zivilisation, versteckt im Buschwerk der Caatinga-Landschaft. Nur an einigen Stellen haben Menschen Gestrüpp und Wald gerodet. Dort kamen seltsame Bauwerke zutage. Große Hügel, von meist etwa neun Metern Durchmesser und zweieinhalb Metern Höhe.

Ein Forscherteam um Stephen Martin von der britischen Universität Salford hat sich die Hügel jetzt einmal genauer angesehen und die Gesamtgröße des Gebiets ermittelt. Im Fachmagazin "Current Biology" berichten die Wissenschafter: Es handelt sich um Abraumhalden, aufgehäuft von bauwütigen Termiten, die unterirdisch ein weit verzweigtes Tunnelsystem angelegt haben. Wie Maulwurfshügel. Nur in viel größerem Maßstab.

Rund 200 Millionen Hügel

Auf dem gesamten Gebiet stehen rund 200 Millionen dieser Hügel. Alle 20 Meter einer. "Die Menge des an die Oberfläche gebrachten Erdreichs beträgt über zehn Kubikkilometer. Das entspricht dem Volumen von 4000 Großen Pyramiden von Gizeh", sagte Martin. "Es handelt sich um eines der größten Bauwerke, das je von einer einzelnen Insektenspezies errichtet wurde."

Unter dem Erdreich herrscht geschäftiges Treiben des Termiten der Art Syntermes dirus. Arbeiter müssen nachts nach oben, um feuchtes oder trockenes Holz, Blätter oder Gräser zu sammeln, von dem sich der Staat ernährt. Soldaten bewachen die Arbeiterkommandos. "Stellen Sie sich das als eine Stadt vor", sagte Martin der "Washington Post". "Menschen haben so eine große Stadt noch nie gebaut."

Noch dazu ist die Mega-City steinalt. Die Forscher analysierten den Sand von elf Hügeln. Der jüngste war demnach etwa 700 Jahre alt, der älteste fast 4000. Möglich, dass es noch viel ältere Hügel gibt. "Es ist unglaublich, dass man heutzutage noch solch ein unbekanntes biologisches Wunder von dieser Größe und diesem Alter entdecken kann, dessen Erbauer noch existieren."

Forscher kratzen an der Oberfläche

Die Wissenschafter wollen noch mehr über die Termiten herausfinden. Die genaue Struktur der Kolonie ermitteln, die Genetik der Tiere untersuchen. Wie nah sind die Termiten vom einen Ende des Staats mit denen vom anderen verwandt, lautet zum Beispiel eine der offenen Fragen. Eine andere: Wer sind die Herrscher über das Termitenreich? "Wir würden uns freuen, die Kammer einer Königin zu finden."

Bisher blieb den Forschern so eine Entdeckung verwehrt. Wortwörtlich kratzen sie erst an der Oberfläche, wenn es um das Verständnis der Termitenstadt geht.

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