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Weltspiegel

Promis schwören auf Homöopathie

14. Juli 2010 00:04 Uhr

Schwache Dosis, starke Promis
Bei Deutschlands Politikern wächst der Widerstand gegen die Alternativmedizin Homöopathie.

Berühmte Deutsche – von Modedesigner Karl Lagerfeld bis zum Philosophen Karl Sloterdjk – schwören auf Homöopathie. Die deutsche Politik will die Zuschüsse für die Kügelchen streichen – und muss mit Gegenwind einer prominenten Lobby rechnen.

Gerade unter Prominenten hat Homöopathie viele Anhänger. Die deutsche Schauspielerin Anna Loos zum Beispiel bekennt sich immer wieder zu ihrer Homöopathin. Modedesigner Karl Lagerfeld nahm mit Hilfe eines Homöopathen angeblich 42 Kilogramm ab. Doris Schröder-Köpf, Gattin des ehemaligen Kanzlers, übernahm gar die Schirmherrschaft des Homöopathie-Weltkongresses. Und selbst Philosoph Peter Sloterdijk preist die alternative Behandlungsform als „plausibel und unglaublich in einem, rätselhaft und wirkungsvoll“.

Auch Deutschlands Fußballern sind alternative Heilmittel recht, um möglichst schnell wieder auf die millionenschweren Beine zu kommen. Eine Umfrage unter Bundesliga-Ärzten ergab, dass 92 Prozent von ihnen Spieler homöopathisch behandeln – darunter auch Stars aus dem deutschen EM-Team.

Gute Behandlungserfolge

Die Umfrage führte der deutsche Sportmediziner Peter Billigmann durch, im Auftrag von Heel, einem der weltweit größten Hersteller homöopathischer Präparate. Seinen Eindruck schildert er in einem Gespräch mit Spiegel online: „Die Behandlungserfolge können sich sehen lassen, Homöopathika haben praktisch keine Nebenwirkungen, und auch beim Thema Doping sind wir auf der sicheren Seite.“ Demnach bestehe beim Einsatz sogenannter Komplexhomöopathika, die mehrere homöopathische Wirkstoffe kombinieren, keinerlei Gefahr, gegen die Anti-Doping-Vorschriften zu verstoßen.

Was Wissenschaftler an der Homöopathie kritisieren, sind nicht die eigentlichen Wirkstoffe, sondern wie sie verwendet werden – nämlich erstens extrem verdünnt und zweitens nach dem Grundsatz „Gleiches mit Gleichem“.

Erfunden wurde die Homöopathie vor 200 Jahren in Deutschland von dem Arzt Samuel Hahnemann. Nach seiner Lehre soll ein Patient mit genau dem Wirkstoff behandelt werden, der bei einem Gesunden die gleichen Symptome auslöst. Hat ein Patient also Fieber, sucht der Homöopath nach einem Stoff, der bei Gesunden Fieber auslöst. Der wird dann immer wieder verdünnt – so oft, bis nicht einmal mehr ein Wirkstoffmolekül im Arzneimittel nachweisbar ist.

Dass ein solches Mittelchen wirken kann, halten Naturwissenschaftler schlicht für Aberglauben. (Und damit argumentiert die Politik). Homöopathen sind überzeugt, Wasser habe ein Gedächtnis – und deshalb funktioniere die Homöopathie.

Alle wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten der vergangenen Jahre haben allerdings die Vermutung bestätigt, dass sich der Nutzen der Homöopathie nicht mit Fakten belegen lässt. (bar)

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