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Tinder: Wie sechs Studenten die Dating-Welt revolutionierten

Von Norbert König-Felleitner  22. September 2022 12:58 Uhr

Per App zum Traumpartner: Das versprechen sich viele Tinder-Nutzer

DALLAS. Mehr als 530 Millionen App-Downloads und 75 Milliarden Matches: Mit einer genialen Idee stellten sechs amerikanische Studenten im September 2012 die Dating-Welt auf den Kopf.

Vor zehn Jahren, im September 2012, startete die App Tinder, deren Markenname wie bei „googeln“ oder „kärchern“ mittlerweile zu einem deonymischen Verb geworden ist: also zum Tätigkeitswort „tindern“.

Die Idee dahinter ist genauso simpel wie genial: Die App benutzt ein Swipe-System (englisch für streifen), bei dem Nutzer die Profilfotos von anderen Nutzern in ihrer Nähe ansehen können. Gefällt dem Nutzer eine Person, so wischt er das Bild nach rechts. Gefällt sie ihm nicht, wischt er nach links. Wenn beide Nutzer ihre Bilder gegenseitig nach rechts gewischt haben, entsteht ein Match und man kann fortan mit dieser Person über einen Chat kommunizieren.

Dass sie mit ihrer Idee die Dating-Welt revolutionieren würden, hätten sich die Gründer (Sean Rad, Jonathan Badeen, Justin Mateen, Joe Munoz, Dinesh Moorjani und Whitney Wolfe) nicht einmal ansatzweise erträumt. Doch schon am ersten Tag, am 15. September 2012, zeigte sich, welches Potential in Tinder steckte. 

Irrsinniges Potential

"Wir schickten die App buchstäblich an 500 Leute", sagte Sean Rad in einem Podcast über den ersten Tinder-Tag. "Sofort meldeten sich 80 Prozent der Menschen an, die wir angeschrieben hatten. Am nächsten Tag wuchsen wir wieder um 50 Prozent". So schwappte Tinder von einer amerikanischen Uni zur nächsten und dann in die ganze Welt.  

Die Tinder-Erfinder haben sich seither teilweise zerstritten – so hat sich Mitgründerin Whitney Wolfe mittlerweile mit einer eigenen App selbstständig gemacht. Diese heißt Bumble und hat den Unterschied, dass bei Matches zwischen verschiedenen Geschlechtern nur weibliche Nutzer den ersten Kontakt mit passenden männlichen Nutzern herstellen können. 

Kritik von Datenschützen und Psychologen

Neben heftiger Kritik von Datenschützern gibt es auch viele psychologische Auswirkungen, die von Forschern angeprangert werden. So wurde 2016 eine Studie mit 102 Tinder-Nutzern unter insgesamt 1317 Teilnehmern vorgestellt. Die Ergebnisse: Tinder-Nutzer hätten eine geringere Zufriedenheit mit dem eigenen Körper und eine höhere Tendenz zum Objektifizieren ihrer eigenen Körper und der anderer Personen. Bei Männern sei zusätzlich das Selbstvertrauen geschwächt gewesen. Psychologen sagen, dass Tinder durch die Fokussierung auf Fotos, den begrenzten Platz für Profilinformationen und das schnelle affektive Bewerten des Gegenübers bestehende gesellschaftliche Schönheitsideale verstärke.

Nichtsdestotrotz erfreut sich Tinder auch nach zehn Jahren noch immer größter Beliebtheit. Nach eigenen Angaben ist Tinder mittlerweile in 190 Ländern und mehr als 40 Sprachen verfügbar. Die App wurde mehr als 530 Millionen Mal heruntergeladen und hat zu mehr als 75 Milliarden Matches geführt. Pro Woche entstehen dank Tinder rund 1,5 Millionen Dates. Einen positiven Einfluss auf diese Nutzerzahlen hatte auch die Pandemie: Denn während zahlreiche Branchen unter der Corona-Krise leiden und gelitten haben, verzeichneten Online-Datingagenturen sogar Rekorde. Gerade in der Pandemie-Hochphase, in der Cafés, Clubs und Bars entsprechend geschlossen waren, boomte das Geschäft mit der Einsamkeit. 

Während es vielen Menschen früher noch peinlich war, zuzugeben, dass man sich über eine App kennengelernt hat, hat sich dies mittlerweile grundlegend geändert: 57 Prozent der Paare in Österreich lernen sich online kennen.

 

Artikel von

Norbert König-Felleitner

stellvertretender Ressortleiter Online-Redaktion

Norbert König-Felleitner

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