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Lauschangriff im Wohnzimmer: Wie gefährlich sind Alexa, Siri und Co.?

Von nachrichten.at/apa   16. Juli 2019 15:12 Uhr

Spionieren die unauffälligen Alltagshelfer uns aus?

WIEN. Gefällig und klug - aber auch gefährlich seien die digitalen Sprachassistenten, warnten Vertreter der Arbeiterkammer am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Sie spielen Lieblingslieder, erinnern an Termine, beantworten Fragen oder steuern aus der Ferne technische Funktionen zu Hause: Digitale Assistenten mit Sprachsteuerung wie Apples Siri, Amazons Alexa, Googles Assistant oder Microsofts Cortana haben in vielen Haushalten Einzug gehalten. Die meisten Benutzer schätzen die Bequemlichkeit und denken sich nicht viel dabei. Doch der Komfort habe seinen Preis, so eine aktuelle Untersuchung.

Vor allem die Privatsphäre, einst heiß umkämpft, leide: Es entstünden sehr genau Profile jedes Haushalts und der einzelnen Mitglieder. Den wenigsten Konsumenten sei bekannt, wie viele Daten die Anbieter sammeln - und welche Informationen ganz konkret wie ausgewertet werden, ist oft schwer zu eruieren. Wie im April bekannt wurde, werden Unterhaltungen mit Alexa von Amazon angehört und abgetippt.

Eine neue Studie im Auftrag der Arbeiterkammer zeige auf, dass Datenschutz bei der Verwendung der smarten Gadgets oft mehr oder weniger ignoriert wird. Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) widmet sich auf 77 Seiten vor allem dem "Überwachungscharakter" der Geräte, die Experten befürchten den Verlust der Privatsphäre. Außerdem würden Qualität und Objektivität der Antworten der Sprachassistenten nicht kontrolliert werden. Es steht die Frage im Raum, ob die virtuellen Butler ihrem Hersteller mehr dienen als ihrem Besitzer.

Missbrauchen Alexa und Co. unser Vertrauen?

Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 erteilen 27 Prozent der österreichischen Haushalte bereits smarten Geräten Befehle. Aktuell geht man von etwa einen Viertel aus. Drei von vier Jugendlichen sollen bereits über derartige Erfahrungen verfügen, so die Konsumentenschützer vor Medienvertretern. Sie warnten vor allem vor den Konsequenzen für unbedarfte Kinder und Jugendliche, die ganz selbstverständlich mit der künstlichen Intelligenz kommunizieren.

Die zunehmende Verbreitung in den letzten Jahren stellt Datenschützer vor viele Fragen: Die Geräte sammeln fast unbemerkt sehr nahe am Leben der Konsumenten Informationen aus Privat- und Geschäftsleben, die in der Analyse ungeahnte Rückschlüsse ermöglichen können. Sprachprofile oder Standortdaten etwa können viel verraten, vor allem zuhause im Lebensmittelpunkt werden  potenziell alle Familienmitglieder bzw. auch Besucher belauscht und ihre Daten gesammelt und bearbeitet.

Man wolle das Bewusstsein schärfen, dass man von einer permanenten Lauschbereitschaft ausgehen muss, so Co-Studienautor Jaro Krieger-Lamina. Privateste Unterhaltungen können als "Beifang" beim Anbieter landen. Auch die Auswirkungen auf Weltbild, Verhalten und Kommunikation durch die Interaktion mit diesen Systemen sei nicht zu vernachlässigen: Die harmlose, weibliche Stimme "entlocke" den Usern wertvolle Informationen. Die Sprachassistenz-Programme verstehen weit mehr, als wortwörtlich gesagt wird, es ließen sich mit den diversen Zusatz-Daten "sehr genaue Persönlichkeitsprofile" erstellen und automatisierte Entscheidungsfindungen ermöglichen.

Viele datenschutzrechtliche Fragen sind derzeit schwer endgültig zu klären: Einerseits fehlt in Österreich die Möglichkeit von Sammelklagen, andererseits sind Auskünfte über gesammelt Daten der User und besonders der Nutzung und Speicherung oft schwer zu bekommen, vor allem wenn der Unternehmenssitz sich im Ausland befindet. Die intransparente Datenauswertung vertieft laut Konsumentenschützern das Ungleichgewicht zwischen Anbietern und Kunden.

Wie nachrichten.at berichtete, gibt es zumindest bei Alexa die Möglichkeit, die eigenen Sprachaufnahmen rückwirkend zu löschen.

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