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Harmony OS: Huaweis Plan B oder doch ein vollwertiger Android-Ersatz?

Von Thomas Nigl 17. August 2019 04:37 Uhr

Bereits im Oktober könnten in China erste Smartphones mit dem neuen Betriebssystem ausgeliefert werden.

Huaweis Betriebssystem könnte Android und Google unliebsame Konkurrenz machen

Nach monatelangem Hin und Her hat Huawei vor wenigen Tagen die Katze aus dem Sack gelassen und sein eigenes Betriebssystem für Smartphones vorgestellt. Es trägt den vielsagenden Namen Harmony OS und soll – wenn es nach dem Smartphone-Hersteller geht – bereits jetzt dazu in der Lage sein, das etablierte Google-System Android vollständig zu ersetzen.

Hintergrund für die Vorstellung eines eigenen Betriebssystems ist der Handelsstreit zwischen China und den USA. Mitte Mai hatte US-Präsident Donald Trump Huawei aufgrund von Sicherheitsbedenken auf die schwarze Liste gebannter Unternehmen gesetzt und so Geschäfte von US-Firmen wie Google mit dem chinesischen Telekom-Ausrüster erschwert. Ohne weitere Einigung würde das den dauerhaften Verlust der Android-Lizenz für Huawei bedeuten.
Während viele Huawei-Nutzer um die Android-Lizenz bangten, wähnte sich Google zunächst auf der sicheren Seite. Der US-Konzern beantragte eine Ausnahme bei der Regierung. Immerhin wäre ein Ende der Zusammenarbeit mit Huawei schlecht für die Sicherheit der Nutzer, gab man sich bei Google siegessicher. Insgesamt sollen beim Handelsministerium laut Medienberichten 50 Anträge von US-Firmen bezüglich solcher Ausnahmen eingegangen sein. Eine Entscheidung steht bis heute allerdings aus.

Geht Huawei eigenen Weg?

Die größte Überraschung lieferte nun Huawei selbst. Denn obwohl das Geschäft unter den Belastungen durch die Sanktionen leidet und Huawei in den USA mehr als 600 Arbeitsplätze streichen musste, übten sich die Chinesen in demonstrativer Zuversicht. Noch im Mai kündigte Manager Richard Yu an, dass man für den Fall der Fälle gewappnet sei.

Der Grund für die gute Stimmung: Mit der Präsentation von Harmony OS ließ der Konzern dieser Ankündigung nun auch Taten folgen. Sollte Huawei künftig Android nicht mehr nutzen können, „können wir sofort vollständig auf Harmony OS umstellen“, sagte Yu. Zweiflern erteilte er eine Absage: Die Software sei „sicher“ und unterscheide sich von Android und iOS. Das System sei zudem schneller, flexibler und sicherer als Android.

Dass es sich bei Harmony OS keineswegs um einen unbedachten Schnellschuss handelt, zeigt die Tatsache, dass Huawei bereits seit zwei Jahren an einem eigenen Betriebssystem arbeitet. Und um zusätzliche Entschlossenheit zu demonstrieren, will Huawei die erste Harmony-Version in China noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. Laut Huawei soll Harmony OS in allen Arten vernetzter Geräte laufen. Die Software soll genauso wie Android quelloffen für alle zugänglich sein. Mit dem Honor Vision TV wird es bald einen vernetzten Fernseher geben, der als erstes Gerät auf Harmony OS basiert.

Erste Annäherungsversuche

Huaweis Signal ist klar und unmissverständlich: Mit einem eigenen Betriebssystem könnte der Konzern seine Unabhängigkeit von Google erklären. Damit nicht genug: Da das OS auch Android-Apps unterstützen soll, wäre es tatsächlich ein ernstzunehmender Konkurrent. Doch Yu beschwichtigt: Huawei strebe keine vollständige Abkehr von Android an. Harmony OS sei lediglich ein „Plan B“.

Wer glaubt, dass sich Google von solchen Ankündigungen nicht beeindrucken lässt, irrt. Vor einer Woche hat Google Huawei kommentarlos wieder in seine Empfehlungsliste für Unternehmen aufgenommen. Im Zuge des Handelsembargos waren die Geräte entfernt worden. Außerdem hat Huawei die Zusicherung, dass das Mate 20 Pro ein Update auf Android 10 Q erhalten wird.

Zufall – oder ein Anzeichen für die Lockerung der Sanktionen? Es bleibt zwar noch abzuwarten, ob und wann der chinesisch-amerikanische Handelsstreit beigelegt wird. Sowohl Huawei als auch Google haben aber bereits gezeigt, dass es nicht am guten Willen der Betroffenen scheitern wird.

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