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"Apple macht homosexuelle Propaganda"

07. September 2016 04:12 Uhr

"Apple macht homosexuelle Propaganda"
Schwule Emojis sollen in Russland künftig verboten werden.

MOSKAU. Die russischen Behörden wollen dem iPhone-Produzenten wegen seiner bunten Smileys den Prozess machen.

Russland mag bekanntlich keine Schwulen. Das haben wir amtlich, seit die Staatsduma 2013 mit großer Mehrheit ein Gesetz verabschiedete, das die Propaganda "nichttraditioneller" sexueller Praktiken für ein minderjähriges Publikum mit saftigen Geldbußen belegt. Eine solche Geldbuße droht jetzt dem Apple-Konzern. Schon lange beäugen Hauptstadtsenatoren, Regionalparlamentarier und Provinzjuristen argwöhnisch die Smileys des iPhone-Produzenten, im Firmenslang auch "Emojis" genannt. Bunte Piktogramme, die Gesichter, Handzeichen, Gesten darstellen, und ganze Familien ... Eben diese haben die russischen Unzuchtsbekämpfer offenbar besonders in Harnisch gebracht: Sie zeigen außer "normalen" Varianten mit einem weiblichen und einem männlichen Erwachsenen auch Kinderfiguren, hinter denen zwei "Väter" oder "Mütter" stehen. Gruppen-Pädophilie, oder was?

Jedenfalls gingen bereits vergangenes Jahr mehrere Proteste bei der Aufsichtsbehörde Roskomnadsor ein, die allerdings keine schwule Aggression hinter den Apple-Smileys entdecken konnte. Doch vorigen September eröffnete die Kriminalpolizei in der nordrussischen Region Kirow wegen der gleichen "Emojis" ein Ermittlungsverfahren gegen den US-Konzern, sie schaltete das Moskauer Sikorski-Zentrum für Gerichtsgutachten ein. Deren Sachverständige befragten eine Fokus-Gruppe von 19 iPhone-Nutzern. Ihre Folgerung: "Die Ergebnisse erlauben die Feststellung, dass die der Expertise unterzogenen Abbildungen gleichgeschlechtliche Beziehungen sowohl zwischen Erwachsenen wie Kindern propagieren." Die Apple-Symbölchen könnten bei Heranwachsenden Interesse für Homosexualität erwecken, und schlimmer noch, den Wunsch, dieses Interesse zu realisieren. Kurz, Russlands Kids droht Sodom und Gomorra.

Apple muss sich jetzt auf einen Gerichtsprozess gefasst machen, der bei einem Schuldspruch eine Geldstrafe von 800.000 bis 1 Million Rubel (knapp 14.000 Euro) nach sich ziehen könnte.

Sowie den – wesentlich kostspieligeren – Zwangsverzicht auf alle anstößigen, sprich schwulen, Smileys in seiner in Russland verkauften Software. Die Firmentochter Apple Rus hat für alle Fälle schon eine andere russische Gutachtergruppe eingeschaltet. Die stellte ihrerseits fest, die iOS-Figurengruppen seien harmlos, könnten in völlig verschiedenen Kontexten gelesen werden und sowohl negative wie positive Assoziation hervorrufen.

Bleibt die Frage, ob die Richter das auch so sehen. Und wann die nächsten Anzeigen kommen. Vorbei die unschuldigen sowjetischen Jahre, als sich nackte Männer in den öffentlichen Schwitzbädern grunzend vor Vergnügen mit Birkenzweigen versohlten oder einander einseiften. Und dabei nie auf die Idee gekommen wären, sich dabei hart am Rand zur "Schaustellung gleichgeschlechtlicher Sexualität" zu bewegen. (scholl)

 

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