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Society & Mode

Schauspieler, Satiriker, Staatsdiener: Alfred Dorfer wird 60

Von nachrichten.at/apa   08. Oktober 2021 07:53 Uhr

Alfred Dorfer wird 60 Jahre alt.

WIEN. "Humorlosigkeit ist Intelligenzmangel" - Publikumsliebling Alfred Dorfer feiert am 11. Oktober 2021 seinen 60. Geburtstag.

"Humorlosigkeit ist Intelligenzmangel" - Alfred Dorfer, Urheber dieses Aphorismus', ist damit aus dem Schneider. Denn der Kabarettist und Schauspieler gehört zu den scharfsinnigsten Satirikern im deutschsprachigen Raum und feierte mit Solos von "Badeschluß" bis "und...", Filmen wie "Muttertag" und "Indien", den TV-Reihen "MA 2412" und "Dorfers Donnerstalk" und zuletzt sogar als Opernregisseur große Erfolge. Am Montag (11. Oktober) begeht er seinen 60er. Ursprünglich wollte Dorfer Chirurg werden, sah aber recht bald ein, "dass ich aufgrund meiner haptischen Fähigkeiten eher eine Gefahr für die Allgemeinheit gewesen wäre", wie er in einem Interview zugab. Ein Doktor ist Jahrzehnte später doch noch aus ihm geworden: Seit der Einreichung seiner Dissertation 2011 darf sich der studierte Theaterwissenschafter mit diesem akademischen Titel schmücken. Geschrieben hat er über "Satire in restriktiven Systemen Europas im 20. Jahrhundert" und sich somit mit einem humoristischen Genre beschäftigt, das seit vielen Jahren das Zentrum seines künstlerischen Schaffens darstellt.

Alfred Dorfer wird 60 Jahre alt

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Alfred Dorfer wurde am 11. Oktober 1961 in Wien geboren. Ab den frühen 80er-Jahren nahm er Schauspielunterricht u.a. bei Herwig Seeböck. In diese Zeit fällt auch die Gründung der gemeinsam mit Peter Wustiger ins Leben gerufenen Kabaretttruppe Schlabarett, der im Lauf der Jahre auch spätere Metiergrößen wie Roland Düringer, Reinhard Nowak und Andrea Händler angehörten und die vor allem mit ihrer Bundesheer-Parodie "Atompilz von links" (1985) einen achtbaren Erfolg und den Österreichischen Kleinkunstförderungspreis einheimste.

Kultstreifen: "Muttertag - Die härtere Komödie", "Indien"

Ein wahrer Karriereboost ereilte den Jubilar 1993. In diesem Jahr entstanden zwei Filme, die schnell zu heimischen Kultstreifen avancierten - die Gemeindebaugroteske "Muttertag - Die härtere Komödie" auf Basis des gleichnamigen Schlabarett-Stücks und die mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnete Tragikomödie "Indien", die Dorfer gemeinsam mit Josef Hader geschrieben hatte und die von Paul Harather auf die Kinoleinwand gebracht wurde. In gemeinsamen Lesungen schlüpft das privat in enger Freundschaft verbundene Duo immer noch ab und an in die Rollen von Heinz Bösel und Kurt Fellner.

1993 war auch das Jahr, in dem Dorfer mit dem Programm "Alles Gute" seine Solokarriere startete. Sechs weitere folgten bisher, etwa "Ohne Netz" (1994), "Badeschluß" (1996) - ein Abgesang auf die österreichische Sozialdemokratie -, oder das Best-of "bisjetzt" (2010). Seit 2017 tourt der Satiriker mit "und..." durch die Lande - diesmal ohne seine langjährige Begleitband, der auch Günther "Gunkl" Paal angehört.

Auftritte von bitterböser Satire und Humor aus dem Hinterhalt

Kreischende Pointen und temporeiche Comedy sind Dorfers Sache nicht. Eher leben seine Auftritte von bitterböser Satire und Humor aus dem Hinterhalt. In seinem 2000 herausgekommenen Solo "heim.at", das zwei Jahre später mit dem Deutschen Kleinkunstpreis prämiert wurde, arbeitete sich der Satiriker an der kurz davor angetretenen ersten ÖVP-FPÖ-Regierung ab. Eine Ausnahme, denn grundsätzlich spart der Satiriker die Tagespolitik lieber aus. "Für mich ist es wesentlich sinnvoller zu versuchen, die Prozesse und Mechanismen hinter den tagesaktuellen Dingen zu erfassen, die dann in drei Monaten noch genauso gelten wie vielleicht in drei Jahren", erklärte er 2017 im "Falter".

Abseits der Bühne erspielte sich Dorfer vor allem rund um die Jahrtausendwende auch in Film und Fernsehen eine große Fangemeinde. Neben "Muttertag" und "Indien" stand er etwa in "Freispiel" (1995) an der Seite von Lukas Resetarits, in "Wanted" (1999) und in "Poppitz" (2002) - gemeinsam mit Düringer - vor der Kamera und drückte damit dem hierzulande einst beliebten Genre des Kabarettfilms seinen Stempel auf. Düringer war auch sein Kollege in der Beamten-Sitcom "MA 2412", die ab 1998 für Traumquoten im ORF sorgte. 2003 folgte mit "MA 2412 - Die Staatsdiener" die Kinoversion rund um die Herren Breitfuss und Weber.

Im ORF lud Dorfer zwischen 2004 und 2010 außerdem zur im Audimax der Uni Wien aufgezeichneten Late-Night-Show "Dorfers Donnerstalk", die mit einer Romy und dem Erich-Neuberg-Preis bedacht wurde. Verkörperte anfangs Kollege Florian Scheuba alle prominenten "Gäste" und gab Günther Paal den "Experten für eh alles", wurde das Format später mit Einspielungen von Hader über Stermann & Grissemann bis hin Michael Mittermeier angereichert. Die Drüberredner maschek waren ab 2005 fixer Bestandteil der Sendung und setzten dadurch zu ihrem bis heute andauernden Karrierehöhenflug an.

Nicht nur für seine Programme legte der bekennende Austria-Wien-Fan schreiberischen Fleiß an den Tag. Mitte der 2000er-Jahre verfasste er das Drehbuch zur TV-Serie "11er Haus", die im Mikrokosmos Mietshaus fünf Jahrzehnte österreichischer Zeitgeschichte Revue passieren lässt. Außerdem verfasste Dorfer jahrelang Kolumnen für die "Zeit" und die "Süddeutsche Zeitung". Im Nachbarland heimste er außerdem den Bayerischen Kabarettpreis (2009) und den Deutschen Kabarettpreis (2016) ein.

"Die Vorstellung, in Pension zu gehen, ist für mich irreal."

Zuletzt wechselte Dorfer völlig das Metier und inszenierte mit Mozarts "Le Nozze di Figaro" seine erste Oper. Pandemiebedingt ging die Premiere im Theater an der Wien Ende November des Vorjahres allerdings nur als TV-Event über die Bühne.

Apropos Corona: Der Satiriker war nicht nur Teil der Aktion "Wir und Kultur", die auf die prekäre Lage der Kunstschaffenden aufmerksam machen wollte, sondern unterstützte auch die im Frühjahr eingebrachte Verfassungsklage gegen den Kulturlockdown. Trotz Abstecher ins Musiktheaterfach will Dorfer das Kabarett aber "sicher nicht" an den Nagel hängen, wie er im APA-Interview versicherte. Und auch über den Ruhestand scheint er noch nicht allzu viele Gedanken zu verschwenden, wie er vorigen Herbst im "trend" sagte: "Die Vorstellung, in Pension zu gehen, ist für mich irreal."

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