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"Blöd gelaufen": "Currywurstmann" Chris Töpperwien bestritt Vorwürfe vor Gericht

Von nachrichten.at/apa, 08. Juli 2024, 14:37 Uhr
Chris Töpperwien
"Currywurstmann" Chris Töpperwien muss sich vor dem Landesgericht Wiener Neustadt verantworten.  Bild: (APA/SOPHIA KILLINGER)

WIENER NEUSTADT. Der Prozess gegen "Currywurstmann" Chris Töpperwien hat am Montag am Landesgericht Wiener Neustadt unter großem Medieninteresse begonnen.

Dem aus Reality-TV-Formaten bekannten Deutschen wird Untreue und Veruntreuung angelastet. Die Vorwürfe stehen in Zusammenhang mit der Grill Heaven GmbH mit Sitz in Vösendorf (Bezirk Mödling), deren Geschäftsleiter Töpperwien war. Der Angeklagte soll 2021 u.a. private Einkäufe mit Firmengeld bezahlt haben. Er bekannte sich nicht schuldig. Ein Urteil wird es am Montag nicht geben.

Töpperwien soll Zahlungen – etwa in Baumärkten oder im Internet – über das Firmenkonto bzw. die Unternehmenskarte beglichen haben. Der Staatsanwalt sprach im Eröffnungsvortrag von 18 Angriffen. Zudem soll der 50-Jährige laut Anklage Beschäftigten Arbeitsaufträge für private Zwecke erteilt haben, darunter Schutt- und Sperrmüllentsorgung. Außerdem soll der 50-Jährige Social-Media-Tätigkeiten, die von seinem Arbeitsvertrag umfasst gewesen sein sollen, an sein Unternehmen in den USA ausgelagert haben, die GmbH sollte dafür bezahlen. Der Schaden wurde hier mit 7.700 Euro angegeben.

"Irrtümliche Verwendungen"

Außerdem soll der Beschuldigte Gegenstände der GmbH veruntreut haben, darunter Messer, Grillgewürz und -kohle. Hier beträgt der Schaden nach Gerichtsangaben knapp über 1.000 Euro. Belastet werde der Angeklagte von den Mitarbeitern des Unternehmens, sagte der Staatsanwalt.

Der Verteidiger von Töpperwien betonte, es handle sich zum Teil um irrtümliche Verwendungen der Firmenkreditkarte bzw. Abbuchungen vom Unternehmenskonto. Auch wenn die Vorgangsweise "patschert" gewesen sei, "sind wir weit weg vom Strafrecht", meinte der Rechtsanwalt.

"War mir nicht bewusst, dass das schlimm wäre"

Die in einem Baumarkt gekauften Umzugskartons habe er für seine Übersiedlung von Baden in ein Haus im Bezirk Wiener Neustadt verwendet und dann "unbeschadet" dem Unternehmen zurückgebracht, berichtete Töpperwien: "Es war mir eigentlich nicht bewusst, dass das schlimm wäre." Das Ausborgen des Firmenbusses sei im Unternehmen üblich gewesen, den Sprit habe er – ebenso wie die Sperrmüllentsorgung – von seinem eigenen Geld bezahlt.

Den Kauf von Baumaterial, Schaltern, Putzmitteln sowie eines Gartenschlauchs und einer Waschtischhalterung für private Zwecke bestritt er. Die Waren seien u.a. für die Grillschule und die Dachterrasse des Firmenstandorts in Vösendorf verwendet worden, "es wurde immer irgendetwas gebaut". Mitarbeiter hätten ihm beim Umzug geholfen, das sei aber außerhalb der Dienstzeiten erfolgt.

"Ganz blöd gelaufen"

In zwei bis drei Fällen habe er irrtümlich eine falsche Zahlungsvariante gewählt, sodass das Firmenkonto belastet wurde, "das war ein Verklicken", meinte der Angeklagte. "Dumm gelaufen, ganz blöd gelaufen", meinte er. In einem Fall habe er das sofort "genau erklärt", den Betrag habe er "umgehend überwiesen". Einige Tage später sei die Kündigung erfolgt. Einbaustrahler habe er ebenfalls irrtümlich über die Firma bezahlt, davon habe er aber erst in der Strafanzeige erfahren.

Zum Vorwurf der Veruntreuung hielt Töpperwien fest, er habe die Messer bezahlt. Die Grillgewürze und einen Messerschleifer habe er Personen für Social-Media-Postings gegeben bzw. geschickt. Produkte wie Grillkohle, Ölkanne und Spachtel habe er für Instagram-Stories verwendet.

Zu Anschuldigungen in Verbindung mit Abrechnungen über seine US-Firma erklärte der Angeklagte, dass über diesen Weg seine heutige Frau für ihre Arbeit bei der Grill Heaven GmbH entlohnt werden sollte. "Das war einer der größten Schocks für mich, dass das, was eigentlich klar und besprochen war, nicht richtig gewesen sein soll", erklärte er. Ende November 2021 wurde Töpperwien entlassen.

"Fast unfassbare" Vorwürfe

Die Vorwürfe bezeichnete der Angeklagte zusammenfassend als "fast unfassbar". Eine Führungskraft des Unternehmens habe ihm angekündigt, "ihn fertigzumachen": "Dass das dann tatsächlich passiert, damit haben weder ich noch meine Frau gerechnet."

Befragt wurden mehrere Zeugen, die 2021 für die Grill Heaven GmbH tätig waren. Ein Geschäftsführer bezeichnete Überweisungen in die USA als "klare Veruntreuung". Eine Absprache über eine Entlohnung für Töpperwiens Partnerin habe nicht bestanden. Entsprechende von seiner Nummer gesendete WhatsApp-Nachrichten "sind nicht von mir", hielt der Zeuge fest. Der Angeklagte selbst sei für Social Media eingestellt worden. "Dank Herr Töpperwien waren wir kurz vor der Insolvenz", sagte der Firmenchef. Das Geschäft sei nachweislich zurückgegangen, berichtete er u.a. von Personalschwund. Mitarbeiter hätten Angst gehabt und ihm erzählt, von Töpperwien unter Druck gesetzt worden zu sein. Das stand im Gegensatz zu anderen Zeugenaussagen von Montag.

"Komische Rechnung"

Einem Zeugen, der damals im Büro arbeitete, war zunächst bei der Überprüfung der Konten eine Ausgangsrechnung nach Amerika aufgefallen, "die ein bisschen komisch war". Auf Rückfrage habe Töpperwien gesagt, dass es sich um Vergütung für Social-Media-Tätigkeiten seiner jetzigen Frau handle. Der Mitarbeiter hatte in Folge eine Liste an Belegen zusammengestellt, die Basis für die Anzeige waren. Enthaltene Käufe wie Gartenschlauch oder Fugenmasse seien nicht für die Grillschule oder die Dachterrasse verwendet worden, sagte der Zeuge. Andere Produkte seien auf Instagram-Stories in Töpperwiens Haus zu sehen gewesen. Ein Messer und Gebühren für Sperrmüllentsorgung habe der Angeklagte nicht wie von diesem angegeben bar bezahlt, es gebe keine entsprechende Belege, meinte der Zeuge.

Der Buchhalterin waren u.a. Rechnungen von Amazon oder über Produkte wie Lichtschaltern merkwürdig vorgekommen. Gebühren für Sperrmüllentsorgung sollen ihrer Aussage nach aus der Firmenkasse beglichen worden sein, Töpperwien bestritt das. Der Firmenbus durfte laut Zeugenaussagen nach Rücksprache außerhalb der Dienstzeit auch für private Fahrten verwendet werden. Griller wurden mitunter auch in Umzugskartons verschickt, sagte ein Lagerarbeiter. Zu einem Anteilseigner des Unternehmens hatte Töpperwien den Angaben zufolge ein angespanntes Verhältnis.

Prozess vertagt

Zur Befragung eines weiteren Zeugen soll der Prozess nach Angaben der Einzelrichterin vertagt werden. Im Fall eines Schuldspruchs drohen bis zu drei Jahre Haft. Die im Grillfachhandel tätige Firma hat sich als Privatbeteiligte mit mehr als 8.800 Euro an dem Verfahren angeschlossen. Laut dem Verteidiger sind nach Berechnung der Arbeiterkammer Niederösterreich noch rund 14.000 Euro an Gehalt ausständig. Werde diese Summe nicht an seinen Mandanten gezahlt, werde man klagen, kündigte der Jurist an.

Bekannt wurde Töpperwien u.a. durch das Format "Goodbye Deutschland! Die Auswanderer" auf VOX und seine Teilnahme beim RTL-"Dschungelcamp" 2019. Der 50-Jährige, der in die USA ausgewandert ist, wurde aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Deutschland festgenommen und nach Österreich ausgeliefert. Gegen gelindere Mittel wurde er auf freien Fuß gesetzt.

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2  Kommentare
2  Kommentare
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fischerfel (546 Kommentare)
am 08.07.2024 15:26

Naja dem Chef sollte man das nicht übernehmen........ das machen doch eh alle..... oder nicht. Von wegen blöd gelaufen. Eingenäht gehört der zur Abschreckung

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betterthantherest (35.359 Kommentare)
am 08.07.2024 14:50

ist das jene Grill Heaven GmbH die immerhin über 35.000 Euro Coronahilfe ausbezahlt bekam?

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