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Motornachrichten

"Wir arbeiten intensiv im Hintergrund"

Von Carsten Hebestreit   18. Dezember 2018 00:04 Uhr

"Wir arbeiten intensiv im Hintergrund"
Mehr als 35 Jahre beim ÖAMTC: Josef Thurnhofer

ÖAMTC-Chef Josef Thurnhofer geht mit Jahresende in Pension – Ein Interview zum Abschied.

Nach mehr als 35 Jahren beim Club hängt ÖAMTC-Chef Josef Thurnhofer per Jahresende seine gelbe Jacke an den Haken. Wir blickten mit dem gelernten Techniker zurück.

 

OÖN: Ans erste Auto erinnert sich jeder, aber an den Tag der ÖAMTC-Mitgliedschaft? Seit wann sind Sie Club-Mitglied?

Thurnhofer: Ganz einfach: Seit dem Tag, an dem ich hier angefangen habe zu arbeiten, also 1981.

Und wann mussten Sie das erste Mal die Dienste des Clubs in Anspruch nehmen?

(lacht) Das war gleich ein paar Wochen nach Dienstbeginn. Ich hatte einen Auswärtstermin und habe mir ein Poolauto genommen. Nach ein paar Kilometern, auf dem Autobahnzubringer kurz vor der A1, ist der Wagen abgestorben. Über Funk – Handys gab’s noch keine – hab ich Hilfe herbeigerufen. Ein Kollege kam, hat sich ganz fürsorglich gekümmert, um dann auf die Tankuhr zu zeigen. Da hatten die Kollegen gleich etwas zu lachen.

Damals und heute – die Technik hat sich extrem verändert. Wie hat sich in dieser Zeit der ÖAMTC verändert?

Unsere Arbeit hat sich nicht dramatisch verändert, denn bei uns heißt’s, dem Menschen beim Bedürfnis nach Mobilität zeitgemäß zu dienen. Dieser Anspruch ist gleich geblieben. Nur das Wie hat sich dramatisch verändert. Um heute helfen zu können, müssen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen, lernen, lernen. Wir haben heute andere Technologien, andere Hilfsmittel.

Apropos neue Technologien: Hat der Club noch die Chance, immer und überall zu helfen?

Dinge, die früher kaputt waren, bei denen die Techniker improvisierend helfen konnten, die gibt’s großteils im Auto nicht mehr. Vergaser oder Zündung nachstellen – das war einmal. Dafür treten andere Fehler auf. Wir können in 80 Prozent der Fälle vor Ort helfen. Da gehört alles dazu – von Schlüssel einsperren bis hin zu Defekten durch kaputte Steckverbindungen. Mit unseren Testgeräten können wir diese Fehler finden.

Wo orten Sie Verbesserungsbedarf beim ÖAMTC?

Ganz klar im digitalen Bereich. Die Autos sind ja Datenlieferanten geworden, die an die Hersteller gigantische Datenmengen, gigantische Information übermitteln. Mit der Unterschrift unter den Kaufvertrag erlaube ich dem Hersteller, diese Daten in meinem Auto abzurufen. Da tauchen Fragen auf – unter anderem: Ist diese Vorgangsweise datenschutzrechtlich korrekt? Exakt diesen Teil überprüfen wir derzeit. Denn ist’s nicht eigentlich so, dass das Auto samt allen Daten ausschließlich dem Besitzer gehört? Derzeit hat man den Eindruck, ihm gehört die Hardware, aber nicht die Software. Da gehört eine Klarheit geschaffen.

Vor allem auch, weil die Hersteller mit diesen Daten viel Geld verdienen und verdienen werden.

Selbstverständlich. Die Gewinnmöglichkeiten der Zukunft liegen weniger bei den Autos als bei den Daten.

Ihr Lösungsansatz?

Die Hersteller verkaufen ein Auto nicht, wenn der Kunde den Vertrag nicht unterschreibt. Extrembeispiel ist Tesla. Eine Lösung wäre, einen standardisierten ÖAMTC-Kaufvertrag wie bei den Gebrauchtwagen auch für Neuwagen aufzulegen. An dieser Vision arbeiten wir intensiv.

Jetzt hat aber auch der ÖAMTC extrem viele Daten und kann viel auswerten. Die Ergebnisse aus diversen Analysen wurden aber – so der Eindruck – nur sehr defensiv verwendet. Hätte der Club nicht dann und wann lauter auftreten müssen? Beispiel: der Linzer Stau. Der ÖAMTC hat vor dem Abriss der Eisenbahnbrücke vor den enormen Auswirkungen gewarnt – und wurde überhört.

Diesen Eindruck kann man haben, ja. Unsere Hauptaufgabe ist, unsere Mitglieder zu betreuen und zu versorgen. Wir sind allerdings kein Gesetzgeber, sondern eine Interessenvertretung. Und da muss man bei der Frage, was kann der ÖAMTC erreichen, realistisch bleiben. Wir arbeiten aber schon sehr intensiv im Hintergrund – zum Beispiel rund um die Verkehrssituation in Linz. Und ja, aus heutiger Sicht ist klar, dass man rund um das Projekt Eisenbahnbrücke besser planen hätte müssen. Schimpfen auf die Vergangenheit bringt aber nichts, sondern wir müssen schauen, was wir jetzt Konstruktives tun können. Das ist unsere Strategie.

Hat die Stadt aus ihren Fehlern gelernt? Kritiker sehen keine Verbesserungen beim täglichen Stauchaos, sondern hegen den Verdacht, dass die Stadt die Angelegenheit aussitzen möchte.

Klar ist: All das, was jetzt in Planung ist, dauert noch Jahre. Wir alle haben aber auch die Möglichkeit, Beiträge zu leisten. Und exakt dies möchten wir in den Vordergrund stellen. Um die Linzer Luft zu verbessern, ist beispielsweise ein Dieselauto im Kurzstreckenverkehr das falsche Fahrzeug. Denn mit dem Diesel trage ich überdimensional zur Schadstoffbelastung in der Innenstadt bei. Hier wäre zum Beispiel ein Erdgasauto eine sinnvolle Alternative. Oder auch Fahrgemeinschaften, denn derzeit haben Autos nur einen sehr geringen Besetzungsgrad.

Sind die neuen Brücken das Allheilmittel?

Nein. Die Brücken wirken nur punktuell. Daher stehen wir alle vor der Entscheidung: Stehen wir jeden Tag im Stau oder leistet jeder von uns einen kleinen Beitrag?

Es gibt ja auch ein Klimaziel…

Ja, minus 36 Prozent beim CO2 bis 2030. Da muss jedem Verkehrsteilnehmer klar sein, dass er auch mithelfen muss.

Wenn man Ihnen zuhört, war bisher nur die Rede von Autos. Was ist mit den Einspurigen?

Jeder für sich muss seinen Mobilitätsmix überprüfen. Und wenn in diesem Mobilitätsmix außer einem Auto nichts vorkommt, dann muss er sich etwas überlegen. Kurze Wege zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Gerade das Fahrrad ist in Linz ein Thema, das ausgebaut werden muss. Wir werben mit Positivbeispielen für das Radfahren und sagen nicht dauernd, dies ist schlecht und das ist schlecht. Wenn jemand nur hört, alles ist schlecht, wie soll dann ein Autofahrer motiviert werden, aufs Fahrrad umzusteigen!

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