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"Der Köder muss dem Fisch schmecken"

Von Carsten Hebestreit   23.März 2021

"Der Köder muss dem Fisch schmecken"
"Das Autogeschäft läuft sehr gut", sagt Michael Schmidt, dem die Auslastung der Werkstätten Sorgen bereitet.

49 Jahre öffnete der Linzer Autofrühling ohne Unterbrechung seine Pforten, heuer fällt der älteste Automobilsalon Österreichs zum zweiten Mal hintereinander Corona-bedingt aus. Über die Auswirkungen sprachen die OÖN mit dem Präsidenten des Autofrühlings, Michael Schmidt.

OÖN: Was bedeuten die geschlossenen Tore für die Linzer Automobilhändler?

Schmidt: Hier fällt eine Linzer Traditionsveranstaltung aus, auf der üblicherweise den Besuchern auf analoge Weise die Neuheiten des Autojahres gezeigt werden. Wie groß der wirtschaftliche Schaden ist, lässt sich wegen der Pandemie nicht beziffern. Die Autohäuser durften nach dem Lockdown am 8. Februar wieder öffnen. Seither laufen die Geschäfte österreichweit nicht schlecht. Ob’s hierzulande mit dem Autofrühling besser gewesen wäre, traue ich mir ehrlicherweise nicht zu beurteilen.

Nehmen wir 2019 her – das letzte "normale" Jahr. Wie viel machte das Geschäft, das durch den Autofrühling hereinkam, für ein Autohaus aus, im Vergleich zum restlichen Jahr?

Das war üblicherweise abhängig von den Modellneuheiten, die die Händler ausgestellt hatten. Für manche Händler waren die Wochen nach dem Autofrühling die besten des ganzen Jahres, weil sie tolle Premieren oder Angebote hatten. Andere wiederum waren weniger zufrieden, weil neue Modelle gefehlt hatten. Generell lässt sich der Erfolg des Autofrühlings erst immer in einer längerfristigen Betrachtung messen.

Wie sieht das Konzept des nächsten Autofrühlings aus – unter dem Gesichtspunkt, dass einerseits die E-Mobilität viel stärker durchstartet als gedacht, und andererseits die Software in Autos immer mehr als Kaufentscheidung gilt?

Ich bin mir sicher, dass der Autofrühling, so wie er 49 Jahre lang durchgeführt wurde, nicht mehr stattfinden wird. Erstens wird er in einer viel kleineren Form stattfinden – also sicher ohne Zelt vor dem Design Center. Zweitens müssen wir die Frage beantworten, wie digital der Autofrühling künftig sein wird. Dies kommt auch auf die Importeure an, wie weit diese finanziell helfen. Wir Autohändler können uns eine digitale Messe nicht leisten. So oder so: Einen 50. Autofrühling mit einem Massenauflauf wie bisher wird’s nicht mehr geben, das ist sicher.

Hat es Überlegungen gegeben, den Autofrühling 2021 in einer anderen Form stattfinden zu lassen? Digital? Oder als "Lange Nacht der Autohäuser"?

Wir haben im Jänner intern darüber diskutiert, doch wären beispielsweise bei einer digitalen Messe immense Kosten auf uns zugekommen. Das Budget wollte kein Autohaus während des Lockdowns zur Verfügung stellen. Niemand hat ja gewusst, wie’s weitergeht. Das Einzige, das wir umgesetzt haben, war das Autofrühling-Magazin mit den OÖN.

Hat sich das Autogeschäft durch die Pandemie grundlegend geändert?

Nein. Auch wenn einige Hersteller angekündigt haben, künftig nur noch online zu verkaufen, ist der Zug Richtung Internet noch nicht da. Die Leute möchten noch Probesitzen, Probefahren, die Autotüren auf- und zumachen und in den Kofferraum hineinschauen. Das Einzige, das wir beobachten: Die Leute informieren sich vor einem Autohausbesuch im Internet.

Vor der Pandemie haben Hersteller immer öfter Automessen geschwänzt. Wegen der hohen Kosten, so der offizielle Grund. Machen Autosalons noch Sinn?

Ich glaube, ja! Was aber in Genf oder bei der IAA ablief, war eine gigantische Geldvernichtung. Da ging’s nur darum, die anderen zu übertrumpfen. Dies haben wir auf dem Autofrühling verhindert, denn jeder Stand schaut gleich aus. Trotzdem sind die Leute gerne zum Autofrühling gekommen. Die nächsten fünf bis zehn Jahre haben wir noch immer eine Generation, die gerne Auto fährt. Und wir haben eine Bevölkerung rund um Linz, die sehr vom Auto anhängig ist und mit dem Auto lebt. Deshalb macht der Autofrühling Sinn.

In welcher Form wären internationale Autosalons wieder erfolgreich?

Die Autoshows müssten wieder normaler werden. Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Das heißt: Man muss den Leuten das geben, was sie gerne hätten. Und nicht, was die Konzerne zu glauben meinen, was der Konsument gerne möchte.

Generell: Wie läuft aktuell das Autogeschäft?

Gut, sehr gut. Der Februar war unglaublich. Was mir allerdings zu denken gibt, ist die schwindende Auslastung der Werkstätten. Weil erstens E-Autos weniger Servicebedarf haben und zweitens während der Pandemie die jährliche Kilometerleistung um 15 bis 25 Prozent zurückgegangen ist. Das heißt auch 15 bis 25 Prozent weniger Ölwechsel, weniger Serviceleistungen, weniger Reifenverschleiß, weniger Bremsenverschleiß, weniger Unfälle. Die Frage ist: Wie lasten wir unsere Mitarbeiter in den Werkstätten aus?

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11. Mai 2021