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Motornachrichten

Eine elektrisierende Reise von Indien nach London

Von Carsten Hebestreit   06. August 2016 12:40 Uhr

Naveen Rabelli

LINZ. 35-Jähriger Techniker machte auf seiner Reise mit einem selbstkonstruierten Elektro-Tuk-Tuk in Linz Station.

Naveen Rabelli hatte einen Traum: Die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2012 in London miterleben. Der 35-Jährige wollte die 15.000 Kilometer von seiner Heimat Indien nach England mit einem selbstgebauten Elektro-Tuk-Tuk zurücklegen. Allerdings verzögerte sich das Projekt. Jetzt, vier Jahre später, wurden in der Nacht auf Samstag die Spiele in Rio des Janeiro eröffnet, Stunden danach machte der Inder mit seinem Dreirad Station in Linz - um auf seiner Reise nach London Strom zu tanken.

Im Brotberuf arbeitet Naveen Rabelli bei Mahindra Reza, einem indischen Hersteller von Elektroautos. „Wirproduzieren 4000 Elektroautos pro Jahr“, erzählt der Techniker im OÖN-Gespräch. Reichweite des neuesten Modells E20: 80 Kilometer. Diese Technik verwendete der Inder auch bei dem Umbau eines Original-Tuk-Tuks. Akkus rein, Ladefläche zu einem Schlafzimmer-Küche-Kabinett umgebaut, E-Motor verbaut - das Gefährt wiegt 800 Kilogramm. „Ich habe Second-Hand-Akkus verwendet“, erzählt Rabelli. Bei der Abfahrt in der indischen Stadt Hyderabad am 7. Februar 2016 schaffte das E-Tuk-Tuk 80 bis 85 Kilometer mit einer Ladung. Inzwischen ist die Reichweite auf 60 bis 65 Kilometer gesunken. Grund: Bis Linz hatte der Inder in den sechs Monaten 11.595 Kilometer zurückgelegt. „Bei einem derart harten Einsatz lässt die Batterieleistung automatisch nach“, schildert der Techniker während er seine Batterien bei der Keba in Urfahr auflädt.

In Linz empfangen haben Bernhard Kern und Gert Scherhammer vom Ersten ElektroMobilitätsClub (EMC, emcaustria.at) sowie Gerhard Wimmer von der Keba den Inder.
Durch Pakistan, Iran, Türkei und Griechenland führte ihn die Route. „Wenn ich keinen Gratis-Strom tanken konnte, was im Iran und Indien oft der Fall war, habe ich die Akkus über meine Solar-Paneele aufgeladen.“ Nach acht Stunden sind die Batterien bei optimalen Wetter aufgeladen.

Vor allem in Griechenland stoppte der Inder oft bei Schulen und Universitäten, um dort für die nachhaltige E-Mobilität zu werben. In Österreich begleitet ihn Raoul Kopacka, der zwei Mal je drei Monate in Indien verbrachte, um seinen Freund beim Bau des E-Tuk-Tuk zu unterstützen. „Geplant war, dass ich Namen begleite und einen Dokumentarfilm über die Reise drehe, doch hat sich das Projekt zu sehr verzögert“, erzählt der 28-jährige Grazer, der nun zumindest in Österreich mit in der Fahrerkabine sitzt.

Mit Tempo 45 ist der Inder in seinem 800 Kilogramm schweren Gefährt am Samstag Richtung Seewalchen unterwegs, Sonntag peilt er Salzburg an. Der örtliche Tourismusverband in seiner Heimatstadt unterstützt Naveen Rabelli finanziell. „Allerdings brauche ich nicht viel Geld. Geschlafen wird an Bord, die Energie für die Fahrt ist kostenlos. Nur die Mahlzeiten muss er finanzieren.

Sein Schengen-Visum läuft noch einen Monat, dann muss der 35-Jährige London erreicht haben. „Ich schaffe das!“ Und dann? „Keine Ahnung. So weit habe ich noch nicht vorausgeplant.“ Geld für die Rückreise muss er sich dann in der englischen Hauptstadt verdienen, so viel steht fest. Sein Ziel wird er dann jedenfalls erreicht haben. „Bisher war’s immer so, dass Technologie von London nach Indien transferiert worden ist. Und ich bin der Erste, der den umgekehrten Weg geschafft hat.“
 

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