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Auto-Tests

Mercedes GLB 200d: Darf er sich wirklich ins Gelände wagen?

Von Christoph Zöpfl  07. September 2020 00:04 Uhr

Darf er sich wirklich ins Gelände wagen?
Dieses Auto ist eine Wucht – auch optisch. Den GLB gibt es optional mit Frontantrieb, in diesem Fall ist sein Offroad-Talent naturgemäß limitiert.

Der Mercedes GLB überzeugt als Multitalent, sein Look kann eine optische Täuschung sein

Mit den Initialen der Mercedes-Modellfamilie könnte man inzwischen eine Quiz-Show veranstalten. CLA, SLC, GLA, GLE, EQC und so weiter und so fort – da braucht es Expertenwissen, um den jeweiligen Cross-over-Modellen auf Anhieb das richtige Auto-Bild zuzuordnen. Neuzugang in dieser bunten Mercedes-Welt ist der GLB, der auf der kompakten Plattform der B-Klasse basiert, das GL steht für die SUV-Variante. Man kann im Mercedes-Katalog zwischen dem GLA und dem GLC zwar fast keine Lücke entdecken, mit dem GLB haben die Modellentwickler trotzdem eine gefunden. Außerdem ist das Kunststück gelungen, diesem Multitalent einen doch sehr eigenständigen Charakter zu verleihen. Und ein kleiner Schwindler ist er auch. Der GLB schaut zwar wie ein Geländewagen aus, er ist es aber nicht immer.

Design: Bei vielen SUV-Modellen versuchen die Designer mit abgeschrägten Hecklinien oder runden Elementen den Lifestyle-Faktor herauszustreichen und die optische Wucht zu entschärfen. Der GLB macht da nicht mit, er gibt sich eher die Kante und steht robust auf seinen groß dimensionierten Rädern. Schüler, die im Fach Bildnerische Erziehung halbwegs talentiert sind, würden genau so einen Geländewagen zeichnen. Kaum jemand würde auf die Idee kommen, dass die Basis dieses robusten Mercedes von der kompakten B-Klasse abgeleitet ist.

Darf er sich wirklich ins Gelände wagen?
Die Lüftungsdüsen im feinen Innenraum sind nicht gerade unauffällig.

Innenraum: Der starke, fast martialische Auftritt, wird im Cockpit fortgesetzt. Über die mächtigen Lüftungsdüsen würde sich jeder Star der Rapper-Szene, die sich mit fetten Goldketten und überdimensionierten Ringen uniformiert, seine Freude haben. In diese Umgebung eingebettet wirkt der "Breitband-Bildschirm" (Mercedes bezeichnet das Display als Wide-screen-Cockpit) sehr fein und elegant. Die Wahlmöglichkeiten in Sachen Konfiguration und Steuerung sind vielfältig und manchmal auch etwas verwirrend. Die Bedienungsmöglichkeiten reichen vom Touchscreen, zum Touchpad, zu den berührungsempfindlichen Tasten am Lenkrad, außerdem gibt es eine Sprach- und Gestensteuerung. Das ist genauso beeindruckend wie gewöhnungsbedürftig. Das großzügige Platzangebot macht den GLB jedenfalls zum Familienfreund und sehr guten Urlaubspartner. Optional kann man ihn zum Siebensitzer erweitern, in dieser Konfiguration ist allerdings der Gepäckraum futsch. Außerdem dürfen laut Mercedes-Beipacktext die "Hinterbänkler" nicht größer als 1,68 Meter gewachsen sein.

Darf er sich wirklich ins Gelände wagen?
Gewöhnungsbedürftig: Touchpad

Fahrwerk: In dieser Kategorie verdient sich dieser Mercedes fünf Sterne. Der verlängerte Radstand kommt dem Fahrkomfort zugute, die Offroad-Optik ist allerdings eine optische Täuschung. Ins Gelände wagen sollte man sich mit dem Testauto nicht, unser GLB 200d war nämlich nur frontgetrieben. Der 4matic-Allrad kostet extra (wie so vieles).

Darf er sich wirklich ins Gelände wagen?
Viel Platz, als Option gibt‘s sieben Sitze

Motor: Wer den vernünftig dimensionierten Vierzylinder (150 PS/320 Nm Drehmoment) erlebt, glaubt an eine Zukunft für die (vorschnell?) totgesagte Diesel-Technologie. So ein Leistungsspektrum mit einem erstaunlich sparsamen Verbrauch schaffen die in Mode gekommenen Hybridlinge im Alltagsbetrieb kaum. Fazit: Der GLB ist ein SUV-Modell, das selbstbewusst da steht und sich nicht vor dem Zeitgeist duckt. Sein Einsatzradius ist groß, der Basispreis verlockend, der Blick auf die Aufpreisliste allerdings auch etwas ernüchternd bis schwindelerregend.

Mercedes GLB 200d

Preis: ab 40.940 Euro
OÖN-Testwagen 55.487 Euro

Motor: Vierzylinder-Diesel
Commonrail-Einspritzung
Hubraum 1950 ccm
Leistung 110 kW (150 PS) bei 3400–4400 U/min
max. Drehmoment 320 Nm bei 1400–3200 U/min

Verbrauch (NEFZ)
Stadt/Land/Mix 4,8–5,0 l
OÖN-Test 5,2 l
Tank/Kraftstoffart 52 l/Diesel

Umwelt: Euro-6d ISC
CO2-Ausstoß 126–131 g/km

Antrieb: Front
Getriebe 8-Gang-Automatik

Fahrleistungen:
0 auf 100 km/h in 9,0 sec
Spitze 204 km/h

Abmessungen & Gewichte:
L/B/H 4744/1834/1658 mm
Radstand 2829 mm
Leergewicht 1680 kg
Zuladung 515 kg
Kofferraum 565–1800 Liter
Anhängelast gebr. 1800 kg
ungebremst 750 kg

Garantie: 4 Jahre (bis max. 120.000 km)

Plus: Starker Motor mit wenig Verbrauch, gutes Platzangebot

Minus: Die elektronischen Aufpasser sind hypernervös

Artikel von

Christoph Zöpfl

Leiter Sportredaktion

Christoph Zöpfl
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