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Schau aufs Land

Wenn die Natur zu früh erwacht

Von Alfons Krieglsteiner  17. Februar 2020 00:04 Uhr

Wenn die Natur zu früh erwacht
Schneeglöckchen sprießen schon seit Jänner.

LINZ. Es ist erst Mitte Februar – und doch kommt der Frühling schon in die Gänge Wie Tiere und Pflanzen mit diesem Frühstart zurechtkommen.

"Der Frühling kommt schon in die Gänge", sagt Insektenkundler Martin Schwarz vom Biologiezentrum Linz. Einen Monat früher als "normal". Kein Wunder, war doch der Winter in Oberösterreich bisher um mehr als zwei Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Und für die kommenden Tage sagen die ZAMG-Meteorologen Werte im zweistelligen Bereich voraus (siehe unten).

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Für manche Tiere hat das gravierende Folgen. Zum Beispiel für den Igel. Schon das dritte Exemplar innerhalb einer Woche wurde am Donnerstag zum Tierschutzhof der Pfotenhilfe Lochen (Bez. Braunau) gebracht. Auch er hat nur 300 Gramm und ist wegen der ungewöhnlichen Wärme vorzeitig aus dem Winterschlaf erwacht.

Für die kommenden Tage stellen sich die Tierretter auf weitere Findelkinder ein. Untergewichtige Igel, die jetzt nicht versorgt werden, drohen zu verhungern, weil sie zu wenig Fettreserven haben. Wenn sie jetzt aufwachen, finden sie auch kein Futter.

Aus dem Feldhasenbaby, das seit vergangener Woche in der Pfotenhilfe mit dem Flascherl aufgezogen wird, sind mittlerweile drei geworden. "Wildtiere dürfen aber niemals grundlos der Natur entnommen werden", sagt Pfotenhilfe-Geschäftsführerin Johanna Stadler (Info Tel. 0677/61425 226).

Junge Eichhörnchen im Geäst

Gewöhnlich werden die ersten Junghasen Anfang März geboren. "Doch aus den Märzhasen sind mittlerweile Februarhasen geworden", sagt Zoologe Jürgen Plass vom Linzer Biologiezentrum: "Man muss sie im Altgras oder unter Büschen sitzen lassen, die Häsin kommt einmal am Tag, in der Dämmerung, dann werden sie von ihr gesäugt."

In der Stadt turnen schon die jungen Eichhörnchen durchs Geäst. "Einen Monat früher als sonst", sagt Plass. Auch der Dachs ist aus der Winterruhe erwacht und hat frühzeitig für Nachwuchs gesorgt.

Gleiches gilt für die Fledermäuse. "In milden Wintern wie diesem verbrauchen sie wenig Fettreserven, das erhöht ihre Überlebenschancen", sagt Plass: "Doch wenn sie jetzt im Februar schon herumfliegen, kann ihnen der Nahrungsmangel stark zusetzen."

"Bei mir im Garten rennt auch schon ein kleiner Igel herum, ich stelle ihm Katzenfutter zur Verfügung, und bei der Menge, die da jede Nacht verputzt wird, muss noch ein zweiter Igel dabei sein", sagt der Gmundner Naturbeobachter Heinrich Metz. Auch die Singdrossel ist schon auf Frühling eingestellt und lässt ihre Balzgesänge hören. Nur der Siebenschläfer im vermodernden Birnbaum denkt noch lange nicht ans Erwachen.

Die milden Temperaturen bringen die Frühblüher so richtig in Fahrt: "Für pollensammelnde Insekten ist der Tisch schon jetzt gedeckt", sagt Metz.

Bienen schon fleißig unterwegs

Winterlinge, Winterschneeball, Schneeglöckchen, Schneerosen, Frühlingsknotenblumen, demnächst auch die Krokusse – überall summt und brummt es schon von den ersten Honig- und Wildbienen. Und das mitten im Februar.

Die Hasel ist im Abblühen und stäubt entsprechend intensiv. Die Palmweiden stehen kurz vor der Blüte, die Blütenspitzen der Marillen färben sich schon rot. "Hoffentlich schlägt der Spätfrost nicht zu", sagt Metz. Im Teich beginnen die Grasfrösche mit der Eiablage – zwei Wochen zu früh. Frost bis minus sieben Grad übersteht der Laich problemlos. Regelrecht ins Schwärmen bringt das milde Wetter die gelsenähnlichen, harmlosen Wintermücken, sagt Insektenkundler Martin Schwarz. "In den kommenden Tagen werden sie in der Sonne wieder massenhaft durch die Luft wirbeln." Zum Paarungsflug.

Zitronenfalter, Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge starten in den Frühling. "Wenn man sie im Keller oder auf dem Dachboden herumflattern sieht, sollte man sie ins Freie lassen", rät der Experte. Denn im Haus würden sie vertrocknen. Schon demnächst werden die Hummelköniginnen ihre Winterquartiere verlassen. In milden, feuchten Wintern sterben viele an Pilzerkrankungen, aber dieser Winter war weitgehend trocken. Da ist ihre Überlebensrate hoch.

Eines ist Naturbeobachter Heinrich Metz noch aufgefallen: Die Vögel lassen das Futter in den Futterhäuschen "links liegen". Weil sie in der Natur schon ausreichend Nahrung finden. Zum Beispiel Blattläuse unter der Birkenrinde.

 

Das Wetter

13,5 Grad zeigten die Messtationen in der Nacht auf Sonntag am Kolomansberg in 1110 Metern Seehöhe. Bis zu 15 Grad sind am Montag möglich. Nach einem frühlingshaften Wochenbeginn sinkt die Schneefallgrenze am Mittwoch wieder in tiefere Lagen. Es frischt teils kräftiger Westwind auf. Bis zum Wochenende wechseln sich sonnige Abschnitte, Regen und Schneeschauer ab.

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Alfons Krieglsteiner

Redakteur Land und Leute

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