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Schau aufs Land

Wenn der Honig im Bienenstock dick wie Zement wird

Von Alfons Krieglsteiner 17. Juli 2019 00:04 Uhr

Wenn der Honig im Bienenstock dick wie Zement wird
Fleißige Arbeiterinnen

LINZ. Oberösterreichs Imker haben heuer in manchen Regionen massiv mit "Melezitose-Honig" zu kämpfen.

Wenn sich Honigbienen von Honigtau, der süßen Masse, die Insekten wie Blattläuse, Blattflöhe und Zikaden erzeugen, ernähren, entsteht Waldhonig. Der gilt als äußerst wohlschmeckend.

Ein Problem gibt es allerdings, wenn sich die Bienen von Ausscheidungen bestimmter Läuse ernähren. Dann wird der Honig dick wie Zement. "Punktuell haben die Imker heuer in manchen Regionen sehr damit zu kämpfen, etwa im Raum Vöcklabruck und im Kobernaußerwald", sagt Oberösterreichs Imker-Präsident Johann Gaisberger.

Das Läusesekret kristallisiert noch in den Waben und bewirkt, dass der Honig nicht ausgeschleudert werden kann. Bis zu 60 Prozent "Zementhonig" haben die Bienen mancherorts heimgebracht. Die Rapsblüte war wegen des kalten, verregneten Mai sehr kurz, und im extrem heißen Juni produzierten viele Blumen nur spärlich Nektar. Die hungrigen Bienen sammelten stattdessen eifrig die Ausscheidungen der Schwarzen und der Stark bemehlten Fichtenrindenlaus. Es gab nichts anderes.

"Diese Läusearten scheiden beim Saugen an den Fichtenstämmen einen Dreifachzucker aus, die Melezitose, die sehr schnell kristallisiert", sagt Ernst Tiefenthaler aus Pichl bei Wels, Referent für das Trachtwesen im oö. Landesverband für Bienenzucht.

Gelingt es dem Imker, den Zementhonig aus den Waben zu bekommen, ist dessen Qualität sehr gut. Leicht ist das aber nicht. "Man bringt ihn nur schwer heraus", sagt Gaisberger. Eine Möglichkeit besteht darin, die betreffenden Waben im Stock ganz nach unten zu verlagern. Um daraus Honig für den Wintervorrat zu machen, wird er dann von den Bienen hinauf zu den höhergelegenen Etagen gebracht. Dazu nehmen sie ihn aus den Waben und führen ihm Flüssigkeit zu. Nach zweimaligem "Umarbeiten" wird er zu normalem Waldhonig. Der Imker kann die betreffenden Waben auch kurzerhand einschmelzen, so lässt sich daraus Bienenwachs gewinnen.

Eine kostspieligere Methode bedient sich einer speziellen Melezitose-Schmelze. Durch sie wird das Wachs der Wabe vom Melezitose-Honig auf thermischem Weg getrennt, der Honig kann noch zum Backen verwendet werden.

Unbearbeitet im Stock bleiben kann der Zementhonig nicht, denn so wäre er als Winterfutter für die Bienen nicht geeignet. Erstens wäre er für sie kaum verdaulich, außerdem würden sie verdursten, weil ihnen zu wenig Wasser zur Verfügung steht, um den harten Honig flüssiger zu machen.

Beim Waldhonig wird es zwar kein Rekordjahr, "bei uns im Inneren Salzkammergut wird die Ernte eher unterdurchschnittlich ausfallen", sagt Gaisberger.

Doch es gebe auch genug Gebiete mit hervorragender Ernte. Im Raum Feldkirchen an der Donau würden manche Imker schon zum dritten Mal schleudern. Das gibt es sonst nur selten.

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Redakteur Land und Leute

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