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Chronik

Wurmmittel wird verstärkt ins Land geschmuggelt

29. November 2021 00:04 Uhr

Wurmmittel wird verstärkt ins Land geschmuggelt
24.169 Ivermectin-Tabletten wurden heuer bereits vom Zoll in Österreich sichergestellt.

WIEN. Bei 428 Aufgriffen hat der österreichische Zoll seit Beginn des Jahres 24.169 Stück geschmuggelte Tabletten des Arzneimittels Ivermectin entdeckt.

Seit September machte die behauptete Wirkung gegen Covid-19 in bestimmten Kreisen auch in Österreich erneut groß die Runde, seither sei die Zahl der Funde des Medikaments als Schmuggelware sogar "förmlich explodiert". Die sichergestellten Tabletten seien "oft wirkungslos oder verunreinigt", teilte das Finanzministerium mit.

"In den vergangenen Monaten haben wir eine regelrechte Kampagne zur Einnahme des Entwurmungsmittels Ivermectin als angebliches Covid-Heilmittel erlebt. Das hat zu einer wahren Flut an Sicherstellungen des Mittels durch den Zoll geführt", sagte Finanzminister Gernot Blümel (VP). "Anstatt sich gegen eine Corona-Erkrankung zu schützen, gefährden diese Menschen ihre Gesundheit."

Denn bei den geschmuggelten Medikamenten, die meist aus Asien stammen, handle es sich oft um wirkungslose, verunreinigte oder gefälschte Präparate. Experten warnen vor missbräuchlicher Einnahme. Bei Corona-Leugnern und Impfgegnern wird der Arzneistoff, der hauptsächlich in der Veterinärmedizin verwendet wird, beworben, auch FPÖ-Chef Herbert Kickl hatte ihn propagiert.

Im ersten Halbjahr 2021 waren nur vereinzelt Ivermectin-Aufgriffe verzeichnet worden. Allein im Oktober wurden dann 7640 Stück sichergestellt. "Das ist im Vergleich zum Jänner mehr als das 50-fache", heißt es vom Zoll. Zwischen September und Mitte November wurden insgesamt 15.844 Tabletten, meist im Internet bestellt, beschlagnahmt. Das Medikament werde unter verschiedensten Produktbezeichnungen hauptsächlich aus Singapur, Indien und Hongkong versendet. "Spitzenreiter waren Empfänger in Niederösterreich, gefolgt von Oberösterreich, Wien und der Steiermark", hieß es.

Kontrolliert wird vor allem in den Postverteilerzentren. Unterstützt wird der Zoll durch Internet-Ermittlungen seiner Cybercrime-Einheit. Nach einem Aufgriff erstattet der Zoll Anzeigen an die zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden, die Strafen festlegen und die Medikamente entweder vernichten oder auf Kosten des Bestellers an den Absender retournieren lassen. Der Strafrahmen bei der illegalen Einfuhr von Medikamenten liegt bei bis zu 7260 Euro.

In Österreich sind Ivermectin-Tabletten beim Menschen für die Behandlung von Krätzmilbe, parasitären Wurmbefällen sowie von Kupferakne zugelassen. Im veterinärmedizinischen Bereich erstreckt sich die Zulassung auf die Anwendung gegen innere und äußere Parasiten bei einer Vielzahl von Tierarten.

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