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Chronik

Vermisste Schneeschuhwanderer tot, Tourengeher vermisst

Von nachrichten.at/apa   07. Januar 2019 16:23 Uhr

Rückblick Jänner 2019: Als Österreich im Schnee versank

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WIEN. Bei der erneuten Suche nach zwei vermissten Schneeschuhwanderern im Tennengebirge bei Abtenau wurden beide am Montagnachmittag tot geborgen. Bei Lawinenabgängen und Unfällen im freien Skiraum sind am Wochenende in Salzburg und in Vorarlberg insgesamt vier Menschen ums Leben gekommen. Zwei Tourengeher werden noch vermisst.

Trotz des schlechten Wetters und der großen Lawinengefahr ist die Suche nach den beiden Schneeschuhwanderern am Montagvormittag in Abtenau fortgesetzt worden. 22 Bergretter aus Abtenau und Annaberg rückten aus.

Am frühen Nachmittag wurde einer der beiden Vermissten tot geborgen. Es handelt sich um den 28-jährigen Jäger, informierte der Bezirksleiter der Bergrettung im Tennengau, Wilfried Seidl. Der 28-Jährige wurde bereits ausgegraben und abtransportiert. Er war laut dem Bergretter von einer Staublawine erfasst und in einen Graben geschleudert worden. Wenige Minuten, nachdem der 28-jährige Tennengauer von Bergrettern geborgen worden war, wurde auch seine 23-jährige Partnerin in dem Lawinenkegel mit einer Sonde entdeckt und ausgegraben. Die Schneeschuhwanderin sei ebenfalls von der Staublawine erfasst und verschüttet worden, sagte der Bezirksleiter der Bergrettung. Die Frau wurde tot in der Nähe ihres Partners gefunden.

"Der Mann wurde in einen Graben und die Frau auf den Gegenhang geschleudert", sagte der Bergretter. Die Druckwelle der Lawine sei sehr heftig gewesen. Beide wurden in zwei Meter Tiefe unter dem Schnee verschüttet.

Das Paar war am Samstagvormittag im Bereich der Schindlmaisalm unterwegs gewesen. "Sie wollten die Reviereinrichtungen kontrollieren und die Wildfütterung auffüllen."

Suche nach Tourengehern in NÖ erfolglos

Die Suche nach zwei seit Samstag bei Hohenberg (Bezirk Lilienfeld) vermissten Tourengehern hat auch am Montag erfolglos geendet. Im Gegensatz zum Vortag war der Einsatz von Hubschraubern aufgrund schlechter Sichtverhältnisse nicht möglich, sagte Michael Hochgerner von der Alpinpolizei. Die Suche wird am Dienstag nicht fortgesetzt.

"Aufgrund der Gefahrensituation können wir einen Einsatz nicht verantworten. Das Letzte, was wir wollen, ist ein toter Retter", teilte Hochgerner nach einer Entscheidung der Einsatzleitung mit. Am Dienstag soll eine neue Bewertung der Lage stattfinden. "Sobald es die Verhältnisse zulassen, werden wir die Suchaktion fortsetzen." Weil sich vor allem die Lawinengefahr im Suchgebiet weiter erhöhen soll, werde dies aber erst am Mittwoch der Fall sein, sagte Hochgerner. Ein Assistenzeinsatz des Bundesheeres wurde in Betracht gezogen.

Am Montag standen rund 40 Mitglieder der Bergrettung, drei Alpinpolizisten und zwei Hundeführer ab etwa 8.00 Uhr über den Landweg im Einsatz. Unterstützt wurden sie von zwei Experten des Lawinenwarndienstes Niederösterreich. Neben Schneefall machte den Helfern Nebel zu schaffen. Die Lawinengefahr war Hochgerner zufolge "erheblich bis groß". Die Suche konzentrierte sich auf den Bereich des Hohenberger Gschwendts sowie des Türnitzer Högers. Das Wetterfenster für einen Hubschraubereinsatz, das laut Prognose zwischen 13 und 15 Uhr aufgehen hätte können, blieb aus. "Das hat sich leider nicht bewahrheitet", sagte Hochgerner. In Hohenberg eingetroffene Angehörige der vermissten Männer wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut.

Die beiden Tourengeher aus dem Bezirk Krems waren am Samstagabend abgängig gemeldet worden. Bei den Vermissten handelt es sich nach Angaben der Alpinpolizei um im Gelände versierte Wintersportler. Bei der groß angelegten Suche am Sonntag waren neben Bergrettung und Alpinpolizei auch zwei Hubschrauber des Innenministeriums im Einsatz gestanden.

Skifahrer in Zauchensee verschüttet

Im Skigebiet von Zauchensee (Pongau) ist ein Skifahrer am Sonntag im freien Gelände abseits der Pisten tödlich verunglückt. Der 35-jährige Slowene dürfte bei der Variantenabfahrt gestürzt sein. Er blieb im mehr als einen Meter hohen Tiefschnee stecken. Bergretter bargen den Verschütteten mit Hilfe der Pistenrettung. Die Reanimationsversuche der Einsatzkräfte waren vergeblich.

Als Freunde des Slowenen am Nachmittag bemerkten, dass er nach der Tiefschneeabfahrt im Tauernkar nicht bei der Liftstation eingetroffen war, fuhren sie die Strecke nochmals ab. Sie entdeckten den Verschütteten auf einer Seehöhe von rund 1.750 Metern rund 250 Meter unterhalb der Rauchkopfhütte und alarmierten die Einsatzkräfte. "Wir waren mit drei Bergrettern in fünf Minuten vor Ort. Der Skifahrer war komplett verschüttet", schilderte der Ortsstellenleiter der Bergrettung Altenmarkt, Thomas Gotthardt.

Zwei Stunden lang reanimiert

Weil die Bergrettung wegen der prekären Wetter- und Lawinensituation in Zauchensee Bereitschaft hatte, trafen bereits nach zehn Minuten weitere vier Bergretter bei dem Verunglückten ein. Die Bergretter begannen sofort mit der Reanimation und setzten dabei einen Defibrillator ein. Zwei Notärzte, zwei Notfallsanitäter und Pistenretter der Liftgesellschaft Zauchensee eilten ebenfalls zu Hilfe. Der Slowene wurde in einem Akia mit einer Seilwinde bergwärts gezogen, in eine geheizte Hütte gebracht und laut Einsatzkräfte zwei Stunden lang reanimiert. Doch schließlich konnte ein Arzt nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Schon vier tote Wintersportler

Insgesamt steigt damit die Zahl der Toten durch den Wintereinbruch auf vier. In Vorarlberg starben am Sonntag zwei Männer bei Lawinenabgängen in in Damüls und in Schoppernau im Bregenzerwald. 

Eine Snowboarderin aus der Schweiz ist am Sonntagnachmittag bei einem Unfall im vorarlbergischen Skigebiet Schafberg in Gargellen tödlich verunglückt. Die 24-Jährige kam ohne Fremdverschulden von der Piste ab und stürzte in der Folge ca. 20 Meter über steiles Gelände ab, wie die Polizei mitteilte. Dabei blieb sie mit dem Kopf voran bis zur Hüfte im ca. 1,5 Meter tiefen Schnee stecken.

Ihren drei Begleitern gelang es, die 24-Jährige auszugraben. Sie begannen mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Die Reanimationsmaßnahmen wurden vom Notarzt fortgeführt, mussten aber schlussendlich abgebrochen werden. Der Unfall ereignete sich gegen 14.30 Uhr.

Informationen über die Wetterlage und die Lawinensituation in Oberösterreich finden Sie hier

Video: Die Lawinensituation wird immer prekärer

Warnung für Wochenmitte und weitere Front in Sicht

Auch diese Woche strömt von Nordwesten her feuchte Luft an die Alpen und staut sich hier. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hat bereits die nächste Schneewarnung ausgegeben, und für das Wochenende zeichnet sich eine weitere Front ab.

Von Dienstag bis Donnerstag sind an der Alpennordseite - von Vorarlberg über Nordtirol, Salzburg und die Dachstein-Region bis zum Mostviertel - 30 bis 80 Zentimeter Neuschnee zu erwarten, auf den Bergen stellenweise auch mehr als 100 Zentimeter, so die Prognose. Wegen des kräftigen Winds muss man mit Schneeverwehungen rechnen.

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Eine nachhaltige Entspannung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Für das Wochenende zeigen die Vorhersagemodelle eine weitere Schneefront von Nordwesten her.

Schon in der Nacht auf Montag verzeichneten viele Skigebiete erneut Zuwächse bei den Schneehöhen. An der Nordseite der Alpen, von Vorarlberg über Nordtirol und Salzburg bis zur nördlichen Obersteiermark, kamen laut ZAMG verbreitet fünf bis 25 Zentimeter dazu, in Gipfellagen stellenweise rund 30 bis 40 Zentimeter.

50 bis 150 Zentimeter Neuschnee täglich

Seit Mitte vergangener Woche lag die Summe der täglichen Neuschneemengen an der Nordseite der Alpen größtenteils zwischen 50 und 150 Zentimetern, im Hochgebirge auch darüber. Beim in 2.317 Meter Seehöhe gelegenen Alpinzentrum Rudolfshütte in Salzburg beispielsweise werden laut ZAMG aktuell 282 Zentimeter Gesamthöhe gemessen. Auf der Rax in Niederösterreich sind bei der Bergstation auf 1.547 Metern 98 Zentimeter Schnee zusammengekommen.

Durch Windverfrachtung und Setzung hat sich die Höhe der Schneedecke je nach Region sehr unterschiedlich entwickelt. Und die anhaltende Nordwestströmung hat zudem große Unterschiede in den Schneehöhen nördlich und südlich des Alpenhauptkamms zur Folge. So liegen am Galzig (2.079 Meter Seehöhe) am Arlberg derzeit rund 200 Zentimeter Schnee, auf der Villacher Alpe hingegen nur rund 20 Zentimeter (in 2117 Meter Seehöhe). Ein Beispiel von bewohnten Orten: Im Tiroler Hochfilzen (962 Meter) liegen derzeit rund 140 Zentimeter Schnee, in Mallnitz in Kärnten (1.197 Meter) nur 15 Zenitmeter.

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