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Chronik

Statistik Austria: Mit der Pandemie haben Geldsorgen deutlich zugenommen

Von nachrichten.at/apa   29. April 2021 12:45 Uhr

Stress, Angst, Geldsorgen: Was die Menschen plagt
Über Probleme zu reden hilft!

WIEN. Die Corona-Krise hat die Sorge der Bevölkerung vor finanziellen Problemen wachsen lassen.

Zwar waren laut Statistik Austria im Jahr 2020 nur 2,7 Prozent "erheblich materiell benachteiligt" - womit sich diese Zahl in den letzten zwölf Jahren halbiert hat, wie Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Donnerstag erklärte. "Mit der COVID-19-Pandemie haben die finanziellen Sorgen allerdings deutlich zugenommen", sagte er. Armutsgefährdet waren 2020 13,9 Prozent.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in dieser im 1. Halbjahr 2020 (März bis Juli) erhobenen Statistik ("European Union Statistics on Income and Living Conditions, EU-SILC") noch nicht enthalten. Allerdings zeigte sich bei den Erwartungen der Befragten (bezogen auf die nächsten zwölf Monate) eine pessimistischere Sicht als in den Vorjahren. Während 2018 und 2019 nur neun bzw. acht Prozent der Bevölkerung mit einer Verschlechterung rechneten, glaubten 2020 15 Prozent, dass sich ihre finanzielle Situation innerhalb des nächsten Jahres verschlechtern werde. Zudem sagten insgesamt 21 Prozent, dass ihr Haushaltseinkommen während der letzten zwölf Monate weniger geworden sei. Als Grund dafür wurde in 21 Prozent der Fälle Jobverlust oder Konkurs des eigenen Unternehmens genannt.

Knapp 14 Prozent armutsgefährdet

Laut den am Donnerstag von der Statistik Austria veröffentlichen Daten galten 2020 rund 1.222.000 Personen (bzw. 13,9 Prozent) der österreichischen Bevölkerung als armutsgefährdet. Dies trifft auf all jene zu, die ein relativ zum mittleren Einkommen gesehen niedriges Haushaltseinkommen hatten (weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens). 2,7 Prozent der Bevölkerung (233.000 Personen) waren "erheblich materiell benachteiligt" - das bedeutet, sie konnten sich mehrere "grundlegende Ausgaben zur Sicherung des Mindestlebensstandards" nicht leisten. Seit dem Beginn des Erhebungszeitraumes im Jahr 2008 hat sich dieser Armutsindikator um mehr als die Hälfte verringert (2008: 5,9 Prozent). Unter den unter 60-Jährigen wurde 2020 von 7,1 Prozent nur eine geringe Erwerbsintensität erreicht.

Im Vorjahr waren damit 17,5 Prozent der Bevölkerung von einem oder mehreren dieser Indikatoren betroffen und daher laut EU-Definition armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. 2019 waren es 16,9 Prozent. Zum Vergleich: der EU-Schnitt lag damals bei 21,4 Prozent (für 2020 liegen noch keine EU-Daten vor).

Mückstein besorgt

Sozial- und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) sprach von "besorgniserregenden" Zahlen. Er verwies darauf, dass in besonderem Ausmaß Alleinerziehende (31 Prozent), Familien mit drei oder mehr Kindern (30 Prozent), Menschen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft (35 Prozent) und Personen in Haushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität (56 Prozent) von Armutsgefährdung betroffen sind. "Rund 14 Prozent der ab 65-Jährigen sind mit Altersarmut konfrontiert, davon sind 67 Prozent Frauen", so der Minister in einer Aussendung.

"Die Bekämpfung von Armut ist mir ein großes Anliegen", betonte Mückstein. "Das ambitionierte Vorhaben der Bundesregierung ist es, die Zahl der armutsgefährdeten Menschen in Österreich zu halbieren. Dieses Ziel werden wir durch die COVID-19-Pandemie weder revidieren noch relativieren." Im Gegenteil müsse man jetzt die Anstrengungen zur Armutsvermeidung noch verstärken. Sein Haus arbeite intensiv an einer nationalen Strategie "Chancen gegen Armut". Auch verwies Mückstein auf eine bereits gesetzte "Reihe von Sofortmaßnahmen" zur Bekämpfung von COVID-19-bedingter Armut.

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