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Chronik

Pegelstände in Salzburg stabilisieren sich

Von nachrichten.at/apa   18. Juli 2021 16:49 Uhr

SALZBURG: UNWETTER - ZIVILSCHUTZALARM IN HALLEIN / AUFR?UMUNGSARBEITEN

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Bild 1/78 Bildergalerie: Hallein und Kufstein unter Wasser

HALLEIN/KUCHL/KUFSTEIN. Nachdem am Sonntagnachmittag die intensiven Regenschauer in Salzburg nachgelassen haben, haben sich auch die Pegelstände an der Salzach stabilisiert.

Wie der hydrografische Landesdienst mitteilte, stieg der Pegel im Oberlauf von Wald bis Bruck nicht mehr weiter und auch zwischen Golling und Oberndorf sank seit Mittag der Wasserstand.

Die Saalach zeigte ebenfalls von Weißbach bis Siezenheim durchgehend eine rückläufige Tendenz. Doch laut Wetterprognose ist noch immer punktuell vom Wolfgangsee über Hintersee und Abtenau bis nach Lofer mit kräftigen Regenschauern zu rechnen. Erst in der Nacht auf Montag kommt es laut Prognose der ZAMG zu einer Wetterberuhigung.

Sonntagvormittag hat es in Salzburg noch stark geregnet. Vor allem im Pinzgau und Tennengau gab es zahlreiche Gefahrenstellen. In Hallein, wo die Wassermassen aus dem Kothbach die Altstadt überflutet haben, blieb der Zivilschutzalarm aufrecht. Der Kothbach zog sich zwar in den Bachlauf zurück, doch in den Straßen der Keltenstadt hinterließ er Schlamm und Verwüstung. In den engen Gassen war das Wasser teils meterhoch gestanden. Feuerwehrleute und Freiwillige schaufelten Schlamm, Äste und Schwemmgut aus den Eingängen der Häuser in den betroffenen Straßen.

Video: Halleiner Altstadt überflutet

"Wir räumen die Verkehrswege frei, pumpen Keller aus und sind mit den Aufräumarbeiten in Hallein und Bad Dürrnberg beschäftigt", sagte der Halleiner Feuerwehrkommandant und Einsatzleiter Josef Tschematschar zur APA. Die Situation war auch am Sonntagvormittag angespannt. Eine Siedlung im Ortsteil Gamp wurde evakuiert, weil eine Stützmauer einzustürzen drohte. 30 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Der Halleiner Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) rief die Menschen dazu auf, die Aufräumarbeiten nicht zu behindern.

Auch in Zell am See wurde am frühen Sonntagabend aufgrund der Hochwasser führenden Salzach und der stark steigenden Pegel im Rückhaltebecken Zivilschutzalarm ausgelöst. Die Bevölkerung wurde von der Bezirkshauptmannschaft aufgefordert, in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich auch von den Dämmen der Fließgewässer fernzuhalten.

Bis zu 2.300 Feuerwehrleute waren in der Nacht und am Sonntag im Einsatz, berichtete das Land Salzburg. Experten des Katastrophenschutzes schätzten die Lage mit Überflügen aus der Luft ein, wo dies möglich war. Das Bundesheer war mit einem Erkundungstrupp vor Ort und entsandte Soldaten für einen Assistenzeinsatz nach Hallein.

Video: Aufräumen nach Wassermassen in Hallein

In Mittersill war die Brücke nach wie vor angehoben und eine Umfahrung eingerichtet. Die Pinzgauer Lokalbahn bei Uttendorf sowie die ÖBB-Strecke zwischen Bruck und Zell am See und der Zugverkehr zwischen Taxenbach und Lend, Golling und Werfen waren gesperrt, ebenso die Felbertauernstraße und die Salzachuferstraße in Bruck.

In der Kürsingerhütte in Neukirchen waren 35 Personen aufgrund eines Murenabgangs eingeschlossen, aber nicht in Gefahr. Sie sollten geborgen werden. Wildbachverbauungen und -sperren hatten ihre Funktion erfüllt und noch größere Schäden verhindert.

In Pfarrwerfen (Pongau) wurde ein Haus wegen instabilen Hanges evakuiert, sieben Personen wurden in Sicherheit gebracht. Das Trinkwasser in Kuchl war verunreinigt, weil Schmutzwasser ins Quellschutzgebiet eingedrungen war.

In Saalbach-Hinterglemm im Salzburger Pinzgau ist am Sonntagnachmittag eine Person in die Hochwasser führende Saalach gefallen und wurde von dem reißenden Fluss mitgerissen. Wie die Polizei bekannt gab, dürfte es sich dabei um einen Suizid gehandelt haben. Die Leiche wurde geborgen.

Murenabgänge in Tirol

Auch in Tirol forderte der starke Regen am Sonntag die Einsatzkräfte weiterhin. Zahlreiche Murenabgänge, überflutete Keller und Tiefgaragen waren die Folge der heftigen Niederschläge. Besonders betroffen war Kufstein, die Innenstadt stand "unter Wasser, wie wir es noch nie erlebt haben", berichtete Bürgermeister Martin Krumschnabel. Stellenweise regnete es in wenigen Stunden ähnlich viel oder sogar mehr als in einem durchschnittlichen gesamten Juli. Der Zivilschutzalarm wurde aber in der Früh aufgehoben. Vor allem in der Innenstadt standen Straßen, Keller und Garagen unter Wasser. Die Menschen wurden aufgerufen, nicht in die Stadt zu kommen.

Der Ort Kelchsau (Bezirk Kitzbühel) war in der Früh zudem wegen einer Mure abgeschnitten. Mehrere Bäche waren übergetreten. Weil in dem Ort am Abend ein Fest stattfand, waren somit rund 80 Menschen, die nicht in der Kelchsau wohnen, eingeschlossen. Im Laufe des Vormittages konnten sie aus der Ortschaft gebracht werden, berichtete die Polizei.

Video: ORF-Reporter Stefan Lindner berichtet von der Situation in Wörgl in Tirol

Vorarlberg weitestgehend verschont

In Wien gab es vom frühen Samstagvormittag bis Sonntag um 13.00 Uhr "1.200 Einsätze in Zusammenhang mit dem Starkregenereignis", berichtete Feuerwehrsprecher Jürgen Figerl. Das betraf vor allem Auspumparbeiten von Kellern, Tiefgaragen oder Unterführungen. Im Süden der Bundshauptstadt traten der Petersbach und der Liesingbach stellenweise über die Ufer. Laut Wiener Netze waren zudem insgesamt 6.650 Haushalte vorübergehend von Stromausfällen betroffen. In der Neuen Donau wurde von der Stadt ein Badeverbot erlassen.

In Niederösterreich hatte Starkregen zu zahlreichen Feuerwehreinsätze im Bezirk Amstetten geführt. In Ferschnitz und Neuhofen wurde Zivilschutzalarm ausgelöst. Beide Gemeinden liegen an der Ybbs. Laut Landeswarnzentrale waren beide Orte vom Hochwasser umschlossen, Bäche und kleinere Flüsse über die Ufer getreten. Der Pegelstand der Donau erreichte am Sonntag im Bezirk Krems die Hochwasserwarnstufe.

Vorarlberg blieb von den Folgen der starken Regenfälle indes weitgehend verschont. In Dornbirn ging ein Bach aufgrund von Verklausungen über das Ufer und eine Häuserzeile wurde überschwemmt. In den Wohnanlagen mussten Keller und Tiefgaragen ausgepumpt werden. Im Vergleich zum Nordalpenbereich blieben die Niederschläge auch in der Obersteiermark moderat - wegen Starkregens waren von den Feuerwehren nur rund 16 Einsätze in den Bezirken Liezen und Bruck-Mürzzuschlag zu bewältigen. Laut Landesfeuerwehrverband traten Bäche über die Ufer, Keller wurden überflutet, Straßen waren freizuräumen.

Besserung am Montag in Sicht

Die Regenfront war von Norden her an den Alpen hängen geblieben und sorgte vor allem dort für extrem große Niederschlagsmengen. Stellenweise regnete es in wenigen Stunden ähnlich viel oder sogar mehr als in einem durchschnittlichen gesamten Juli, hieß es von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gegenüber der APA. Am Sonntag seien bis in den Abend hinein noch stellenweise kräftige Regenschauer möglich. Ab Montag verläuft das Wetter dann deutlich ruhiger. Es seien nur noch einzelne Schauer zu erwarten. Großflächiger Starkregen ist in der kommenden Woche laut ZAMG nicht in Sicht.

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Regierung will Wiederaufbau unterstützen

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sagten den Geschädigte des Hochwassers Hilfe aus dem Katastrophenfonds zu. "Die Bilder aus Teilen Österreichs und besonders aus Hallein oder dem Tiroler Unterland machen betroffen und schockiert. Wir werden als Bundesregierung alles in unserer Macht stehende tun, um den Betroffenen vor Ort zu helfen", so Kurz in einem Statement gegenüber der APA. "Die Unwetter haben schon jetzt große Schäden hinterlassen und wir als Bundesregierung werden gemeinsam mit den Bundesländern die betroffenen Gemeinden und geschädigten Haushalte beim Wiederaufbau unterstützen", unterstrich Kogler.

Das Innenministerium bot indes die 18 Hubschrauber der Flugpolizei für den Katastropheneinsatz in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten an. Die Hubschrauber könnten für Transportflüge sowie für Erkundungsflüge eingesetzt, des Weiteren im Bedarfsfall auch für die Evakuierung von Menschen. "Die Situation erfordert einmal mehr das Zusammenwirken aller Blaulichtorganisationen. Diese Partnerschaft ist oftmals geübt und bereits vielfach praktiziert worden", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) in einer weiteren Stellungnahme gegenüber der APA.

Auch SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner bedankte sich bei den zahlreichen Einsatzkräften für ihren Einsatz: "Die Organisationen, sei es die Feuerwehr, das Bundesheer, Rettungs- und Katastrophenschutzorganisationen, aber auch vor allem die vielen Freiwilligen, wie die Freiwillige Feuerwehr, leisten - teilweise unter Einsatz ihres Lebens - unverzichtbare Arbeit. Ihnen gebührt immer, aber vor allem an Tagen wie diesen, unser besonderer Dank!", so Rendi-Wagner

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