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Chronik

Schutzausrüstung: Erste Großlieferungen erwartet

Von nachrichten.at/apa   26. März 2020 16:37 Uhr

Handschuhe und Schutzmasken sollen bald eintreffen. 

WIEN. In Österreich werden ab Donnerstag mehrere Großlieferungen an dringend benötigter Schutzausrüstung eintreffen.

Das kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) an. Außerdem betonte er, dass er die Krankenhäuser für die nächsten Wochen der Pandemie - etwa bei der Bettenkapazität - gut gerüstet sieht. Derzeit hält Österreich bei 42 Todesfällen aufgrund Covid-19.

Die Erkranktenzahl lag Donnerstagfrüh bei 6.001. Derzeit seien 547 Personen hospitalisiert, 96 auf der Intensivstation. Bei 87 Prozent gebe es einen sehr milden Krankheitsverlauf. 112 Menschen sind in Österreich bisher als Genesen registriert, hier funktioniere das Meldesystem aber noch nicht zu 100 Prozent, sagte Anschober bei einer Pressekonferenz.

Bisher wurden knapp 36.000 Tests durchgeführt. Anschober kündigte erneut eine Steigerung an. 15.000 Tests täglich sind das Ziel, wann dieser Wert erreicht werden soll, konnte der Gesundheitsminister nicht beantworten. Dies hänge von der Marktsituation und vom Weltmarkt ab. Es werde jedenfalls "Tag für Tag nachjustiert", sagte der Gesundheitsminister.

Tests werden "extrem hochgefahren"

Die Testanzahl werde derzeit "extrem hochgefahren", es gehe um wenige Tage bis Wochen bis zum Zielwert, sagte Virologe Herwig Kollaritsch. Derzeit gebe es noch "mehrere Flaschenhälse, es wird alles systematisch nachgebessert", betonte der Experte. Im Vordergrund steht für ihn derzeit, frische Infektionen zu erkennen. Symptomlose Menschen mittels einen direkten Erregernachweis (Polymerase-Kettenreaktion, PCR) aus Schleimhautabstrichen beziehungsweise respiratorischen Sekreten zu testen, sei hingegen sinnlos.

Generell gehe es darum, beim Zuwachs der Infizierten nicht die Gesamtkapazität der Spitäler zu übersteigen. Genau das habe in Teilen Spaniens und Italiens nicht funktioniert, so der Gesundheitsminister. Es sei eine Stärke der österreichischen Strategie, dass sehr viele Patienten zu Hause bleiben können. Anschober erinnerte an bereits gesetzte Schritte, um das Gesundheitssystem leistungsfähig zu halten: Man habe mit den jüngsten Parlamentsbeschlüssen das Ärztegesetz geändert, was Laboruntersuchungen auch ohne Ärzte, vor allem aber auch den Einsatz von Turnusärzten, pensionierten Medizinern und von Fachärzten in anderen Bereichen ermöglicht habe. "Damit gibt es mehr Spielraum in Spitälern", sagte Anschober.

"Bund muss die Voraussetzungen schaffen"

Laut Gesundheitsministerium sollen die täglichen Kapazitäten von Corona-Tests auf 15.000 ausgeweitet werden. Für Oberösterreich würde das eine Verdoppelung der vorhergesehenen Testkapazitäten bedeuten. Denn in Oberösterreich werden zurzeit täglich mehr als 600 Personen auf den Corona-Virus getestet, in einem schrittweisen Ausbauplan ist vorgesehen, die Kapazitäten in Oberösterreich auf 1.200 zu erhöhen. Wenn österreichweit täglich 15.000 Tests gemacht werden sollen, dann würde das nach dem Bevölkerungsschlüssel bedeuten, dass davon rund 2.400 auf Oberösterreich fallen würden. Also doppelt so viel wie der derzeitige Ausbauplan mit 1.200 Tests vorsieht.

"Ich bin auch der Meinung, dass wir so viel wie nur möglich testen sollten, um die Ausbreitung des Corona-Virus effektiv zu bekämpfen. Aber dafür muss auch der Nachschub der Testmaterialen – also Abnahme- und Testkits, aber auch Schutzausrüstung – seitens des Gesundheitsministeriums gesichert sein. Wir Länder bereiten uns auf alles vor, was in unserer Macht steht. Für alles andere muss der Bund die Voraussetzungen schaffen", sagte der Vorsitzende der Landeshauptleute-Konferenz Thomas Stelzer am Donnerstag.    

Elf Millionen Handschuhe bis Freitag

Und man habe erste Erfolge in der Beschaffung von Schutzausrüstung verzeichnen können. Elf Millionen Handschuhe sollen am Freitag eintreffen, am Samstag eine Großlieferung Masken, am Montag Schutzanzüge, so der Minister: "Wir sind sehr intensiv in diesem Bereich unterwegs, um den Schutz noch deutlich zu stärken."

Für Aufregung sorgten am Mittwoch unterdessen die Arbeitsbedingungen bei der Gesundheitshotline 1450 in Wien. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beklagten, dass es etwa zu wenige Headsets gegeben habe, auch die Reinigung oder die Desinfektionsmaßnahmen seien nicht im nötigen Ausmaß erfolgt, hieß es in medial geäußerten Vorwürfen. Ein 1450-Sprecher gestand Schwierigkeiten zum Auftakt ein.

In Tirol verlängerte das Land die Verordnungen, mit denen die Tiroler Skiorte im Paznaun, St. Anton, St. Christoph und Sölden komplett isoliert wurden. Die Orte werden bis 13. April - bis zum eventuellen Ende der De-facto-Ausgangssperre - unter Quarantäne stehen, sagte LH Günther Platter (ÖVP) bei einer Videopressekonferenz. Damit stehe die Maßnahme im "Gleichklang" mit den österreichweiten Ausgangssperren (Mehr dazu hier).

Sperre von Heiligenblut wird aufgehoben

Für kommenden Montag, 00.01 Uhr, ist unterdessen geplant, die Sperre der Gemeinde Heiligenblut in Kärnten wieder aufzuheben. Bis dahin gilt noch die Quarantäne. Nachdem zwei Coronavirus-Erkrankungen im Dorf festgestellt worden waren, hatten die Behörden vor zwei Wochen kurzfristig beschlossen, die Gemeinde abzuriegeln. In der Zwischenzeit sind in dem Ort keine neuen Erkrankungen mehr gemeldet worden, teilte das Land Kärnten mit.

Die Verbände der Energiewirtschaft sicherten am Donnerstag in einer freiwilligen Vereinbarung zu, dass Haushaltskunden und kleinen Firmenkunden Strom, Gas oder Wärme bei Zahlungsverzug durch die Corona-Krise nicht abgeschaltet wird. Die Regelung gilt vorerst bis 1. Mai (Mehr dazu hier)

Schutzausrüstung für Bergretter

Die ÖAMTC-Flugrettung stellt der Österreichischen Bergrettung Schutzausrüstung zur Verfügung. Wandern und Bergsteigen ist durch die gültigen Ausgangsbeschränkungen derzeit untersagt, dennoch halten sich nicht alle daran und die Bergretter müssen immer wieder zu Einsätzen ausrücken. Deshalb wurden in den vergangenen Tagen Atemschutzmasken aus dem Bestand der Christophorus-Flotte an die Bergrettung übergeben. "Da die ÖAMTC-Flugrettung im Augenblick über ausreichend Atemschutzmasken verfügt, war für uns sofort klar, dass wir hier unterstützen", sagte Reinhard Kraxner, Geschäftsführer der ÖAMTC-Flugrettung.

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