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Chronik

Rätselhafter Hungertod von Mutter und Zwillingstöchtern

Von nachrichten.at/apa   23. Mai 2019 12:35 Uhr

WIEN. Eine Mutter (45) und ihre Zwillingstöchter (18) sind laut Gerichtsmedizin in ihrer Wohnung in einem Gemeindebau in Wien-Floridsdorf verhungert.

Der Tod ist bereits Ende März oder Anfang April eingetreten, entdeckt wurden die Toten erst am vergangenen Dienstag.

"Eine gerichtliche Obduktion wurde durchgeführt. Nach aktuellem Stand kann von einem Tod durch Verhungern ausgegangen werden", berichtete Polizeisprecher Patrick Maierhofer. "Eine erste toxikologische Untersuchung ergab keine Spuren einer Vergiftung. Detailuntersuchungen werden in den kommenden Wochen noch durchgeführt."

Ein Gewaltverbrechen hatten die Ermittler des Landeskriminalamtes schnell ausgeschlossen: Es gab keine Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen, und keine der Leichen wies Spuren äußerlichen Gewalt auf. Ebenso wenig besteht der Verdacht, dass alle drei Frauen oder aber die beiden 18-Jährigen in der Wohnung eingesperrt gewesen wären, hieß es am Donnerstag auf APA-Anfrage.

Die Obduktion ergab Tod durch Verhungern:

Vieles deutete daraufhin, dass die Tragödie in der Wohnung in der Werndlgasse mit einer psychischen Erkrankung der Mutter zusammenhängen dürfte. Schon vor Jahren soll bei der Frau, die sich mehrmals ins Frauenhaus geflüchtet hatte, die Diagnose gestellt worden sein. Ob bzw. wie das zu einem offenbar freiwilligen Verhungern auch der 18-Jährigen geführt haben könnte, blieb zunächst unbeantwortet. Die Polizei machte aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes der Verstorbenen und aus Rücksicht auf Angehörige keinerlei Angaben zu solchen persönlichen Details, bzw. sind wohl auch für die Ermittler viele Fragen offen. "Nicht immer lässt sich alles restlos aufklären", hieß es. Es sehe aber aus, "als wenn das beabsichtigt gewesen, freiwillig gemacht oder in Kauf genommen worden wäre".

Es sei bisher kein Motiv eruierbar und es gebe keine Abschiedsbriefe, sagte Maierhofer. Die Ermittler hätten in der Wohnung auch keine Lebensmittel finden können.

Die Familie habe isoliert gelebt. "Sie hatten wenig soziale Kontakte", auch nicht zu den Nachbarn in der großen Wohnhausanlage mit hunderten Bewohnern. Entsprechend wenige Informationen erhielt die Polizei bisher aus dem Umfeld. Die Wohnung hätten Mutter und Töchter "immer nur gemeinsam" verlassen, sagte Maierhofer.

"Es waren schüchterne Kinder, ruhige Mädchen in der Pubertät", beschrieb Andrea Friemel von der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) die Zwillinge gegenüber der APA. In der Schule seien sie als Integrationskinder geführt worden. Im Herbst 2016, nicht mehr schulpflichtig, wurden die Jugendlichen von der Schule abgemeldet. Im Dezember kam die Familie daraufhin in Kontakt mit der Behörde. Ehrenamtliche Betreuer aus einem Mentorenprojekt schalteten das Jugendamt ein. Die "Abklärung der Situation" endete im März 2017, ohne dass die Mag Elf ab diesem Zeitpunkt noch eine Notwendigkeit für weitere Maßnahmen gesehen hätte.

"Es gab nichts in der Eigenwahrnehmung der Kolleginnen", betonte Friemel. Wohl habe bei den Teenagern eine "Entwicklungsverzögerung" vorgelegen, "die je älter die Kinder sind immer augenscheinlicher wird". Über eine schwerere Beeinträchtigung geistiger oder physischer Art finde sich aber nichts in den Unterlagen. Die Zwillinge dürften demnach zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht hilflos gewesen sein. "Wäre so etwas wahrgenommen worden, hätte es automatisch mehr an Unterstützung, auch finanzieller Natur, gegeben." Die alleinerziehende Mutter hätten "finanzielle Themen" augenscheinlich bedrückt.

Die Einschätzung des Jugendamts beziehe sich auf die Situation von vor zwei Jahren, betonte Friemel. Sie sei sehr bestürzt über den Tod der drei Frauen und habe keine Erklärung. "Es ist seither nichts mehr gemeldet worden", weder von offiziellen Stellen, noch aus dem Umfeld oder von Verwandten.

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