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Chronik

Nach neun mutmaßlichen Morden an Frauen tagt heute ein Sicherheitsgipfel

03. Mai 2021 15:56 Uhr

Nach neun mutmaßlichen Morden an Frauen tagt heute ein Sicherheitsgipfel
Die Schusswaffe wurde im Innenhof des Gemeindebaus in Wien-Brigittenau gefunden.

WIEN/STEYR. Ein Maßnahmenpaket zum Schutz von Frauen und Mädchen wird erarbeitet.

Die Serie von Frauenmorden begann heuer am 17. Jänner in Aschach an der Steyr. Ein Verwandter fand im Schlafzimmer die Leiche einer 72-jährigen Frau. Sie wies schwere Kopfverletzungen und etliche Stichwunden auf. Als Tatverdächtiger wurde ihr 74-jähriger Ehemann verhaftet. Er gestand, seine Gattin mit einem Hammer und einem Küchenmesser getötet zu haben.

"Jahrelanger Hass" auf seine Frau habe ihn dazu getrieben, gab der Beschuldigte zu Protokoll. Inzwischen sei gegen den 74-Jährigen Anklage wegen Mordes erhoben worden, teilte gestern der Steyrer Staatsanwalt Andreas Pechatschek den OÖN mit. Der Prozesstermin stehe noch nicht fest.

Er sei als Vater zweier Töchter "traurig und wütend", betonte gestern Sozialminister Wolfgang Mückstein von den Grünen. Man müsse "bei Männern ansetzen, bevor es zu Gewalt kommt", Opferschutz müsse "oberste Priorität" haben. Der Minister will eine Kampagne gegen Männergewalt starten. Nachdem am Donnerstagabend im Wiener Bezirk Brigittenau die neunte Frau in diesem Jahr mutmaßlich durch die Gewalt ihres Partners bzw. ihres Ex-Lebensgefährten ums Leben gebracht worden ist.

Wie Wiener Medien berichteten, handelt es sich beim 42-jährigen Tatverdächtigen um jenen als "Bierwirt" bekannten Mann, der der grünen Abgeordneten Sigrid Mauer obszöne Facebook-Nachrichten geschickt haben soll und Maurer dann wegen übler Nachrede geklagt hatte. Dass es sich beim Verdächtigen in der Brigittenau "offenbar um den Bierwirt handelt, ist in der Sache aber unerheblich", betonte die Klubobfrau der Grünen via Twitter. Das Problem sei Frauenverachtung und die Unfähigkeit, "Konflikte gewaltfrei zu lösen". Es gehe darum, "gefährliche Männlichkeitsbilder zu brechen", sagte Maurer.

Es war am Donnerstag gegen 20 Uhr im Winarskyhof in Wien. Eine 35-Jährige befand sich in ihrer Wohnung, ein Nachbar war zu Besuch. Doch plötzlich tauchte der 42-jährige Ex-Freund auf und es fielen Schüsse. Notrufe gingen bei der Polizei ein. Zum Glück waren die beiden Kinder der zweifachen Mutter zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause.

Aussage verweigert

Die in den Kopf geschossene 35-Jährige erlag im Spital ihren Verletzungen. Der stark alkoholisierte Tatverdächtige wurde im Innenhof festgenommen. Er war erst viele Stunden später vernehmungsfähig, machte aber von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Woher der Vorbestrafte die Schusswaffe hatte, sei Gegenstand von Ermittlungen, so die Wiener Polizei. Der Fall sei ein "Verschlussakt", sagte eine Sprecherin der Exekutive gestern.

Die Staatsanwaltschaft Wien informierte, dass der 35-Jährige inzwischen in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert worden sei. Die Anklagebehörde stellte einen Antrag auf U-Haft wegen dringenden Mordverdachts. Das Landesgericht Wien müsse nun darüber entscheiden. Noch am Freitagabend kündigte das Innenministerium für heute einen Sicherheitsgipfel an.

Fallkonferenzen sind Thema

Dabei soll ein Maßnahmenpaket zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt geschlossen werden. Frauenministerin Susanne Raab (VP) und Innenminister Karl Nehammer wollen zusammen mit den neun Landespolizeidirektoren und den Chefs der Landeskriminalämter in allen Bundesländern die sogenannten Fallkonferenzen wieder intensivieren.

Damit sollen wichtige Erkenntnisse, etwa über Wegweisungen und Betretungsverbote gewonnen werden, bevor es zu einem Tötungsdelikt kommt. Es sei ein "Leitfaden" für die "standardisierte Abwicklung" der Fallkonferenzen entwickelt worden. Es sei aber ein "gesamtgesellschaftlicher Ansatz" notwendig, "um von Gewalt betroffene Frauen zu ermutigen, die Polizei zu rufen", sagte Nehammer. Es gebe Zufluchtsorte "für jede Frau, die von Gewalt betroffen ist. Sie müssen nicht alleine damit zurechtkommen", sagte Ministerin Raab.

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