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Chronik

Mutter vor den Augen ihrer Kinder mit 38 Messerstichen getötet

Von René Laglstorfer und Hannes Fehringer   09. Januar 2019 19:59 Uhr

Vierfache Mutter in Amstetten erstochen
In Greinsfurth, einem Ortsteil von Amstetten, ist am Dienstag eine 40 Jahre alte Frau erstochen worden. Als Tatverdächtiger gilt der 37-jährige Ehemann des Opfers. 

AMSTETTEN. Über die Bluttat in Greinsfurth, einem Stadtteil von Amstetten, wo ein Ehemann am Dienstagnachmittag seine Frau erstochen haben soll, sind am Mittwoch weitere grausame Details bekannt geworden.

Bestürzung und Fassungslosigkeit sind im niederösterreichischen Mostviertel weiterhin groß. Ein 37-jähriger Österreicher mit türkischen Wurzeln soll am Montag seine 40-jährige österreichische Ehefrau Aurelia S., die zum Islam konvertiert war, mit mehreren Messerstichen ermordet haben. 

37 oder 38 Mal habe der Mann auf seine Frau eingestochen, sagte Karl Wurzer von der Staatsanwaltschaft St. Pölten am Mittwochnachmittag. Die Anklagebehörde habe ein neurologisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben, bestätigte der Sprecher am Mittwochabend.

Der Sachverständige soll die Zurechnungsfähigkeit des 37-jährigen Verdächtigen klären sowie die Frage, ob eine geistige oder seelische Abartigkeit höheren Grades vorliege. Der Mann wurde in die Justizanstalt St. Pölten eingeliefert, die Staatsanwaltschaft hat die U-Haft beantragt.

Video:

Mutter vor den Augen der Kinder getötet

Dem Beziehungsdrama war ein heftiger Streit in dem Mehrparteienhaus im Amstettner Stadtteil Greinsfurth vorangegangen. Nicht die erste gewalttätige Auseinandersetzung, wie Nachbarn sagen. Der beschäftigungslose 37-Jährige sei in der Vergangenheit unter anderem wegen seiner "religiös motivierten Tätigkeiten" vom Verfassungsschutz überprüft worden, teilte Polizeisprecher Johann Baumschlager mit. Der Mann sei "im Fokus" gestanden und "durchleuchtet" worden. Es sei jedoch "kein strafrechtlich relevanter Tatbestand festgestellt" worden.

In der Küche der Erdgeschoßwohnung soll der 37-Jährige am Montagnachmittag vor den Augen der gemeinsamen Kinder (drei Kinder im Alter zwischen rund 15 Monaten und im Volksschulalter leben noch zuhause, während der 19-jährige Sohn bereits ausgezogen ist) plötzlich begonnen haben, zwei Mal mit einem Messer auf den Bauch- und den Brustbereich seiner Frau einzustechen, sagt Anton Ebner, der bis vor kurzem Kommunalpolitiker in dem Stadtteil war.

Die Verletzte versuchte noch zu flüchten, doch ihr Mann verfolgte sie und dürfte bei der Haustür erneut zugestochen haben. Eines der vier Kinder soll sich schützend auf seine Mutter gelegt haben. Der Täter ließ sein Opfer blutüberströmt liegen, legte das Messer auf den Briefkasten und verschanzte sich in der Wohnung. 

„Er machte den Kindern Angst“

Die Nachbarn verständigten um 13.46 Uhr den Notruf, nachdem sie laute Hilferufe gehört hatten. Ein Großeinsatz der Rettungskräfte war die Folge. Der Notarzt brachte die 40-jährige Einheimische, die ein Kopftuch trug, in das Klinikum Amstetten-Mauer, wo sie ihren schweren Verletzungen erlag.

„Wir mussten das gesamte Wohnhaus evakuieren. Auch die Verhandlungsgruppe und die Cobra standen im Einsatz“, sagt Johann Baumschlager von der Polizei. Gegen 15 Uhr schafften es die Verhandler der Polizei, Kontakt mit dem Täter aufzunehmen. Um 15.37 Uhr stürmte die Cobra die Wohnung im Erdgeschoß und verhaftete den 37-Jährigen. „Die Festnahme ging unblutig über die Bühne“, sagt Baumschlager.

Die Familie war vor sechs Jahren von Gresten (Bezirk Scheibbs) nach Amstetten gezogen. Der Vollbart tragende Mann mit rasierter Oberlippe galt als Sonderling und religiöser Fanatiker, der bereits unter Beobachtung des Verfassungsschutzes gestanden sein soll. Mit einem Kassettenrekorder, aus dem orientalische Musik drang, versuchte der aggressive Mann wiederholt seine Nachbarn zu überzeugen, zum Islam zu konvertieren, auch am Spielplatz. „Er machte den Kindern Angst und hatte ein ungutes Auftreten“, sagt Nachbar Peter Rausch.

Einvernahme schwierig

Die Einvernahme des mutmaßlichen Mörders gestaltete sich laut Polizei schwierig. „Er kooperiert überhaupt nicht und redet nicht mit uns“, sagt Baumschlager. "Aufgrund des Tatablaufes" gehe die Ermittler "von einer reinen Beziehungstat" aus. Nähere Angaben dazu wurden nicht gemacht.

Über frühere Gewalttaten des Beschuldigten an seiner Ehefrau oder an den Kindern lagen der Exekutive keine Informationen vor. Der 37-Jährige wurde in die Justizanstalt St. Pölten eingeliefert. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion des Opfers zur genauen Feststellung der Todesursache und der Anzahl der Stiche angeordnet. Karl Wurzer, Sprecher der Anklagebehörde, teilte zudem mit, dass die Verhängung der U-Haft über den Beschuldigten beantragt wurde.

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