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Chronik

Alpinisten Lama und Auer starben bei Abstieg

Von nachrichten.at/apa   23. April 2019

MONTREAL. Die Leichen der drei bei einem Lawinenunglück im Westen Kanadas ums Leben gekommenen Spitzen-Alpinisten, die seit Dienstag vermisst worden waren, sind am Sonntag gefunden worden.

Die beiden Tiroler Extrem-Bergsteiger David Lama (28) und Hansjörg Auer (35) sind tot. Sie sind wie befürchtet gemeinsam mit ihrem US-Kollegen Jess Roskelley (36) bei einem Lawinenunglück im Banff-Nationalpark in den kanadischen Rocky Mountains ums Leben gekommen. Ihre Leichen wurden am Sonntag (Ortszeit) geborgen, die Identität der getöteten Alpinisten wurde bestätigt.

Lama und Auer sind während des Abstiegs vom Berg Howse gestorben. Zuvor hätten die beiden Tiroler Extrembergsteiger und der US-Amerikaner den Gipfel erreicht, erklärte am Montag ein Vertreter der kanadischen Nationalparkbehörde. Obwohl es nur begrenzte Informationen gebe, habe die Familie von Roskelley bestätigt, dass die drei den Gipfel erreicht hätten, hieß es seitens der kanadischen Nationalparkbehörde. Die Männer seien dabei gewesen, über die Ostwand des Berges abzusteigen, als das Unglück geschehen sei, erklärte der Behördenvertreter Brian Webster. Sie hätten sich gerade abgeseilt, als sich die Lawine gelöst habe.

Die drei Alpinisten hatten den Howse am Morgen des 16. April bestiegen. Noch am selben Tag kam es zu dem Unglück. Nach Angaben Websters hatten die Bergsteiger keine Markierungsausrüstung bei sich, um sie im Falle eines Lawinenabgangs möglichst rasch bergen zu können. Zudem hätten die sehr schlechten Wetterbedingungen und die anhaltende Lawinengefahr die Suche verzögert.

Die Suche habe am 17. April begonnen. Dabei seien Ausrüstungsgegenstände der vermissten Alpinisten gefunden worden. Die Leichen seien dann mit Hilfe eines Lawinenhundes am 21. April entdeckt worden, so Webster.

Das Trio galt seit vergangenem Dienstag als vermisst. Die drei anerkannten Ausnahme-Alpinisten wollten den 3.295 Meter hohen Howse Peak über eine sehr schwierige Route an der Ostseite des Berges besteigen. Eine Lawine begrub die drei Männer unter sich. Nachdem das Trio als vermisst gemeldet worden war, suchten Rettungskräfte das Gebiet aus der Luft ab. Der Rettungseinsatz musste zwischenzeitlich wegen schlechten Wetters und der Gefahr weiterer Lawinenabgänge unterbrochen werden. Nach dem Fund von Kletterausrüstung gingen die Behörden schon am Freitag vom Tod der Alpinisten aus.

"Das waren die Besten der Besten"

Der zunächst vermutete und nun bestätigte Tod der Bergsteiger löste in der Kletterszene und weltweit Bestürzung aus. Die Bergsteigerlegenden Peter Habeler und Reinhold Messner zeigten sich tief betroffen und würdigten die Leistungen von Lama und Auer. "Schlimm, schlimm, schlimm. Das waren die Besten der Besten. Überflieger im positiven Sinn", sagte etwa Habeler. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprachen den Familien ihr Beileid aus.

Video: Das sagte Extrembergsteiger Reinhold Messner über die Tiroler Alpinisten.

 

Die Familien selbst äußerten sich schon am Freitag über Internet-Postings zum Unglück. "David lebte für die Berge und seine Leidenschaft für das Klettern und Bergsteigen hat uns als Familie geprägt und begleitet. Er folgte stets seinem Weg und lebte seinen Traum. Das nun Geschehene werden wir als Teil davon akzeptieren", schrieben etwa Lamas Eltern. Weitere Statements gab es am Montag nicht mehr. "Was zu sagen ist, ist gesagt", so Lamas Manager Florian Klingler.

 

Wann die Überstellung der Leichname der beiden Tiroler nach Österreich erfolgen wird, stand vorerst nicht fest. Die Handhabung der Überführung werde auch von den Wünschen der Angehörigen abhängen, sagte Außenministeriums-Sprecher Peter Guschlbauer. Die Botschaft werde den Familien selbstverständlich jede notwendige bzw. gewünschte Hilfestellung leisten.

Ausnahmetalent der Alpinisten- und Klettererszene

David Lama galt als Ausnahmetalent der Alpinisten- und Klettererszene. Einer seiner größten Erfolge war die erste Begehung der Kompressor-Route am Cerro Torre (Patagonien) mit Peter Ortner im freien Kletterstil im Jahr 2012. Im vergangenen Herbst gelang ihm die Erstbesteigung des 6.895 Meter hohen Lunag Ri in Nepal über den Westpfeiler im Alleingang. Der Ötztaler Hansjörg Auer wurde vor allem durch seine Free Solo-Klettertouren bekannt - das heißt die Begehung einer Kletterroute im Alleingang unter Verzicht auf technische Hilfs- und Sicherungsmittel. Im April 2017 kletterte Auer etwa die 37 Seillängen und 1.220 Meter lange Route "Weg durch den Fisch" (Schwierigkeitsgrad 7b+) in den Dolomiten auf diese Weise.

Der 36-jährige Jess Roskelley war der Sohn des bekannten US-Bergsteigers John Roskelley. Beide hatten 2003 gemeinsam den Mount Everest bestiegen. Zu diesem Zeitpunkt war Jess Roskelley 20 Jahre alt und damit der jüngste US-Bergsteiger, der den höchsten Berg der Welt bezwang.

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