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Chronik

Prozess nach Fünffachmord in Kitzbühel: Lebenslänglich für 26-Jährigen

Von OÖN, APA   12. August 2020 19:10 Uhr

Kitzbühel
Andreas E. zu Prozessbeginn in der vergangenen Woche im Landesgericht Innsbruck.

INNSBRUCK. Nach dem mutmaßlichen Fünffachmord in Kitzbühel wurde der 26-jährige Tiroler Andreas E. heute vor dem Geschworenengericht in Innsbruck zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Einheimische soll seine 19-jährige ehemalige Lebensgefährtin, ihre Eltern (Vater 59, Mutter 51), ihren Bruder (23) und einen Freund (24) der 19-Jährigen im Wohnhaus der Familie erschossen haben.Zu Beginn der Verhandlung bekannte sich der 26-Jährige schuldig im Sinne der Anklage. Fragen zur Tat selbst wollte der Beschuldigte aber nicht beantworten.

Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig. Der Wahrspruch der Geschworenen fiel einstimmig aus. Der 26-Jährige hatte sich zu Prozessbeginn schuldig bekannt. Hintergrund der Tat soll die Beendigung der mehrjährigen Beziehung durch die 19-Jährige im Juli 2019 gewesen sein. Nach der Tat stellte sich der Angeklagte. Er fuhr zur Polizeiinspektion Kitzbühel, übergab dort den Beamten die Tatwaffe und erklärte, dass er soeben fünf Menschen getötet habe. Laut der Psychiaterin Adelheid Kastner war der Angeklagte zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig. Auch eine alkoholbedingte Beeinträchtigung konnte laut Kastner ausgeschlossen werden. Der Angeklagte nahm sich drei Tage Bedenkzeit. 

"Flo bezahlte seine Hilfsbereitschaft mit dem Leben"
Florian Janny mit seiner Freundin Marlene. Die beiden waren seit der Hauptschule ein Paar.

"Ich hatte einen Tunnelblick"

Der 26-Jährige schilderte vor Gericht die Nacht vor der Tat, wie er in dem Nachtlokal auf seine ehemalige Freundin getroffen war und dass er ein Gespräch mit ihr geführt hatte. Auch, dass er vor der Tat bereits zwei Mal beim Haus der 19-Jährigen und ihrer Eltern war und dort mit ihr selbst und ihrem Vater gesprochen hatte, erzählte der Beschuldigte.

Dann habe er die Waffe seines Bruders geholt und sei ein drittes Mal zum Haus der Opfer gefahren. "Mehr will ich dazu jetzt nicht mehr sagen", meinte der 26-Jährige mit brüchiger Stimme.

Warum es zu der Tat kam und warum er die gesamte Familie erschossen hatte, könne er sich selbst nicht erklären. "Es hat niemand verdient, dass man ihn umbringt", sagte der Angeklagte unter Tränen. Er würde sich wünschen, dass ihn jemand aufgehalten hätte in jener Nacht, beteuerte der Kitzbüheler.

Prozess Fünffachmord
Großes Medieninteresse beim Prozessbeginn

 

Enthemmt, aber zurechnungsfähig

Die Untersuchungen der Polizei, insbesondere die Spurenauswertung, bestätigten das Geständnis des jungen Mannes, sagte die Staatsanwältin in ihrem Eröffnungsplädoyer. Laut einem psychiatrischen Gutachten war der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat allenfalls alkoholbedingt enthemmt, aber zurechnungsfähig. Er soll zum Tatzeitpunkt zwischen 0,6 und 1,65 Promille gehabt haben, erklärte die Staatsanwältin.

Es sei eine "außergewöhnliche Tat", meinte die Verteidigerin in ihrem Eröffnungsplädoyer. Anders als von den Medien dargestellt, handle es sich aber nicht um eine reine Tat aus Eifersucht. "Es ist viel komplexer", sagte die Rechtsanwältin. Ihr Mandant sei sehr wohlbehütet aufgewachsen. Trotzdem habe er nie gelernt seine emotionalen Bedürfnisse zu artikulieren. Er habe einen großen Wunsch nach Stabilität gehabt, zitierte die Verteidigern aus dem psychiatrischen Gutachten.

In der Nacht vor der Tat sei es dann schließlich in einem Nachtclub zu dem schicksalhaften Aufeinandertreffen zwischen der 19-Jährigen und dem Angeklagten gekommen. Er habe sie zurückgewinnen wollen, sie wollte jedoch nicht. "Er fühlte sich von seiner ehemaligen Freundin und ihrer Familie verraten und abgewiesen", sagte die Verteidigerin.

  • Video: 26-Jähriger wegen fünffachen Mordes in Kitzbühel zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt:

Der Beschuldigte soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft Innsbruck am Sonntag, 6. Oktober 2019, gegen 5.30 Uhr in der Früh zum Elternhaus seiner Ex-Freundin gegangen sein und dort zunächst ihren Vater (59), ihre Mutter (51) und ihren Bruder (23) erschossen haben.

Danach kletterte er vom Erdgeschoß über den Balkon ins Obergeschoß, wo seine Ex-Freundin eine eigene Wohnung hatte. Dort soll er mit einem Baseballschläger die Scheiben eingeschlagen und die 19-Jährige und deren Bekannten, den aus Gmunden stammenden Eishockey-Profi Florian Janny (24), der früher für die Linzer Black Wings spielte, erschossen haben. Kurz vor sechs Uhr früh tauchte E. bei der Polizeiinspektion Kitzbühel auf, wo er die Pistole und den Baseballschläger mit den Worten präsentierte: "Ich habe gerade fünf Menschen erschossen."

Wie die Ermittlungen zeigten, war der Angeklagte bereits am Samstagabend mit seiner Ex-Freundin, die sich etwa zwei Monate zuvor von ihm getrennt hatte, in einen Streit geraten. Um vier Uhr früh läutete der Kitzbüheler an der Tür des Elternhauses. Der Vater der 19-Jährigen konnte den jungen Mann aber abwimmeln. Zu Hause nahm E. die Pistole seines Bruders aus einem Safe. Die Waffe besaß dieser legal. Erneut begab sich der 26-Jährige zu dem Haus. Dieses Mal fielen die tödlichen Schüsse.

Tatmotiv war Eifersucht

Als Tatmotiv gilt Eifersucht. Offenbar dachte der junge Mann, der zu diesem Zeitpunkt FPÖ-Mitglied war, dass der Begleiter seiner Ex-Partnerin deren neuer Freund sei. E. wurde nach der Tat in Untersuchungshaft genommen. Er wurde auch aus der Partei ausgeschlossen.

Die Sachverständige hat das Seelenleben des mutmaßlichen Mörders untersucht. Demnach war der Kitzbüheler aufgrund einer Alkoholisierung zwar "enthemmt", zum Tatzeitpunkt aber zurechnungsfähig.

 

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