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Chronik

Drogenprozess gegen "Ibiza-Detektiv": Belastungszeugin erneut befragt

Von nachrichten.at/apa   23. November 2021 11:50 Uhr

ST. PÖLTEN. Der Prozess um Drogenvorwürfe gegen den mutmaßlichen Drahtzieher des Ibiza-Videos, Julian Hessenthaler, ist am Dienstag am Landesgericht St. Pölten mit der weiteren Einvernahme der Hauptbelastungszeugin fortgesetzt worden.

Erneut zeigten sich Widersprüche in den Aussagen der Slowakin. Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft mehr als ein Kilo Kokain weitergegeben haben, der 40-Jährige bestreitet die Anschuldigungen. Für Mittwoch ist ein weiterer Verhandlungstag geplant. Der Privatdetektiv soll laut Staatsanwaltschaft 2017 und 2018 insgesamt 1,25 Kilo Kokain mit einem Reinheitsgehalt von zumindest 70 Prozent nahe der niederösterreichischen Stadt Haag (Bezirk Amstetten), in Salzburg und Oberösterreich zu einem Grammpreis von 40 Euro an einen Bekannten übergeben haben. Damit soll Hessenthaler der Anklage zufolge Schulden beglichen bzw. seine triste finanzielle Situation aufgebessert haben. Das bestritt der Beschuldigte. Die Verteidiger sprachen von konstruierten Vorwürfen.

Belastet wird der in U-Haft sitzende Angeklagte von zwei Zeugen, deren Aussagen teilweise im Widerspruch zueinander stehen. Der Mann - ein früherer Geschäftspartner des Beschuldigten - und seine ehemalige Geliebte waren vergangenes Jahr in Salzburg wegen Drogendelikten verurteilt worden. Die Slowakin, deren Einvernahme an den vorangegangenen Verhandlungstagen am 8. September und 13. Oktober u.a. aufgrund psychischer Probleme abgebrochen werden musste, wurde am Dienstagvormittag erneut - wieder auf ihren Wunsch hin in Abwesenheit von Hessenthaler - befragt.

Wie in den vorangegangenen Befragungen der Frau ergaben sich auch dieses Mal Unterschiede im Vergleich zu den mehr als zehn Einvernahmen durch die Exekutive. "Bei der Polizei war ich ziemlich gestresst", sagte die Slowakin dazu laut Übersetzung der Dolmetscherin. "Manchmal kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Es ist so lange her", meinte die Zeugin: "Sobald detaillierte Fragen gestellt werden, ist das bei mir plötzlich durcheinander." Die in Salzburg übergebene Menge konnte die Frau nicht angeben, beim zweiten Mal sollen es - in zwei Teilen - insgesamt 500 Gramm Kokain gewesen sein. Sicher zeigte sie sich, dass beim dritten Mal 500 Gramm Drogen den Besitzer wechselten. Nach einer Pause wird die Schöffenverhandlung zu Mittag mit weiteren Fragen an den männlichen Hauptbelastungszeugen fortgesetzt.

Hessenthaler wird außerdem angelastet, einen gefälschten slowenischen Führerschein und Personalausweis, die auf den Namen einer rumänischen Bekannten lauteten, besessen und übergeben sowie bei einer Polizeikontrolle am 7. Mai 2019 in Wien eine gefälschte slowenische Lenkberechtigung vorgewiesen zu haben. "Ich übernehme die Verantwortung dafür, dass diese Dokumente falsch sind", hatte der Angeklagte am ersten Prozesstag eingeräumt.

Hessenthaler soll das Video produziert haben, auf dem der damalige FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache und FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in einer Villa auf Ibiza im Gespräch mit einer vermeintlichen Oligarchennichte zu sehen sind. Nach Veröffentlichung der Aufnahmen im Mai 2019 waren nicht nur Strache und Gudenus ihre Jobs los, sondern es kam auch zum Bruch der türkis-blauen Koalition. Eine Neuwahl war die Folge.

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