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Chronik

Die Flucht von Peter Seisenbacher ist zu Ende

Von (mpk/nieg)   12. September 2019 22:31 Uhr

Die Flucht von Peter Seisenbacher ist zu Ende
Peter Seisenbacher soll sich als Trainer an jungen Mädchen vergangen haben.

KIEW/WIEN. Der 59-jährige Ex-Judoka wurde in der Ukraine festgenommen und in die Justizanstalt Josefstadt gebracht.

Nach 632 Tagen auf der Flucht ist der zweifache Judo-Olympiasieger Peter Seisenbacher am Donnerstag mit einem Flieger aus Lemberg in der Ukraine in Wien gelandet und in die Justizanstalt Josefstadt überstellt worden.

Der unter Missbrauchsverdacht stehende Ex-Sportler war vor fast drei Jahren unmittelbar vor seiner Gerichtsverhandlung über Georgien in die Ukraine geflohen.

Mit einem gefälschten Pass soll der 59-Jährige jetzt versucht haben, aus der Ukraine nach Polen zu reisen, was ihm aber zum Verhängnis wurde. Sein österreichischer Rechtsvertreter, der Grazer Anwalt Bernhard Lehofer, bestätigte gestern den OÖN die Festnahme seines Mandanten: "Es stimmt, er ist an der ukrainisch-polnischen Grenze verhaftet worden." Das weitere Prozedere stehe noch nicht fest, sagte Lehofer. Dies solle nach einem für heute geplanten Treffen mit seinem Mandanten festgelegt werden, sagte der Anwalt.

Die Flucht von Peter Seisenbacher ist zu Ende
Der Olympia-Held in den 1980er Jahren.

Mit zwei Olympia-Goldmedaillen 1984 und 1988 hat Seisenbacher österreichische Sportgeschichte geschrieben. Drei Mal war er Sportler des Jahres, war Generalsekretär der Österreichischen Sporthilfe (bis 1993), stand dem Wiener Judo-Landesverband vor (2005–2010), war Cheftrainer von Georgien (2010–2012) und Aserbaidschan (2012–2013). Als Seisenbacher 2015 erneut Trainer von Aserbaidschan wurde, ermittelte die Staatsanwaltschaft bereits seit zwei Jahren wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs Unmündiger gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Judoka vor, sich in seinem Wiener Verein zwischen 1997 und 2004 an zwei damals minderjährigen Mädchen vergangen zu haben. Eine weitere Jugendliche wehrte ihn laut Anklage ab, als er zudringlich wurde.

Am 19. Dezember 2016 sollte der Prozess gegen Seisenbacher starten, doch er erschien nicht vor dem Landesgericht Wien. Am 1. August 2017 wurde er in Kiew festgenommen. Doch die ukrainischen Behörden lehnten eine Auslieferung ab, weil das Delikt laut ukrainischem Recht verjährt war. Seisenbacher wurde auf freien Fuß gesetzt, die Strafbehörden in Österreich waren machtlos.

Der 59-Jährige, für den die Unschuldsvermutung gilt, suchte um politisches Asyl an, das bis zuletzt aber abgelehnt wurde. Vor einem ukrainischen Gericht erklärte der Ex-Judoka, die österreichischen Behörden seien nicht fähig, ihn vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen, da sie Akteure seiner illegalen Strafverfolgung seien. Seine Flucht aus Österreich begründete er mit einer Vorverurteilung: "Ich bin geflohen, weil ich kein gerechtes Verfahren mehr erwarten konnte", zitierte ihn das Kiewer Gericht. Seisenbacher bekam kein Asyl. Durch ein neues europäisches Auslieferungsübereinkommen konnte er nun doch ausgeliefert werden.

Video: Der österreichische Ex-Judoka Peter Seisenbacher ist am Donnerstag nach monatelangem Tauziehen von der Ukraine ausgeliefert worden.

Vom Olympiasieger zum Angeklagten

Seit 2013 ermittelten die Behörden gegen den zweifachen Olympia-Goldmedaillengewinner Peter Seisenbacher wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen.
Im Dezember 2016 erschien Seisenbacher nicht zum Prozesstermin und flüchtete in die Ukraine. Ein europäischer Haftbefehl wurde ausgestellt.

Im August 2017 wurde der Ex-Sportler in Kiew festgenommen, ein Bezirksgericht verhängte Auslieferungshaft. Seisenbacher wurde aber wieder freigelassen, da das Delikt in der Ukraine verjährt war. Seit Oktober 2017 droht ihm aber eine Abschiebung nach dem Fremdenrecht. Seither hat der Ex-Judoka mehrmals, aber erfolglos, vor Gericht Rechtsmittel dagegen eingelegt. Im September 2019 erfolgte jetzt die Festnahme, als Seisenbacher versuchte, nach Polen zu reisen.

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