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Chronik

Wie intim darf man im Cafe werden?

Von Barbara Rohrhofer und Valerie Hader   14. Januar 2015 00:04 Uhr

Küsschen erlaubt, schmusen verboten: Wie intim darf man im Cafe werden?
Küssen verboten – jeder Wirt kann selbst entscheiden, was in seinem Lokal erlaubt ist.

WIEN. Rauswurf nach Kuss zweier Lesben in Wiener Lokal erregt die Gemüter auch im Ausland.

Dürfen Pärchen in Kaffeehäusern, Restaurants oder Bars schmusen? Diese Frage beschäftigt seit zwei Tagen nicht nur Österreich, sondern auch zahlreiche ausländische Medien, die jenen Vorfall analysieren, der sich kürzlich im Wiener Cafe Prückel zugetragen hat. Nachdem sich ein lesbisches Pärchen geküsst hatte, wurde es aus dem Kaffeehaus geworfen. Die beiden des Lokals verwiesenen Frauen sprechen von einem "Begrüßungskuss", die Wirtin Christl Sedlar meinte, dass der Austausch von Zärtlichkeit "mehr als ein Begrüßungskuss" gewesen sei und dass man ja nicht öffentlich zeigen müsse, "dass man zusammengehört".

Fast 7000 Küssende

Die "Achse kritischer SchülerInnen Wien" hat nun zu einer Solidaritätskundgebung unter dem Motto "Küssen im Prückel" vor das Kaffeehaus geladen. Auf Facebook haben sich fast 7000 Menschen zu der Veranstaltung angesagt (Stand Mittwochabend). "Ursprünglich dachten wir, es werden so 20, 30 Leute aus unserem Bekanntenkreis sein", sagt Anastasia Lopez, die mit ihrer Freundin die Diskussion rund um das Küssen ausgelöst hat.

Der Vorfall ist kein Einzelfall. Erst im Vorjahr hat ein Innsbrucker Wirt ein generelles Kuss- und Zärtlichkeitsverbot in seinem Lokal ausgerufen. In einem Aushang ließ er seine Gäste wissen: "Aus Respekt vor unseren Mitarbeitern und internationalen Gästen bitten wir Sie, Zärtlichkeiten in unseren Räumlichkeiten zu unterlassen."

"Küssen ist nichts Schlechtes"

Eine Vorgehensweise, die für den Linzer Remembar-Betreiber Marc Zeller nicht in Frage kommt: "Küssen ist nichts Schlechtes, das gehört in einem Abendlokal einfach dazu. Die Leute gehen fort, um jemanden kennenzulernen und sich näherzukommen." Natürlich käme es aber darauf an, wie intim der Körperkontakt sei. "Wenn’s zuviel ist und die Hände nicht mehr da sind, wo sie hingehören, muss man mit den Leuten reden, nach dem Motto: ,Seids mir nicht bös’, aber das geht zu weit."

Mit derartigen Situationen war Ulrich Traxlmayr vom gleichnamigen Kaffeehaus in Linz noch nie konfrontiert. "Bei uns gibt’s eigentlich nur Begrüßungsküsschen", sagt er. "Wenn jemand schmust, würden wir das Paar – unabhängig ob hetero oder homosexuell – bitten, das zu unterlassen."

Dass Küssen Ausdruck von Lebensfreude ist, findet Grünberg-Wirt Franz Pernkopf aus Gmunden. "Ein Gasthaus ist ein Ort der Freude. Bei uns geben sich die Menschen Bussis, zur Begrüßung, zum Anstoßen... Dagegen ist nichts zu sagen." Und wenn es zu leidenschaftlich wird? "Dann muss man die Gäste darauf aufmerksam machen, schließlich sind auch oft Kinder da. Aber ich gehe grundsätzlich davon aus, dass sich Erwachsene zu benehmen wissen", sagt er.

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