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Sieben Tote durch Listerien: Niemand trägt Schuld daran

Von (staro), 19. September 2014, 00:04 Uhr
Sieben Todesfälle durch Listerien und niemand trägt daran eine Schuld
Drei von fünf Angeklagten wurden freigesprochen, die Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig. Bild: APA/Erwin Scheriau

GRAZ. Von der ursprünglichen Anklage – fahrlässige Gemeingefährdung mit Todesfolge in sieben Fällen (Strafdrohung bis zu fünf Jahre Haft) – blieb am Ende des Strafprozesses in Graz nichts übrig.

Drei von fünf Beschuldigten des Käseherstellers Prolactal wurden freigesprochen, zwei Ex-Geschäftsführer zu 18 Monaten bedingter Haft bzw. zu zwölf Monaten bedingt und einer Geldstrafe von 7200 Euro verurteilt. Die Schuldsprüche erfolgten nicht nach dem Strafgesetzbuch, sondern wegen eines Verstoßes gegen das Lebensmittelsicherheitsgesetz, das nur eine Höchststrafe von zwei Jahren vorsieht.

Auch der aus Linz stammende Mediziner Andreas Peilowich, der seit seiner schweren Listeriose-Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen ist, bekam von Richter Raimund Frei keinen Schadenersatz zugesprochen. Er wurde mit seinen Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg verwiesen.

Das Ergebnis des Prozesses war die Folge eines Beweisproblems. Zwar war klar, dass die Opfer an einer Listerien-Vergiftung erkrankt und gestorben waren. Aber die Gerichtsgutachter wiesen darauf hin, dass auch bei Einhaltung aller gültigen Grenzwerte ein Konsument schwer erkranken könne. Es gebe keinen Grenzwert, der für alle Menschen gleich sicher sei. Und auch wenn man Käse esse, der innerhalb der Toleranzwerte liegt, steige das Risiko mit der verzehrten Menge. Im Fall des Mediziners Peilowich könne man nicht beweisen, dass er durch den Verzehr des Hartberger Bauernquargels krank geworden sei. "Man müsste würfeln", sagte Richter Frei. Die 50:50-Chance, dass er an Listerien in diesem Produkt erkrankt ist, sei aber weit von der "an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit" entfernt, die im Strafverfahren gefordert ist, sagte der Richter.

"Die Kausalität war schlussendlich nicht nachweisbar", sagt der Linzer Verteidiger Oliver Plöckinger. "Ich bin positiv überrascht von der Objektivität des Staatsanwaltes. Es war ein fairer Prozess. Das Gericht hat sich alles angehört." Übrig blieb die Verurteilung zweier Manager: Sie haben Anfang 2010, als eine weit über dem Grenzwert liegende Quargel-Charge getestet wurde, die Produktion zu spät gestoppt und die Rückholaktion unterlassen. Das Unternehmen selbst muss 100.000 Euro Geldbuße zahlen.

Zwischen Juni 2009 und Februar 2010 starben sieben Menschen an Listeriose. Acht Konsumenten aus Österreich und Deutschland wurden schwer krank. Als Bakterienquelle identifizierte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) den steirischen Käse. Daraufhin wurde die Produktion gestoppt. 

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