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Chronik

Schaffer: „Bundesheer wird immer kleiner, und die Unfälle werden mehr“

Von Von Sabine Novak   09. Oktober 2009

„Bundesheer wird immer kleiner, und die Unfälle werden mehr“
Es wird zu wenig geübt, weil das Geld falsch eingesetzt wird.}Michael SchafferMiliz-Präsident

SALZBURG. Der Präsident der Milizverbände Brigadier Michael Schaffer, im Zivilberuf Personalchef des Energieversorgers Salzburg AG, übt im OÖN-Gespräch heftige Kritik an der Heerespolitik.

OÖN: Was denken Sie über die heurige Unfallserie in Allentsteig, die letztlich sogar ein Todesopfer forderte?

Schaffer: So tragisch diese Unfälle sind, sie sind Indikatoren dafür, dass das ganze Werkl Bundesheer nicht mehr richtig funktioniert.

OÖN: Inwiefern?

Schaffer: Es wird zu wenig geübt, weil das Geld falsch eingesetzt wird. Das beginnt damit, dass beim Grundwehrdienst kein Geld für Nachtausbildungen oder Überstunden für die Ausbildner da ist. Es setzt sich damit fort, dass es eine junge Offiziersgeneration gibt, die noch nie an einem Manöver teilgenommen hat. Das Bundesheer wird immer kleiner und die Unfälle werden mehr.

OÖN: Wie viel kleiner ist das Bundesheer geworden?

Schaffer: Vor sieben, acht Jahren waren es noch 200.000 Mann. Dann wurde auf 110.000 reduziert und mit der Heeresreform weiter auf 55.000. Davon werden 30.000 von der Miliz gestellt. Das sind Soldaten, die nur auf dem Papier existieren, jahrelang nicht mehr einberufen wurden, und es kommen keine neuen nach.

OÖN: Zurück zu Allentsteig. Auf diesem Truppenübungsplatz hat doch erst im September eine Großübung mit 3100 Soldaten stattgefunden. Es wird doch trotz Sparkurs geübt.

Schaffer: Aber viel zu wenig. So mancher Bataillonskommandant traut sich oft nicht mehr üben. Das ist wie beim Fußball, wenn einer keine Spiele mehr macht, geht die Fertigkeit und die Führungsfähigkeit verloren.

OÖN: Was passiert dann mit den knapp zwei Milliarden Euro, die die Steuerzahler für das Heeresbudget bereitstellen müssen?

Schaffer: Von dem Geld wird viel zu viel in Prestigeobjekte, wie den Burgenland-Grenzeinsatz, der nichts mit dem Militär zu tun hat, oder auch in Auslandseinsätze gepumpt. Das führt zu einer drastischen Reduktion der Einsatzfähigkeit des Bundesheeres.

OÖN: Was würden Sie sich also wünschen?

Schaffer: Wir vom Milizverband wünschen uns, dass die Einsatzfähigkeit des Bundesheers von externen Experten evaluiert wird. Und nicht von internen wie bisher – das ist ja das Grundübel.

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