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Chronik

Flüchtlingsstau in Salzburg: "Sehr ernsthafte Probleme"

Von hip/kri   25. September 2015 00:04 Uhr

Flüchtlingsstau in Salzburg: "Sehr ernsthafte Probleme"
Warten auf die Weiterreise im Feldbettenlager im Postverteilerzentrum in Linz

SALZBURG, LINZ. Notlage: Quartier in Bahnhofsgarage auf 800 Plätze ausgebaut.

Der Salzburger Hauptbahnhof bleibt das Nadelöhr für Zigtausende Flüchtlinge, die durch Österreich Richtung Westen reisen. Um den Ansturm der Menschenmassen auf die Züge unter Kontrolle zu halten, hatte die Polizei in den vergangenen Tagen mehrmals die Aufgänge zu den Bahnsteigen sperren müssen. 2100 Schutzsuchende hatten am Mittwoch den Bahnhof erreicht, nur 1500 von ihnen konnten die Grenze nach Bayern überqueren.

Um den Rückstau von Flüchtlingen einzudämmen, hat Bürgermeister Heinz Schaden (SP) gestern die Notbremse gezogen. Das Notquartier in der Bahnhofsgarage wurde von 450 auf 800 Schlafplätze ausgebaut. Salzburg sei das Ausfallstor von Österreich nach Deutschland, sagte Schaden. Die derzeitige Situation führe "zu sehr ernsthaften Problemen für den Betrieb am Hauptbahnhof".

In Oberösterreich bereitet sich das Rote Kreuz auf die kälteren Tage vor. Jacken, lange Hosen und festes Schuhwerk brauchen die Flüchtlinge am dringendsten, berichtet Rot-Kreuz-Sprecher Stefan Neubauer: "Viele sind mit Flip-Flops unterwegs, wenn sie bei uns ankommen." Mit einem schnellen Ende des Hilfseinsatzes rechnet das Rote Kreuz nicht. Neubauer: "Wir planen derzeit bis mindestens Mitte Oktober. Für die nahe Zukunft rechnen wir täglich mit zumindest 2000 Flüchtlingen." Etwas mehr als 2500 Feldbetten stehen in Oberösterreich in Notquartieren für durchreisende Flüchtlinge bereit.

5000 Flüchtlinge wurden heuer bundesweit bereits in andere EU-Länder abgeschoben. Diese Zahl gab Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (VP) gestern bei einem CSU-Treffen im bayrischen Konstanz bekannt. Ausnahme sei Griechenland, wegen der schwierigen humanitären Lage schickt die Republik derzeit keine Migranten in den Mittelmeerstaat zurück. Auch nach Ungarn, das eine rigide Flüchtlingspolitik verfolgt, gebe es derzeit kaum Rückführungen, heißt es aus dem Innenressort. Österreich werde keine Asylwerber aus Kroatien und Slowenien akzeptieren, sagte Mikl-Leitner in Bayern. Flüchtlinge hätten kein Recht, sich das für sie wirtschaftlich attraktivste Land auszusuchen, erläuterte die Innenministerin.

Flüchtlinge nahmen Hochstände in Beschlag

Engerwitzdorf. Als der Jagdpächter eines Reviers in Engerwitzdorf (Bez. Urfahr-Umgebung) vor zwei Wochen einen Hochsitz besteigen wollte, traute er seinen Augen nicht: Die über eine drei Meter hohe Sprossenleiter zugängliche Kanzel war schon besetzt – von einem Flüchtling aus dem einige hundert Meter entfernten Quartier im ehemaligen Gasthaus „Klammühle“.

Es blieb kein Einzelfall: Alle drei Hochsitze in dem 150 Hektar großen Revier wurden phasenweise von Flüchtlingen in Beschlag genommen. Grund war die schlechte Handy-Verbindung in der abgelegenen Unterkunft, in der das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen 50 Personen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Somalia betreut. Einen guten Handy-Empfang gab es nur auf den jagdlichen Holztürmen. Das hatte sich offenbar schnell herumgesprochen.

„Wir haben nichts gegen die Flüchtlinge“, sagt Franz Burner, Bezirksjägermeister von Urfahr-Umgebung. Doch sie würden „in Unkenntnis der Gegebenheiten“ Unruhe ins Revier bringen. Das Wild werde verscheucht und die Erfüllung der gesetzlichen Abschusspläne dadurch erschwert. Der Jagdpächter hat jetzt die betreffenden Hochstände mit Vorhangschlössern versehen.

Telekom installiert Zusatzsender

„Das ist sicher nicht das große Problem“, sieht es Christopher Böck vom Landesjagdverband gelassen. Die Telekom arbeitet bereits an einer Verstärkung des Handy-Empfangs im Bereich der Unterkunft, „eventuell werden Zusatzsender installiert“, hieß es am Dienstag.

„Die Bedenken der Jägerschaft sind ernst zu nehmen“, betont der Engerwitzdorfer Bürgermeister Herbert Fürst (VP). Die Jäger hätten ihre gesetzlichen Vorgaben umzusetzen, „doch es müssen auch die Bedürfnisse der Flüchtlinge berücksichtigt werden.“ Mehr als 150 Freiwillige würden sich bereits um sie kümmern: „Da sind wir auf einem guten Weg.“   

 

 

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