Allentsteig: Defekt zündete Haubitzen-Granate zu früh

09.Oktober 2009

Defekt zündete Haubitzen-Granate zu früh
Nach tragischem Todesfall beim Truppenübungsplatz in Allentsteig herrscht am Wochenende Waffenruhe. „Danach wird wieder scharf geschossen“, sagt ein Offizier.

Die siebenköpfige Untersuchungskommission des Bundesheeres arbeitete von Mittwoch auf Donnerstag bis spät in die Nacht an der Ursachenforschung. Explosionsursache war ein defekter Zünder, der das Geschoss bereits explodieren ließ, ehe die Granate der Panzerhaubitze des Typs „M109 A5Ö“ abgefeuert wurde. „Nachdem die Granate ordnungsgemäß in den Laderaum eingeführt worden war, kam es direkt danach zu einer vorzeitigen Explosion des Sprengsatzes, noch bevor der Ladekanonier die Treibladung (diese „treibt“ die Granate aus dem Rohr, Anm.) einschieben konnte“, sagt Generalleutnant Günter Höfler. Teile der Granate wurden dadurch nach hinten in den Laderaum geschleudert und trafen den burgenländischen Korporal Patrick W. (20). Der Richtkanonier war auf der Stelle tot. Der als Ladekanonier agierende steirische Rekrut Andreas N. (19) wurde an beiden Händen schwer verletzt. Für den schwer Verletzten – er wird sich noch mehreren Nachoperationen unterziehen müssen – ist der Präsenzdienst jedenfalls zu Ende.

Die sogenannte Brandunterdrückungsanlage im Inneren des Geschützes verhinderte dabei noch Schlimmers: „Sie entzog der Kabine Sauerstoff, sodass nur Teile der Sprengladung detonieren konnten“, sagt Höfler. „Die Energie der Explosion wirkte sich in dem geschlossenen Raum dennoch fatal aus“, sagt Oberst Michael Bauer. „Bei einer Totalexplosion hätte vermutlich niemand überlebt.“ Laut Untersuchung seien „menschliches und waffentechnisches Versagen am System der M109“ auszuschließen.

Nach mehreren Unfällen in Allentsteig wollten die Bundesheer-Verantwortlichen gestern relativieren: „Jeder Unfall ist einer zuviel. Aber auf dem Übungsplatz nehmen jährlich zehntausende Soldaten ohne Zwischenfälle an Manövern teil“, sagt Generalleutnant Höfler.