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Oberösterreich

"Wir haben ein Gewaltproblem"

Von Herbert Schorn 18. Mai 2019 00:04 Uhr

"Wir haben ein Gewaltproblem"
Pro Jahr wird die Polizei zu rund 200 Einsätzen wegen Gewaltdelikten an Oberösterreichs Schulen gerufen.

LINZ. Erneut löste ein Linzer Schüler einen Polizeieinsatz aus: Mit einer Schere in der Hand bedrohte er einen Lehrer – Lehrervertreter Kimberger fordert Maßnahmen gegen Schulgewalt.

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wurde die Polizei am Donnerstag wegen eines aggressiven Schülers zu einem Einsatz in eine Linzer Schule gerufen. Ein Zwölfjähriger hatte in der Europaschule eine Schere genommen und gedroht, seinen 56-jährigen Lehrer umzubringen. Ein zweiter Pädagoge konnte den Türken aus der Klasse bringen. Erst auf dem Gang beruhigte er sich wieder.

Was war passiert? "Der Lehrer hatte den Schüler mehrmals aufgefordert, sich auf den Platz zu setzen", berichtet Herbert Gimpl, Rektor der Pädagogischen Hochschule (PH) Oberösterreich, zu der die Europaschule gehört. Doch der Zwölfjährige habe sich weiter im Raum bewegt, sei immer unruhiger geworden.

Als er auf den laut Gimpl hochqualifizierten Pädagogen zuging und ihn körperlich angriff, packte ihn der Lehrer am Arm. Wegen des Lärms kam ein zweiter Lehrer aus der Nachbarklasse und versuchte, den Schüler festzuhalten. Doch der Bub riss sich los, lief zum Platz, schnappte eine Schere und ging zum 56-Jährigen. Dieses Mal konnte ihn der zweite Pädagoge halten und hinausbringen. "Dabei bedrohte er den ersten Lehrer mit dem Umbringen", sagt der Rektor.

> Video: Wieder Zwischenfall mit aggressivem Schüler

Aggressive Mutter

Noch am Gang rief der Bub seine Mutter an. Gleichzeitig wurde die Polizei verständigt. Doch als die Beamten kamen, zeigte sich die Erziehungsberechtigte wenig kooperativ. "Sie verhielt sich aggressiv gegen die Beamten", sagt Clemens Lehner-Redl von der Pressestelle der Landespolizeidirektion. Sie wird angezeigt.

Der Bub wurde vom Unterricht suspendiert. Als Grund für sein Verhalten gab er an, sich vom Lehrer provoziert gefühlt zu haben, er habe ihn aber nicht verletzen wollen. Laut Gimpel gilt er als impulsiv, mit einer geringen Frustrationstoleranz.

Der Vorfall wird an der PH sehr ernst genommen. Unter Führung der zuständigen Vize-Rektorin Katharina Soukup-Altrichter wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der Experten der PH und Lehrer der Schule über Maßnahmen beraten: "Wir müssen überlegen, ob und wie der Schüler wieder in die Schule integriert werden kann", sagt Rektor Gimpl.

Bereits am Mittwoch hatte ein 16-jähriger Schüler in einer Linzer Sonderschule eine 14-jährige Klassenkollegin gewürgt und sie sowie zwei Lehrerinnen mit einem Messer bedroht.

"Mehr Gewaltphänomene"

Für den obersten Lehrervertreter Österreichs, Paul Kimberger, sind diese Vorgänge längst keine Einzelfälle mehr. "Wir haben an den Schulen ein Gewaltproblem. Es gibt einen qualitativen und quantitativen Anstieg von Gewaltphänomenen." Das Spektrum reiche von verbaler Gewalt, Gewalt in sozialen Medien bis zu körperlichen Übergriffen: "Das passiert auch vermehrt gegenüber Lehrern."

Er fordert "effektive Maßnahmen": "Sonst werden wir in zehn, 15 Jahren viel größere Probleme haben." Kimberger wünscht sich mehr Unterstützungspersonal wie Psychologen, Sozialarbeiter und administrative Kräfte. Außerdem soll es in höheren Schulen leichter sein, Schüler von der Schule auszuschließen. "In den Pflichtschulen wäre es wichtig, dass die Direktoren selbst eine Suspendierung aussprechen können und nicht von der Behörde abhängig sind", sagt der Lehrervertreter.

Lehrer soll zugeschlagen haben

Landeshauptmann-Stv. Christine Haberlander (VP) unterstützt diese Forderung. Ermöglichen muss dies allerdings der Bund: "Bei Gefahr im Verzug muss es möglich sein, dass der Direktor sofort eine Suspendierung aussprechen kann, ohne den üblichen Amtsweg einzuhalten."

Landeshauptmann-Stv. Manfred Haimbuchner (FP) sieht in der Vermittlung von Werten einen wesentlichen Faktor für die Prävention von Gewalt: "In Zeiten sinkender Hemmschwellen zeigt sich, dass es unerlässlich ist, unsere Kinder schon von klein auf zum guten Miteinander anzuleiten."

Unterdessen wurde gestern im Bezirk Graz-Umgebung ein weiterer Fall von Schulgewalt bekannt. Dieses Mal soll aber ein Lehrer der Täter sein: Der 62-Jährige soll am Dienstag einem Achtjährigen mit der Rückseite der Hand ins Gesicht geschlagen haben. Der Schüler hatte angeblich zuvor den Unterricht mehrmals gestört. Der Lehrer wurde angezeigt.

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Redakteur Land und Leute

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