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Oberösterreich

Wie es zum Lawinenunglück auf dem Warscheneck kommen konnte

Von Gabriel Egger   23. Februar 2021 18:59 Uhr

Winter in Oberösterreich: Die schönsten Schneebilder der OÖN-Leser
Die Steilflanke des Skilehrerwegs am Tag danach.

SPITAL AM PYHRN. Ein 60-jähriger Laakirchner stürzte mit einem Schneebrett 150 Meter in die Tiefe. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Helmut Steinmaßl, Lawinenreferent der Bergrettung, analysiert die Umstände des tragischen Unglücks.

Innerhalb von wenigen Sekunden nahm die Skitour zweier Laakirchner vergangenen Samstag eine tragische Wende. Wie berichtet, hatte ein 60-jähriger Tourengeher nach erfolgreicher Gipfelbesteigung des Warschenecks, bei der Abfahrt über die steile südseitig ausgerichtete Flanke des Skilehrerwegs ein Schneebrett ausgelöst. Die Lawine riss den Alpinisten über mehrere Felsstufen mit. Johann F. erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Kopfverletzungen. 

Am Unglückstag und auch am Tag danach waren zahlreiche Tourengeher auf dem Warscheneck unterwegs- viele überwanden dafür auch die Felsstufen des Skilehrerwegs. Doch nur wenige von ihnen haben sich die Schneedecke, auf der sie talwärts fuhren, genau angesehen. "Alleine beim Graben in die Schneedecke hätte auch jeder Laie gespürt, wie schlecht diese Schicht verbunden ist", schreibt Helmut Steinmaßl, Lawinenreferent der Bergrettung Oberösterreich, in einem ausführlichen "Lawinen-Update". 

Auf Kalt folgt warm

Eine Kältewelle, besonders mit anschließendem Schneefall, müsse immer ein Alarmzeichen sein. Diese Kältewelle, die von 9. bis 15. Februar über Oberösterreich schwappte, habe eine intensive nächtliche Abstrahlung erzeugt. Die Oberflächentemperaturen des Schnees erreichten Extremwerte: Auf dem Krippenstein bis zu minus 35 Grad.

Der verbliebene Pulverschnee wurde in nur wenigen Tagen in Schwimmschnee (Tiefenreif) umgewandelt- ein Prozess, der von außen nicht wahrnehmbar ist. Dabei entstehen grobkörnige Schneekristalle, die keine Bindung untereinander und zu anderen Schneeschichten aufweisen. Solange dieser Schwimmschnee nicht eingeschneit wird, gibt es kein Problem- ansonsten wird er zur idealen Basis für die Entstehung von Schneebrettern. Genau das ist  schließlich passiert: ein neues Altschneeproblem entstand.

Weil die so stark unterkühlte Schneedecke trotz Wärmeeinbruchs nicht vollständig durchfeuchtet wurde, sondern nur rund fünf Zentimeter weit, blieb der Schwimmschnee darunter erhalten.

Durchfeuchtete Schneedecke nicht ausschlaggebend

Schließlich fielen auf diese Schwimmschneeunterlage rund 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee- bei starkem Westwind.

Am Tag des Unfalls war die Schneedecke schließlich nur zehn Zentimeter weit durchfeuchtet- die Aufweichung der Schneeoberfläche- also eine zu späte Abfahrt, wie sie von vielen als Ursache angenommen wurde- war nicht ursächlichfür den Lawinenabgang. Das Schneebrett war trocken- die beschriebene eingeschneite Schwimmschneeschicht wurde ausgelöst. 

"Da beide gleichzeitig im Hang waren, ist nicht klar wer den entscheidenden Impuls für die Auslösung setzte. Normal bricht der Hang dort, wo eine geringere Mächtigkeit vorhanden ist. Generell wäre es natürlich in so ausgesetzten Steilhängen noch sicherer, zu einem sicheren Sammelplatz zu fahren und dann erst dem Nächsten das Signal zum Losfahren zu geben. Diese Strategie hätte vermutlich ein Menschenleben gerettet" , schreibt Steinmaßl weiter. 

Am gleichen Tag löste ein Tourengeher in der Ostflanke des Kleinen Pyhrgas innerhalb von zehn Minuten drei Schneebretter aus. Auch hier war diese tückische Unterlage verantwortlich.

Das gesamte Lawinen-Update von Helmut Steinmaßl lesen Sie HIER: 

 

 

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